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Weltweit Hannover trauert um Sportfotograf zur Nieden
Sportbuzzer Sportmix Weltweit Hannover trauert um Sportfotograf zur Nieden
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00:15 28.01.2015
Von Heiko Rehberg
Seine Bilder machen ihn unvergessen: Sportfotograf Ulrich zur Nieden. Quelle: Archiv
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Hannover

Ulrich zur Nieden hat sie alle fotografiert für die HAZ, vom kleinen Fußballjungen aus der Blümchenpflücker-Liga bis zu den großen Fußballstars, die ihm in seinen 47 Berufsjahren vor die Kamera gekommen sind. Aber es hat für ihn nie einen Unterschied gemacht, ob er zu einem Termin mit Franz Beckenbauer musste, beim Sportfest geistig behinderter Menschen auf seinem Klappstuhl saß oder bei einem Kreisklassenkick hinter dem Tor. Es ging ihm immer um das beste Motiv, um ein Bild, das eine Geschichte erzählen sollte – und noch mehr um die Menschen, die er fotografierte.

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Am Silvestertag hatte er seinen letzten Termin für die HAZ. Beim „Feuerwerk der Turnkunst“ saß er in der TUI-Arena, es war eine seiner Lieblingsveranstaltungen, wie kein anderer Sportfotograf konnte er die besondere Atmosphäre dieser Veranstaltung in seinen Bildern einfangen. Wie immer, wenn er für die Zeitung unterwegs war, hat er danach angerufen und gefragt, ob „die Bilder alle angekommen sind“. Das gehörte dazu, wenn „zN“ einen Termin hatte. Oft hat er auf ein Bild aufmerksam gemacht, das er besonders gelungen fand, und manchmal wollte er auch ein „Gut gemacht, Uli“ hören, auch wenn er das natürlich nie zugegeben hätte.
Gut gemacht, Uli. Das würden wir ihm so gerne noch einmal zurufen. Aber leider können wir das nicht mehr. Am Freitagabend ist Ulrich zur Nieden im Alter von 78 Jahren im Krankenhaus Siloah in Hannover an einem Herzversagen gestorben.

 

Keine Bilder mehr von „zN“, kein grummelndes „Bei dem Licht kann ich nicht fotografieren“, um dann doch ein perfektes Sportbild zu bekommen: Das alles ist noch unvorstellbar. Zur Nieden hat die Sportseiten der HAZ mit seinen Bildern geprägt. Er war ein Perfektionist, und die Szene, wenn er bei unserer Fußballschule das Gruppenbild machen sollte, erzählt alles über seine Arbeitsweise. Mit seiner Kamera postierte er sich auf dem Balkon des Clubheims beim Heeßeler SV, um 60 mit Ball auf ihn zulaufende Kinder besser fotografieren zu können. Zur Nieden gab von oben den Startschuss, manchmal dauerte es keine zwei Sekunden, dann rief er ein lautes „Stopp“, weil er mit irgendetwas nicht zufrieden war. 60 Kinder mussten noch mal von neuem starten, mitunter bis zu sechsmal – bis „zN“ zufrieden war.

Der gebürtige Wuppertaler, früher ein begeisterter Wasserballer, war wie ein Knurrbär. Aber wer sich von seiner manchmal mürrisch wirkenden Art nicht abschrecken ließ, lernte schnell einen warmherzigen Menschen kennen, der bei einem Kaffee und einer Zigarette entspannte und Krimibücher verschlang. „Wenn der liebe Gott mich lässt, fotografiere ich bis Sommer 2012“, hat er an seinem 75. Geburtstag gesagt.

Der liebe Gott war zum Glück großzügiger. Das ist ein kleiner Trost an einem traurigen Wochenende, genau wie das Wissen, dass seine Bilder Ulrich zur Nieden unvergesslich machen.

„Einen Freund verloren“

Steven Cherundolo erinnert sich an schöne Zeiten

Mitte Dezember, kurz vor der Winterpause, habe ich beim 96-Training zugeschaut. Das war das letzte Mal, dass ich Uli gesehen habe. Wir haben uns unterhalten und gescherzt, so wie wir das immer gemacht haben. Das war ja auch das Schöne an ihm: Egal, wie lange wir uns nicht gesehen hatten, er war gleich wieder der Alte. Ein Training von 96 ohne Uli, das kann ich mir einfach nicht vorstellen.

Wann ich ihn kennengelernt habe, daran kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Auf jeden Fall war er schon da, als ich 1999 nach Hannover gekommen bin und bei 96 als Profi angefangen habe. Im Laufe der Jahre haben wir uns dann immer besser kennengelernt, wir haben uns ja auch fast jeden Tag gesehen; auf dem Trainingsplatz oder bei einem Kaffee bei Massimo (Besitzer des Eiscafés Venezia am Steintor, d. Red). Er ist ja auch immer ins Trainingslager mitgefahren, das war immer eine gute Zeit. Denn Uli war einer der wenigen Menschen, die den speziellen Humor von Altin (Ex-Profi Altin Lala, d. Red) und mir verstanden haben. Wir lagen da auf einer Wellenlänge.
Sein Tod macht uns alle sehr traurig, weil wir einen tollen, sehr professionellen und humorvollen Freund verloren haben. Er wird mir als freundlicher und geselliger Mensch in Erinnerung bleiben. Als ein Mensch, den ich sehr gerne gehabt habe. Und von dem ich viel lernen konnte.“

 pur

Zitate zum Tod von Ulrich zur Nieden:

96-Präsident Martin Kind: "Sein Tod ist ein großer Verlust und schmerzt uns. Herr zur Nieden gehörte mit seiner Kamera im Stadion, auf dem Trainingsplatz und bei vielen anderen Anlässen ganz fest zu 96. Er war eine Persönlichkeit und Institution in Hannover. Mit seinen Motiven hat er in den vergangenen Jahren auch regelmäßig die Kommunikations-Plattformen von Hannover 96 bereichert".

Lars Stindl, Kapitän von Hannover 96, im Namen der Mannschaft: "Alle in der Mannschaft sind traurig und werden Uli wahnsinnig vermissen. Wenn wir auf unseren Trainingsplatz kamen, saß er bei Wind und Wetter schon auf seinem Hocker. Wenn wir bei einem Auswärtsspiel mit dem Bus vorfuhren, war er schon da. Die Mannschaft und auch viele ehemaliger 96-Spieler trauern um einen super Typen. Ruhe in Frieden, Uli."

25.01.2015
25.01.2015