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Weltweit Heiko Rehberg über den neuen DFB-Chef
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22:09 05.03.2012
Von Heiko Rehberg
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Hannover

Der neue Chef ist ein Pragmatiker und ein Praktiker, Revolutionäres sollte niemand von Wolfgang Niersbach als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erwarten. Der zentrale Satz seiner Antrittsrede war deshalb auch nicht inhaltlicher Natur, sondern eine Beschreibung seiner Arbeitsweise. "Ich bin von ganzem Herzen ein Mannschaftsspieler", sagte der 61-Jährige. Das war nicht als Spitze gegen seinen Vorgänger Theo Zwanziger gemeint. Treffend wäre sie sehr wohl gewesen.

Dem selbstverliebten Solisten Zwanziger folgt also der Teamspieler Niersbach. Für den größten Sportfachverband der Welt ist der Wechsel an der Spitze ein Segen, auch wenn Zwanziger mit der Verankerung des Fußballs inmitten der Gesellschaft durchaus Großes geleistet hat.

Doch als Krisenmanager gab Zwanziger zuletzt keine gute Figur mehr ab. Das Gespür, wann Schweigen besser als Reden gewesen wäre, war dem glänzenden Rhetoriker abhanden gekommen. Selbstherrlich und beratungsresistent hat er in seiner gut siebenjährigen Präsidentschaft den Verband geführt. Wie einsam es zuletzt um ihn war, merkte der gelernte Jurist erst, als nach seiner Rücktrittsankündigung ihn niemand überreden wollte, weiterzumachen.

Dass ihn mit Niersbach nun einer beerbt, den Zwanziger nicht wollte - sein Favorit war Erwin Staudt -, lässt die Umarmungsszenen der beiden in Frankfurt in einem merkwürdigen Licht erscheinen. Umgekehrt gibt Zwanzigers erfolgloses Veto Niersbach die Chance, sich von Zwanziger zu emanzipieren. In seiner Funktion als Generalsekretär war ihm das nicht gelungen.

Niersbach ist ein fröhlicher, lockerer Typ. Wenn davon etwas auf den DFB abfärbt, wäre das ein erster Erfolg.