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Weltweit München hofft auf Kaiserwetter
Sportbuzzer Sportmix Weltweit München hofft auf Kaiserwetter
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07:56 05.07.2011
Von Carsten Schmidt
Der bayrische Ministerpräsident Seehofer wirbt für die Olympischen Spiele 2018 in München. Quelle: dpa
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Jetzt muss es doch gutgehen! Am Mittwoch wirft sich der „Kaiser“ höchstpersönlich und vor Ort in die Bresche für München 2018. Die Heimatstadt von Franz Beckenbauer will auf der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im südafrikanischen Durban Sportgeschichte schreiben und als erster Ort nach den Sommer- auch Winterspiele ausrichten.

Damit bietet der Bewerber München im Duell mit Pyeonchang aus Südkorea und dem französischen Annecy den zweiten Sport-Weltstar auf der Zielgeraden auf. Katarina Witt, Eiskunstlauf-Olympiasiegerin 1984 und 1988, hatte als Präsentationschefin seit Juni 2010 in der ganzen Welt für die deutsche Kandidatur geworben. Der Einsatz der in Ost und West, in Europa und Amerika geschätzten „Eisprinzessin“ hat mächtig dabei geholfen, dass Münchens Rückstand auf den Favoriten Pyeongchang beständig geschmolzen ist. Da müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn Beckenbauers Worte verhallen. „Das einmalige Flair Münchens, den bayerischen Charme, die Natur und die Schönheit unserer Berge, die Herzlichkeit der Menschen und die Begeisterung für den Wintersport wollen wir 2018 mit der olympischen Familie teilen“, sagt der 65-Jährige auf seine unnachahmliche Art.

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Beckenbauer holte schon 2000 mit viel Einsatz die Fußball-Weltmeisterschaft nach Deutschland und spielte sich bei der damaligen Präsentation die Bälle mit Bundeskanzler Gerhard Schröder zu, zuvor Ministerpräsident Niedersachsens. In Durban tritt auf die Bühne neben den Sportstars Witt und Beckenbauer Bundespräsident Christian Wulff – zuvor niedersächsischer Landeschef. Kommt es also auch auf die Region zwischen Ems und Elbe an, die ein aufstrebendes Wintersportgebiet ist – siehe Biathlon-Weltmeister Arnd Peiffer aus Clausthal-Zellerfeld?

Ein Blick in die Vergangenheit indes zeigt, dass gerade die 108 IOC-Mitglieder für jede Überraschung gut sind und sich weder von Emotionen noch von Sachargumenten allein bei ihrem Votum leiten lassen. Paradebeispiel war die Vergabe der Sommerspiele 1996 an Atlanta als Reverenz an den Sponsor Coca-Cola. Oder die Entscheidung 1992 für Barcelona, Heimatstadt des damaligen IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch. Oder, oder …
Wie wenig gute Bewertungen in der Evaluierung des IOC bringen, hat Berlin 1993 als Kandidat für die Sommerspiele erlebt. Die damals beste „Vornote“ brachte die wenigsten Stimmen, daran konnten auch die Sympathieträger Günther Jauch und Stefanie Graf auf der Präsentationsbühne nichts ändern. Auch Berchtesgadens Bewerbung für die Winterspiele 1992 fiel mit Pauken und Trompeten durch.

Einmal indes klappte es bei einer olympischen Abstimmung – 1966 in Rom, als München den Zuschlag für die Sommerspiele 1972 erhielt. Die damalige Delegation indes führte kein schillernder Star an, sondern der grundsolide Münchener Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel – der Mann mit den Klarsichthüllen.