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Weltweit Neuner – und dann lange nichts
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10:09 05.03.2012
Nach dem Super-Wochenende wird die Neuner-Gala am Sonntag in Ruhpolding mit dem Massenstartrennen enden.
Nach dem Super-Wochenende wird die Neuner-Gala am Sonntag in Ruhpolding mit dem Massenstartrennen enden. Quelle: dpa
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Ruhpolding

Magdalena Neuner und sonst nichts. Ohne die nun elfmalige Weltmeisterin hätte es für die deutschen Biathleten bei der Heim-WM am ersten Wochenende ein böses Erwachen gegeben. Während die Doppel-Olympiasiegerin zwei Wochen vor ihrem Karriere-Ende ihren elften WM-Titel und ihr viertes WM-Silber gewann, gab es für den Rest der deutschen Skijäger in Ruhpolding nichts zu holen.

Neuner krönte sich mit WM-Gold im Sprint und WM-Silber in der Verfolgung am Samstag und Sonntag vor insgesamt 56 000 Zuschauern zur unumstrittenen Biathlon-Königin. 16 Medaillen hat die Doppel-Olympiasiegerin in ihren fünf Jahren als Skijägerin nun bei Weltmeisterschaften gewonnen. Drei will die 25-Jährige bis Sonntag noch gewinnen. «Jetzt ist Halbzeit und ich habe einen kompletten Satz», sagte sie. Mit der Mixed-Staffel hatte sie am Donnerstag bereits Bronze gewonnen.

Bei den Männern machten dagegen Durchhalteparolen die Runde. In den ersten beiden Einzelentscheidungen an diesem Wochenende gingen nicht nur die großen Hoffnungsträger Arnd Peiffer und Andreas Birnbacher leer aus. «Bei den nächsten Rennen geht es wieder bei Null los. Wir greifen an und haben alle Chancen», sagte der dreimalige Saisonsieger Birnbacher, der als 16. bester Deutscher im Sprint war. In der Verfolgung schaffte in Simon Schempp auf Platz neun wenigstens ein DSV-Skijäger den Sprung in die Top Ten. Großer Abräumer war der Franzose Martin Fourcade, der sich beide Titel schnappte.

Die nächste Medaillenchance haben die Männer am Dienstag im Einzel (15.30 Uhr/ARD und Eurosport). Die vier Startplätze sind noch nicht vergeben. Ob Turin-Olympiasieger Michael Greis nach seinen Plätzen 26 und 23 dabei sein wird, ist offen. «Wie es weitergeht, da bin ich ganz entspannt. Ob ich dabei bin, oder nicht - ich kann mit jeder Entscheidung leben», sagte der 35-Jährige, für den die WM nach dem Auftakt-Wochenende schon vorbei sein könnte.

Die Frauen sind am Mittwoch im Einzel wieder dran - und dürfen auf eine Fortsetzung der Lena-Festspiele hoffen. Locker, leicht und gut gelaunt lief Neuner am Samstag dank einer fehlerfreien Schnellfeuereinlage den Sprint-Sieg vor Darja Domratschewa aus Weißrussland heraus. Es war der siebte der Saison - der Sprint-Weltcup ist ihr nun auch nicht mehr zu nehmen. Ohrenbetäubend war der Jubel, als Neuner über die 7,5-Kilometer raste. «Bei dem tiefen Schnee ist es gut, von den Leuten getragen zu werden», sagte das «Covergirl» der deutschen Biathleten, «so in der Art hat es das für mich noch nie gegeben.»

Im Verfolger vergab sie dann im letzten Schießen das zwölfte WM-Gold. Neuner ließ zwei Scheiben stehen, Domratschewa traf fünfmal und zog vorbei. Ihr Trainer Klaus Siebert, bei der ersten WM in Ruhpolding 1979 Weltmeister für die damalige DDR, sprang begeistert in die Höhe. Für die Weißrussin war es der erste WM-Titel. Und den gönnte ihr Magdalena Neuner. «Ich würde lügen, wenn ich sage, ich würde mich nicht ärgern. Da hat sich Nervosität eingestellt. Aber ich freue mich über Silber», sagte Neuner. Stark verbessert im Jagdrennen zeigten sich Andrea Henkel als Elfte, Tina Bachmann auf Rang 14 und Miriam Gössner auf dem 22. Rang.

Am Samstagabend stand Neuner ganz allein mit ihrem elften WM-Gold («einer der topschönsten WM-Titel») auf der Bühne im Ruhpoldinger Champions Park und genoss den bewegenden Moment. «Es ist unheimlich schön auf die Menschenmassen runterzuschauen», sagte sie später. Unten schwenkten 7000 Menschen die schwarz-rot-goldenen Fahnen, feierten ihre «Gold-Lena» zu den Klängen von David Bowies «Heroes». Neuner hatte feuchte Augen, als die Nationalhymne gespielt wurde. «Natürlich», sagte sie, «es wäre ja traurig, wenn nicht. Klar bin ich gerührt gewesen, weil ich viel dafür getan habe, dass es so kommt.»

Über zwölfeinhalbtausend Sportstunden hat sie im Laufe ihrer Karriere investiert - diese Rechnung hatte sie am 6. Dezember präsntiert, als sie ihren Rücktritt zum Ende dieses Winters öffentlich gemacht hatte. In ihrem achtletzten Karriererennen wurde sie von den 28 000 Zuschauer in der ChiemgauArena gefeiert wie noch nie. «Nur ein Kuss, Magdalena», stand auf einem Plakat. Oder: «Danke Lena!» Und auch am Sonntag war es nicht anderes. Nur, dass sie diesmal auch als überlebensgroße Pappfigur im Publikum stand.

«Für mich ist es Genuss pur im eigenen Lande», meinte die Rekord-Weltmeisterin. «Es ist unheimlich schön, das mitnehmen zu können. Das ist ein absoluter Höhepunkt in meiner Karriere.» Neuner weiß, wie sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. «Als Sportler ist man halt gewissermaßen irgendwo ein Star. Mir hat gerade eine Freundin geschrieben, 'Hey, Du bist ja ein Rockstar'.»

Nach dem Super-Wochenende wird die Neuner-Gala am Sonntag (11. März) in Ruhpolding mit dem Massenstartrennen enden, ehe am 18. in Chanty-Mansijsk ihr letzter Wettkampf als Biathletin ansteht. Für die künftige Sport-Frührentnerin würde sogar Alfons Hörmann seinen Posten als Präsident des deutschen Skiverbandes räumen. «Da hätte ich keinerlei Problem damit», sagte Hörmann. «Es gibt keine Position im Verband, über die wir nicht mit ihr reden würden.»

dpa

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