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Weltweit Der Pferdeflüsterer
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00:15 24.04.2014
Von Jörg Grußendorf
Korkut belegte mit dem 12jährigen Schimmel Paul den 1. Platz im Minitrabrennen. Quelle: Holger Hollemann
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Hannover

Der Trainer von Hannover 96 machte wahrlich keinen glücklichen Eindruck, als er sich für das Minitraber-Rennen aufwärmte. Paul dagegen, ein zwölfjähriges Schimmelpony, das gerade einmal 1,10 Meter groß ist, blickte dagegen kess drein. Er ließ sich weder von seinem komplett unerfahrenen Fahrer im Sulky noch von den 20.000 Zuschauern beeindrucken. Paul weiß eben, was er kann.

Korkut im Fußball auch, aber im Pferderennen auf einer Galopprennbahn? Eher nicht. „Man weiß doch nicht“, sagte Korkut nach dem nervenaufreibenden Rennen, „wie solch ein Tier tickt.“ Auch 96-Sportdirektor Dirk Dufner zeigte Mitleid. „Bin ich froh, dass ich da nicht drinsitze“, sagte er. Erschwerend hinzu kam für den Chefcoach noch, dass Ansager Ulrich „Ulli“ Potofski das kleine Pony als „schnellsten Traber der Welt“beteichnete. Dabei hatte der Zwölfjährige bei der Generalprobe mit seiner Trainerin Katja Reimers abgeschlagen den letzten Platz belegt.

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Eine große Bürde für den 40-jährigen Fußballlehrer. Doch Debütant Korkut erledigte seine Aufgabe geradezu meisterlich. Er lieferte ein taktisch einwandfreies Rennen und ließ sein gesamtes Trainerteam (Rehatrainer und Vorjahressieger Kai Timm, Favorit und Fitnesstrainer Edward Kowalczuk, Kotrainer Xaver Zembrod und Torwarttrainer Jörg Sievers, der beim Aufwärmen den gelassenen Eindruck gemacht hatte, nach einem grandiosen Endspurt und dem Jubel der Besucher hinter sich.

Der Auftritt des Deutschtürken überraschte sogar die Fachleute. Eine Erklärung für diese Klassefahrt hatte Korkut natürlich schnell gefunden. „Ich hatte nicht nur ein starkes Pferd, es lag natürlich auch an der Trainerin.“ Er hatte den Worten von Katja Reimers vertraut. Was er seinen Fußballprofis damit sagen wollte: Hört auf euren Trainer, und alles wird gut.

„Niemals die Zügel schleifen lassen.“

Reimers hatte ihm auch gesagt, und das wird Korkut seinen Spielern in den nächsten Tagen noch des Öfteren erklären: „Niemals die Zügel schleifen lassen.“ Und da hatte er endgültig die Parallelen zwischen Pferderennsport und Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga gefunden: „Wer nicht bis zum Schluss alles gibt“, sagte Korkut, „der wird auch nicht gewinnen.“ Also, liebe 96er, schön auf euren Trainer hören, dann macht ihr die endgültige Rettung, die ohnehin nur noch große Zweifler infrage stellen, schon am Freitag gegen den VfB Stuttgart perfekt.

Für die Bundesligakonkurrenz ist der 96-Klassenerhalt ohnehin längst klar. Dieter Hecking, einst selbst bei 96 am Ruder und inzwischen bei Champions-League-Anwärter VfL Wolfsburg tätig, und immer wieder gern gesehener Gast auf der Neuen Bult, gratulierte seinem Kollegen Korkut bereits zu einem weiteren Jahr 1. Liga. Dem Minitraber-Rennen hatte Hecking übrigens schmunzelnd zugesehen – ebenso Christopher Nordmeyer und Benjamin Chatton, Trainer und Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten TSV Burgdorf, Ministerpräsident Stephan Weil, Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok oder Ex-Fußball-Nationalspieler und Pferdebesitzer Tim Borowski.

Von Korkuts Profis konnten indes nur einige zusehen. Die anderen mussten fleißig Autogramme schreiben. Darum entging auch Hunderten Fans der Trabercoup des Trainers: Sie hatten sich zum Teil schon eine Stunde vor Beginn der Autogrammstunde angestellt. Hannover 96 und der Hannoversche Rennnerein – das passte auch am Ostermontag.

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