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Weltweit Holzdeppe ist König der Lüfte
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00:15 15.08.2013
Raphael Holzdeppe ist erster deutscher Weltmeister im Stabhochsprung. Quelle: dpa
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Moskau

Es ist unglaublich: Raphael Holzdeppe hat den scheinbar Unschlagbaren bezwungen. Zu dritt setzten die DLV-Stabartisten gestern in Moskau Olympiasieger Renaud Lavillenie aus Frankreich von Beginn an unter Druck. Der mit 1,81 m Kleinste und mit 23 Jahren Jüngste des DLV-Trios hatte die Nerven und das enorme Sprungvermögen, sein Ding durchzuziehen. Mit 5,89 Metern und bis dahin ohne einen Wackler sicherte Holzdeppe den deutschen Stabhochspringern den ersten WM-Titel überhaupt. Lavillenie wurde mit der gleichen Höhe Zweiter, leistete sich aber in dem knapp dreistündigen Krimi vier Fehlversuche mehr. Bronze ging an Björn Otto, der wie der fünftplatzierte Malte Mohr 5,82 m meisterte.

Als der stets bis zum Schluss gefährliche Renaud Lavillenie seinen letzten Sprung über 5,96 m gerissen hatte, gab es für Raphael Holzdeppe kein Halten mehr. In Windeseile flog das Trikot vom Leib. Und der für seinen Heimatklub Zweibrücken springende Floh aus München rannte Richtung Tribüne, wo die deutschen Fans wie eine Wand hinter dem Trio standen. Seinen Trainer Chauncey Johnson suchte er zunächst vergebens, denn ihm hatten die Nerven einen Streich gespielt. „Ich konnte mir das nicht mehr mit ansehen. Am Ende hatte es Raphi ja nicht mehr in der Hand, ich musste kurz raus rennen, als der Franzose anlief“, sagte Johnson, der ergänzte: „Es war ein sensationeller Wettkampf von Raphael, er hat sein Ding sensationell durchgezogen.“

Der glückliche Sieger meinte: „Ich habe mich heute super gefühlt und früh gemerkt, dass etwas geht. Aber an Gold habe ich lange nicht geglaubt, denn ich habe immer damit gerechnet, dass Renaud doch noch bei 5,96 m ein Konter gelingt. Jetzt bin ich super happy.“

Größtes Talent des deutschen Stabhochsprungs

Holzdeppe galt schon seit 2008 als das größte Talent des deutschen Stabhochsprungs. Nach kleineren Rückschlägen holte er vergangenes Jahr in London Olympia-Bronze hinter Björn Otto. Nun wollte er noch mehr. Denn in der Diamond League in Rom hatte er den Franzosen, der noch nie Weltmeister war, bereits besiegt. „Ich wusste, dass keiner unschlagbar ist“, sagte der Champion, der sich bereits als Elfjähriger in Zweibrücken mit dem Stabhochsprung-Virus infizierte. Für ihn gibt es keine schönere Sportart, denn: „Wenn du in der Luft bist, die Latte unter dir siehst – es gibt einfach kein geileres Gefühl.“

Am Montag kostete er dieses Gefühl so intensiv wie noch nie aus. Holzdeppe hatte schon als Kind einen extremen Bewegungsdrang. Er spielt gern Basketball, aber vor allem bei seiner technisch anspruchsvollen Sportart brilliert er mit turnerischen Fähigkeiten und einem unglaublichen Bewegungsgefühl. In diesem Jahr verbesserte er seinen Anlauf. Und die Atmosphäre eines starken Feldes wie gestern beflügelt ihn. „Wenn andere hoch springen, will ich noch höher hinaus fliegen.“

Björn Otto zeigte am Montag ein Jahr nach der olympischen Silbermedaille mit nunmehr 35 Jahren einmal mehr seine Extra-Klasse. Vorher hielt er lieber den Ball flach: „Ich sage vorher nie: Ich will eine Medaille! Obwohl ich natürlich damit liebäugele. Ich freue mich sehr für Raphael. Und ich habe immer gesagt: Renaud ist auch keine Maschine. Das hat sich heute bewiesen.“

Frank Schober

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