Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit Sturz von Jens Voigt überschattet 16. Etappe der Tour de France
Sportbuzzer Sportmix Weltweit Sturz von Jens Voigt überschattet 16. Etappe der Tour de France
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:58 22.07.2009
Der Berliner Radprofi Jens Voigt (links) ist bei der 16. Etappe der Tour de France schwer gestürzt.
Der Berliner Radprofi Jens Voigt (links) ist bei der 16. Etappe der Tour de France schwer gestürzt. Quelle: Joel Saget/afp
Anzeige

Voigt erlitt einen Jochbeinbruch und eine Gehirnerschütterung. Der 37-jährige große Kämpfer, der seinem fast legendären Ruf auf dem 159 Kilometer langen Abschnitt zuvor erneut alle Ehre gemacht hatte, kam als Letzter der Favoriten-Gruppe durch eine Bodenwelle kurz vor einer Rechtskurve zu Fall. Ein fürchterlicher Sturz.

Voigt versuchte offenbar zu bremsen. Das Rad blockierte und rutschte nach links weg. Der Berliner stürzte der Länge nach vorn über auf die Straße, schlug mit dem Gesicht auf und rutschte auf der rechten Körperseite über den Asphalt. Fast hätte ihn noch ein folgendes Motorrad überfahren. „Ihm geht es den Umständen entsprechend gut“, sagte Teamsprecher Brian Nygaard am Abend; Voigt habe sich bei der Mannschaft sogar bereits per Kurzmitteilung gemeldet.

Als der Tour-Arzt stoppte, hatte es danach nicht ausgesehen: Fünf Minuten lang, so berichtete der Mediziner Gerard Porte, sei Voigt bewusstlos gewesen. Mit einer Motorradeskorte brachte die Ambulanz den Berliner zu Tal ins Hospital von Bourg-St. Maurice. Von dort wurde der Verletzte mit einem Hubschrauber zur Computertomographie ins Krankenhaus nach Grenoble geflogen, wo er die Nacht zur Beobachtung auf der Intensivstation verbrachte.

„Wenn man das mitbekommt, wird alles andere nebensächlich“, sagte Linus Gerdemann bestürzt. Tony Martin „überkam das Grauen“, wie er sich geschockt ausdrückte, „als ich einen Fahrer von Saxo Bank auf einer Trage liegen sah. Da bin ich zusammengezuckt.“ Rolf Aldag, jahrelang Weggefährte des erfahrenen Profis, meinte: „Es ist gut möglich, dass Jens körperlich absolut am Limit war.“ Dann fehlten in den entscheidenden Bruchteilen von Sekunden Kraft und Konzentration. Der Sportdirektor des Teams Columbia sagte bedrückt: „Wenn man an die Familie, an Steffi und die fünf Kinder, denkt, geht so ein schwerer Sturz schon zu Herzen.“ Voigt trug zweimal das Gelbe Trikot (2001 und 2005) und gewann drei Tour-Etappen.

Zuvor hatten die Luxemburger Schleck-Brüder Andy und Frank, Voigts „Chefs“ im Team Saxo Bank, den Angriff auf das Gelbe Trikot und dessen Träger Alberto Contador eröffnet. Voigt gehörte zu einer frühen Ausreißergruppe mit dem späteren Etappensieger, dem 29-jährigen Basken Mikel Astarloza, die sich schon nach 16 Kilometern bildete und mit vier Minuten Vorsprung auf die Favoriten über den 2473 Meter hohen Großen St. Bernard rollte. Als die Schlecks beim 22 Kilometer langen Anstieg auf den Kleinen St. Bernard (2188 Meter) attackierten, ließ sich Voigt zurückfallen. Der Berliner forcierte auf den letzten Kilometern vor der Passhöhe noch mal das Tempo für Andy Schleck.

Der Angriff wurde von Contador, Andreas Klöden und Lance Armstrong abgewehrt. Also änderte sich auch nichts Wesentliches am Klassement der Top Ten – außer, dass neben dem einstigen Träger des Gelben Trikots, Rinaldo Nocentini, auch Tony Martin weit zurückfiel.

„Ich habe schon auf dem ersten Kilometer gemerkt, dass ich keine guten Beine hatte“, sagte der 24-Jährige. Mit 10:42 Minuten Rückstand fuhr Martin als 83. in einer abgehängten Gruppe durchs Ziel. In der Wertung für das Weiße Trikot ist Martin jetzt Achter, aber wie gesagt: Das alles war zweitrangig an diesem Tag.

von Hartmut Scherzer