Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Weltweit Warum der FC Bayern so erfolgreich ist
Sportbuzzer Sportmix Weltweit Warum der FC Bayern so erfolgreich ist
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:06 23.05.2013
Von Christian Purbs
Eine kalte Geldmaschine? Nicht doch. Der FC Bayern mischt in seine Identität gern auch einen Schuss Folklore – zum Beispiel in Form der Schuhplattler, die bei den Heimspielen auftreten. Quelle: dpa
Anzeige
München

Manchmal ist Hass nur eine ganz besondere Form der Zuneigung. Ein Zeichen, dass einen jemand sehr tief berührt, man sich dieses Gefühl aber nicht eingestehen will. So gesehen  empfinden  die Fans des Hamburger Sportvereins vielleicht nur eine tiefe romantische Liebe zu ihren innigen Gegnern aus dem Süden.

Jedenfalls haben sie sich eine Menge Mühe gegeben mit der Liste, die sie vor Kurzem erstellt haben. Gründe, den FC Bayern zu hassen, wollten sie da aufführen, und es fiel ihnen offenkundig nicht schwer, diese Liste zu füllen. „Arroganz“ steht dort auf Platz eins, weiter geht es mit „Wurst-Uli“ (Hoeneß), dem „Bayerndusel“ und dem „Bayernbonus“. Irgendwo weiter hinten steht dann „Aus Tradition“. Soll heißen: Man hasst sie halt. Oder man liebt sie.

Anzeige

So wird es auch am Sonnabend sein, wenn der FC Bayern München im Champions-League-Finale in London gegen Borussia Dortmund um die europäische Krone spielt. Es ist, als teilten die Bayern die Deutschen in zwei Gruppen, in Feinde und Fans, dazwischen gibt es nicht viel. Jenseits der Gefühle existiert allerdings noch eine Konstante, die auch zu diesen Bayern gehört wie das Rot der Fanschals: der Erfolg. Seit mehr als 40 Jahren steht dieser Verein dort, wo andere ihm meist nur kurz Gesellschaft leisten können: ganz oben. Die Gladbacher, Hamburger, Bremer, sie alle fielen nach einer kurzen Phase erbitterter Duelle wieder ins Mittelmaß. Der FC Bayern ist, nüchtern betrachtet, ein Phänomen.

Wer wissen will, wie dieser Verein funktioniert, landet zwangsläufig bei Uli Hoeneß. Der ehemalige Nationalspieler ist seit Jahrzehnten das Gesicht des Klubs. Als Manager hat er den FC Bayern zum unangefochtenen Branchenprimus gemacht. Hoeneß, seit November 2009 Präsident des FC Bayern und zurzeit aufgrund seiner Steueraffäre höchst umstritten, ist der Kopf, das Herz, die Seele des Vereins.

Zusammen mit Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Aufsichtsratsmitglied Karl Hopfner bildet Hoeneß das Bayern-Triumvirat. Der weltläufige Rummenigge vertritt den FC Bayern nach außen, bei nationalen und internationalen Verbänden und den Fernsehverhandlungen. Im Hintergrund herrschte Karl Hopfner bis Ende 2012 fast 30 Jahre lang über das Zahlenwerk der FC Bayern AG so erfolgreich wie kein anderer Finanzmann in der Bundesliga. Und über diesem Trio thronte 15 Jahre lang Franz Beckenbauer als Bayern-Präsident, die „Lichtgestalt“ des deutschen Fußballs – dem zu gelingen schien, was auch immer er anfasste.

Durch ihre langjährige Tätigkeit für den FC Bayern steht dieses Quartett auch für etwas, was heute eine Seltenheit in der Führungsspitze eines Profivereins ist, nämlich Konstanz. Während bei anderen Klubs ahnungslose Politiker, Ölmilliardäre und Wirtschaftsbosse das Sagen haben, wird der FC Bayern als eine Art Familienunternehmen der früheren Ausnahmefußballer Hoeneß, Beckenbauer und Rummenigge geführt – die schon als Spieler für den Verein aufliefen und denen man fehlende Identifikation mit ihrem Verein gewiss nicht vorwerfen kann.

Neue Rekordzahlen am Jahresende

Sieben Millionen Mark Schulden, zwölf Millionen Mark Umsatz, fünf Jahre ohne Meisterschaft: Das war der FC Bayern München, als der damals 27 Jahre alte Hoeneß im Mai 1979 Manager wurde. Heute steht der Klub besser da als jemals zuvor. Auf der Jahreshauptversammlung im vergangenen November bewiesen die Münchener einmal mehr ihre wirtschaftliche Ausnahmestellung und vermeldeten einen neuen Rekordumsatz: Im Geschäftsjahr 2011/2012 ­erlöste die FC Bayern AG insgesamt 332,2 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 11,1 Millionen Euro, das Eigenkapital der FC Bayern München AG beläuft sich auf beachtliche 278,3 Millionen Euro. Da die Bayern auch in diesem Jahr wieder das Endspiel der Champions League ­erreicht haben, werden am Jahresende wohl wieder neue Rekordzahlen folgen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Klubs in der Bundesliga und anderen euro­päischen Ligen sind die Weiß-Roten mit ihrem Geld sorgsam und speziell bei Verpflichtungen von neuen Spielern stets vergleichsweise zurückhaltend umgegangen. Während die Topklubs aus England, Spanien und Italien Schulden in Millionenhöhe anhäuften, wirtschaftete der FC Bayern mit Augenmaß. International wurde es jedoch immer schwerer zu bestehen. Der FC Bayern konnte und wollte sich jahrelang keinen der absoluten Superstars leisten. Das große Geld wurde nicht in der Bundesliga verdient, sondern in der spanischen Primera Division oder der englischen Premier League. Dort sind die Einnahmen aus der TV-Vermarktung deutlich höher als in Deutschland. Zudem können sich gerade spanische und italienische Vereine viel höher verschulden als die Bundesligisten, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen.

Erst seit der Saison 2007/2008 hat das Bayern-Management diesen Kurs aufgeweicht. Für die Transfers von Franck Ribéry, Luca Toni und Miroslav Klose griffen die Bayern tiefer als je zuvor in die Tasche. „Die Wahnsinnspreise zahlen wir sicherlich nicht, aber die mittleren Wahnsinnspreise könnte ich mir schon vorstellen“, kommentierte Hoeneß seinen dezenten Kurswechsel – ohne den der Verein heute vermutlich weit schlechter dastünde.

Der Einzug in die Champions-League-Finals 2010, 2012 und 2013 bestätigt die neue Strategie. Es deutet vieles darauf hin, dass die Bayern nach einer überragenden Meistersaison mit der Verpflichtung von Mario Götze vom Konkurrenten Borussia Dortmund für 37 Millionen Euro und dem Engagement von Pep Guardiola als neuem Trainer weitere erfolgreiche Jahre vor sich haben. Es spricht viel dafür, dass daran auch die Steueraffäre von Hoeneß nichts ändern wird. Wenn er als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender zurücktreten sollte, wird er dem Wirtschaftsunternehmen FC Bayern eben ohne Amt erhalten bleiben.

Sportlicher Erfolg und die finanziellen Möglichkeiten, in gute Spieler zu investieren, machen auch den Unterschied zu den anderen Topteams in der Bundesliga aus. Das große Geld gibt es im Fußball in der Champions League durch Fernsehverträge und Prämien zu verdienen. Im Gegensatz zu den deutschen Konkurrenten aus Dortmund, Leverkusen, Schalke und Stuttgart sind die Bayern dort seit Jahren Stammgast – und kassieren fleißig ab. Es ist eine Art Zirkel des Erfolgs: Die Bayern sind erfolgreich, spielen in der Champions League – und werden dadurch noch erfolgreicher.

Nur drei Teams wurden den Bayern gefährlich

„Wenn Sie die besseren Spieler haben, gewinnen Sie öfter. Wenn Sie öfter gewinnen, verkaufen Sie mehr Trikots, finden zahlungskräftigere Sponsoren, steigern Ihre Einnahmen, machen Gewinn. Wenn Sie mehr Geld haben, können Sie wieder bessere Spieler kaufen. Und so weiter“, sagt Dan Jones, Fußballexperte einer Unternehmensberatung in Manchester. Der FC Bayern ist deshalb allen anderen Bundesligaklubs weit überlegen und wird es wohl auch lange Zeit bleiben.

Nur drei Vereinen ist es in den vergangenen 50 Jahren Bundesliga gelungen, an dieser Vormachtstellung zu kratzen und die Bayern zumindest zeitweise zu ärgern: in den siebziger Jahren Borussia Mönchengladbach, in den achtziger Jahren der Hamburger SV und in den Neunzigern Borussia Dortmund, das sich auch zuletzt durch zwei Meisterschaften in Folge als ernsthaftester Bayern-Kon­kurrent positionierte. Aber bislang ­stürzten alle aus unterschiedlichen Gründen ab. Der ehemalige HSV-Präsident Bernd Hoffmann stellte fast resignierend fest, dass es für die Konkurrenz nur einen Weg gebe, den Bayern die Rolle des Marktführers streitig zu machen: „Man müsste die Zeit 30 Jahre zurückdrehen.“

Im Angesicht dieser Überlegenheit wächst der Neid – und wohl auch der Hass. Es mag sich kurios anhören, aber selbst davon profitieren die Bayern. Sie haben die Abneigung einfach zum Teil ihrer Identität gemacht. „Wir haben mal diskutiert, ob wir uns mehr um die bemühen sollen, die uns nicht mögen“, sagte Karl-Heinz Rummenigge vor ein paar Jahren. „Aber wir haben uns dagegen entschieden. Die Menschen sollen doch am Arbeitsplatz über uns diskutieren. Das kommt unserer Marke zugute.“

Zumal auf der anderen Seite eine geschätzte Fanschar von elf Millionen für Ausgewogenheit sorgt. Und manchmal entsteht aus der Abneigung gegen den FC Bayern München sogar gute Unterhaltung. Etwa wenn sich die HSV-Fans auf ihrer Hassliste auch Gedanken über das große Ganze machen. Da ist dann zu lesen: „Die Produktion von Milch und deren Subvention ist in Bayern deutlich teurer als zum Beispiel im Norden unseres Landes. Wer daran Schuld hat und was die Gründe dafür sind, ist mir eigentlich wurscht. Ich denke, dass Uli Hoeneß da seine Finger im Spiel hat.“

An der Macht des FC Bayern, so viel ist sicher, zweifeln nicht mal seine erbittertsten Gegner.

22.05.2013
Carsten Schmidt 20.05.2013
Weltweit Comeback nach neun Monaten - Ariane Friedrich springt wieder
20.05.2013