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Weltweit Wie eine Drohung
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14:50 29.09.2013
Von Heiko Rehberg
Stefan Holtz (links), Jan Frodeno (Mitte) und der mutige Schwimmer. Quelle: Malte Babion
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Kann aus einem Tag etwas werden, der beginnt wie dieser? Damit die ganzen Olympiasieger und Weltmeister und Europameister und Weltcupgewinner nicht aus der Übung kommen, gibt es für sie im Club Apulia jeden Tag Wettbewerbe. Sie sind aufgelistet in einem kleinen Programmheftchen und rot markiert. Für heute stand da wie eine Drohung: „Champions Team Triathlon“.

Das mit der Drohung muss ich kurz erklären: Ich bin der festen Überzeugung, dass die Sportart Triathlon nur erfunden wurde, um mich zu ärgern. Triathlon fasst drei Sportarten zusammen: Schwimmen, Radfahren und Laufen und damit zwei Sportarten, die ich überhaupt nicht kann und deshalb hasse und eine Sportart, für die ich mittelmäßig talentiert bin. Wem das genauso geht, der kann Triathlon wie ich nur für ein großes Übel halten.

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Unterwegs mit den Champions

Für den deutschen Spitzensport von wie B wie Biathlon bis W wie Wasserspringen ist es die schönste Woche der Jahres: Sieben Tage lang treffen sich die Topathleten auf Einladung von Robinson und der Deutschen Sporthilfe zum „Champion des Jahres“. In diesem Jahr sind 78 Sommer-und Wintersportler aus 22 Sportarten im Robinson Club Apulia dabei.

Heiko Rehberg begleitet sie und schreibt für haz.de jeden Tag ein ganz persönliches Tagebuch von dem Ereignis im Süden Italiens.

Bevor jetzt die Triathlongemeinde den Server protestierend zum Absturz bringt: Triathlon ist sonst natürlich toll, jeder, der in einem Volkstriathlon auf Platz 1432 landet, ach was, jeder, der ankommt, ist für mich ein Held. Aber Triathlon und ich sind natürliche Feinde, weil ich mich über Wasser halten, aber nicht wirklich schwimmen kann, und für mich Radfahren ein Erfolg ist, wenn ich unfallfrei auf zwei Rädern ans Ziel komme. Da kann das Laufen als Disziplin Nummer 3 auch nichts mehr retten …

Beim „Champions Team Triathlon“ hing vor dem Restaurant eine Liste, in die sich eintragen konnte, wer mitmachen wollte. Das Schöne dabei ist, dass drei Sportler ein Team bilden, also einer macht nicht alles drei, sondern einer läuft, einer schwimmt, einer fährt Rad. Da wird Triathlon gleich etwas sympathischer.

Ein Team suchte noch einen Mitstreiter, und zwar einen Schwimmer. Fürs Radfahren hatte sich Kanu-Weltmeister Stefan Holtz gemeldet, der so groß und kräftig ist, dass man Angst um jede Kette haben muss. Und im Feld „Laufen“ hatte sich ein gewisser Jan Frodeno eingetragen, Olympiasieger im … genau: Triathlon.

Ich habe kurz überlegt, mich als dritter Mann einzutragen, denn nie wieder in meinem Leben würde die Chance, einen Triathlon zu gewinnen, größer werden. Ich kann nicht mehr als 10 Meter Kraulen, danach müsste ich Brustschwimmen, aber die beiden Stars würden das schon rausreißen.

Aber 500 Meter am Stück schwimmen habe ich noch nie gemacht, ich würde ankommen (wenn ich ankommen würde), da wäre der Triathlon beendet, Holtz und Frodeno müssten gar nicht mehr starten. Ich weiß nicht, ob sie das lustig finden würden. Nein, ich bin mir sicher: Sie würden sehr sehr sauer werden.

Ich habe mich dann doch nicht getraut. Ein Schwimmer hat sich dann noch gefunden, er hat als Vierter übergeben, Holtz hat sein Team auf dem Rad auf Platz 2 gebracht, Frodeno musste auf der Laufstrecke noch Eric Frenzel, Weltmeister im Ski Nordisch und ausgestattet mit einer Wunderlunge, einholen. Frodeno hatte Frenzel nach einem von fünf Kilometern überholt, ich habe noch nie jemanden so schnell so unangestrengt laufen sehen. Sein Team gewann den Wettbewerb souverän.

Seit heute bin ich Triathlon-Fan. Okay, Frodeno-Fan. Der Triathlon-Olympiasieger heiratet übrigens nächste Woche. Seine künftige Frau ist Emma Snowsill, und nur Triathlonkenner können mir die Schlusspointe kaputtmachen. Emma ist Olympiasiegerin im … Triathlon.

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