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100 Jahre Ottobock „Es ist eine wirklich gute Verbindung“
Thema Specials 100 Jahre Ottobock „Es ist eine wirklich gute Verbindung“
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Marcus Brenecke und Hans Georg Näder
Marcus Brenecke und Hans Georg Näder Quelle: r
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Seit eineinhalb Jahren ist der schwedische Finanzinvestor EQT Minderheitsgesellschafter bei Ottobock. Marcus Brennecke, Global Co-Head Equity bei EQT, sieht enorme Wachstumschancen für das Unternehmen und erklärt, warum vor Ende 2020 ein Börsengang kein Thema ist.

Herr Brennecke, wie beurteilen Sie die Partnerschaft mit Ottobock?

Brennecke: Ich glaube, es ist eine wirklich gute Verbindung. Hans Georg Näder und wir haben ja immer betont, dass es eine Partnerschaft auf Augenhöhe ist. Es ist meines Erachtens alles erfüllt, was wir gegenseitig voneinander erwartet haben. Da ist zuerst die Grundlage zu benennen: gegenseitiges Vertrauen und Verlässlichkeit. Das ist gerade für einen Familienunternehmer, der so einen bedeutsamen Schritt der Öffnung geht, unheimlich wichtig. Wenn ich mir dann vor Augen führe, wie die Erwartungen an uns aussahen, dann haben wir diese Rolle aus meiner Sicht durchaus ausgefüllt. Konkret heißt das, dabei zu helfen, Ottobock nach einer tollen Entwicklung vor unserer Zeit und einer fantastischen Lebensleistung von Hans Georg Näder auf eine nächste Stufe zu heben. Das ist uns ganz gut gelungen, indem wir helfen, die Firma agiler zu machen.

Können Sie das ein wenig präzisieren?

Wir bringen unsere MedTech-Expertise ein und wollen hierdurch einen Wertbeitrag leisten. Mit unseren Beteiligungen im MedTech Sektor wie zum Beispiel Sivantos-Hörgeräte, Lima-Orthopädie, BSN-Medical, Atos-Medical, Dako oder Gambro sind wir wahrscheinlich Europas größter MedTech-Investor. Darüber hinaus wollen wir helfen, die operative Exzellenz zu verbessern und Ertragspotenziale zu heben. Auch helfen wir bei der Professionalisierung der Corporate Governance und damit einem Generationswechsel sowie das Management zu verstärken. Auch beim Thema Wachstumsunterstützung sind wir ein echter Sparringspartner – eben auf Augenhöhe, wie es sich Hans Georg Näder gewünscht hat, unabhängig von der Höhe der Beteiligung.

Apropos Beteiligung. Es wird immer wieder spekuliert, dass Sie Ihren 20-ProzentAnteil aufstocken. Ist da etwas dran?

Das steht überhaupt nicht zur Debatte: Ich habe beim Einstieg schon gesagt, wenn wir die Chance gehabt hätten, mehr als 20 Prozent zu erwerben, bis hin zu einer Mehrheit, hätten wir das sehr gern gemacht. Aber es ist ja das gute Recht eines Unternehmers zu sagen: Nein, wir möchten eben nicht mehr als 20 Prozent abgeben. Und dann haben wir uns drauf einstellen müssen. Gewünscht hätte ich mir mehr. Stand es zur Debatte? Nein. Steht es aktuell zur Debatte. Nein.

Sie haben das Wachstum angesprochen. Philipp Schulte-Noelle präsentierte zuletzt starke Zahlen, Ottobock hat einen großen Schritt bei den Erlösen gemacht und ist profitabler geworden. Können Sie etwas zur Personalie Schulte-Noelle sagen?

Wenn man Management-Veränderungen herbeiruft, dann bedarf es natürlich auch eines gewissen Fingerspitzengefühls. Das gilt besonders in einem Familiengebilde, beziehungsweise in einem Familiengebilde mit einem weiteren Investor wie uns. Ich kenne Herrn Schulte-Noelle von früher und habe seinen Werdegang viele Jahre verfolgt, auch bei Fresenius. In der Zeit, in der er im Hause ist, muss ich sagen, finde ich ihn wirklich sehr, sehr gut. Nicht nur in der CFO-Rolle, auch in der CEO-Rolle. Er agiert inhaltlich sehr stark. Ich glaube auch, dass er jemand ist, der gut zuhört, Schwingungen mitnimmt, Fingerspitzengefühl hat, und das ist ja notwendig, auch gerade wenn man Veränderungen vornimmt. Hans Georg Näder ist sehr zufrieden mit ihm, ich bin es auch.

Okay. Was Herr Schulte-Noelle auch präsentiert hat, ist ein Wachstumspfad bis 2022. Wo sehen Sie die größten Chancen des Unternehmens?

Im klassischen Kerngeschäft liegt immer die größte Chance. Ich glaube, wir müssen erst einmal sehen, dass wir gerade im Prothesen-Geschäft weiter innovativ bleiben, weiterwachsen, auch in Amerika. Ich glaube auch, dass die gesamte Digitalisierung eine Riesenchance für die Firma Ottobock ist. Doch das klassische Kerngeschäft hat immer Priorität eins, Priorität zwei und Priorität drei. Und dann gibt es natürlich die Felder drumherum – wie das Thema Exoskelette. Es ist immer toll, wenn eine innovative Firma auch weitere Anwendungsgebiete findet und das dann auch Anerkennung von Kunden bekommt, egal, ob die in der Automobilindustrie agieren oder in anderen Industriezweigen.

Der Wachstumsplan läuft bis 2022. Ist dann ein Börsengang vorgesehen?

Nein, da ist kein Zeitplan festgelegt. Wir haben darüber wirklich noch gar nicht gesprochen. Ist der Börsengang eine wahrscheinliche Option, irgendwann zur richtigen Zeit? Ja, eindeutig. Das ist auch eines der Felder, auf denen wir einen Mehrwert leisten können. Gerade bei einem IPO haben wir unglaublich viel Erfahrung, wenn Sie sich unsere ganzen IPO-Storys anschauen, die wir global gemacht haben und auch den Wachstumspfad, den die Firmen nach dem IPO beschritten haben. Denn wir sind ein Investor, der an nachhaltigem Wachstum interessiert ist. Nach diesem sehr guten Jahr 2018 für Ottobock haben wir noch unheimlich viel zu tun im Jahr 2019 und auch im Jahr 2020, um unsere Wachstumschancen zu heben, aber auch die operative Exzellenz, sprich das Unternehmen, einfach noch besser aufzustellen. Dafür braucht es gewisse Zeit und harte Arbeit von dem tollen Team, welches bei Ottobock ist. Ich glaube, vor Ende 2020 brauchen wir uns einen IPO überhaupt nicht vorzunehmen. Wir haben da gar keinen Zeitdruck.