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125 Jahre Göttinger Tageblatt 125 Jahre Göttinger Tageblatt: Kirchenberichterstattung in der Zeitung
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16:44 27.03.2014
Von Jörn Barke
So sähe Göttingen ohne Johanniskirchtürme aus: Diese Fotomontage druckte das Göttinger Tageblatt im März 2002. Quelle: Beuermann
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Göttingen

Vor zwölf Jahren ging ein Aufschrei durch Göttingen – wegen einer Kirche, nämlich wegen St. Johannis. Die hannoversche Landeskirche hatte laut darüber nachgedacht, die sanierungsbedürftigen Türme des lutherischen Gotteshauses abzutragen. Denn die Verhandlungen über eine Finanzierung, an der die Stadt sich als Vorbesitzer beteiligen sollte, kamen nicht voran.

St. Johannis ohne Türme, die Silhouette der Stadt ohne diese Türme – das mochten sich viele Göttinger nicht vorstellen. Das Tageblatt berichtete intensiv und zeigte, wie eine solche Stadtansicht ohne die Türme von St. Johannis aussehen würde.

Viele Leserbriefe, die die Bedeutung der Türme beschworen, erreichten die Zeitung. Am Ende ging alles gut aus, das Tageblatt konnte von der Sanierung berichten – und vom Schicksalstag im Januar 2005.

Da brannte der fast fertig renovierte Nordturm von St. Johannis, angezündet von zwei halbstarken Jugendlichen. Erneut war die Anteilnahme in der Bevölkerung groß. Der Turm wurde noch einmal aufgebaut.

Das Beispiel macht klar: Mag auch der Kirchenbesuch vieler Gemeindemitglieder nicht allzu regelmäßig ausfallen, an bestimmten Schnittpunkten zeigt noch immer Bedeutung und Strahlkraft der Religion und ihrer Gebäude. Das gilt besonders, wenn Katastrophen die Flüchtigkeit und Brüchigkeit der menschlichen Existenz schlagartig deutlich machen.

Ereignisse die Menschen der Kirche nahe bringen

Dann werden auch in Göttingen die Kirchen zu Anlaufstellen, um Ruhe zu finden, zu trauern, das Geschehen, manchmal mit uralten Worten und Ritualen, zu verarbeiten. Das war nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 so, das war nach der Bombenexplosion auf dem Schützenplatz 2010 so.

Doch nicht nur Katastrophen bringen Menschen der Kirche nahe. Das zeigt die Begeisterung, die der Besuch von Papst Benedikt XVI. im katholischen Eichsfeld ausgelöst hat. Von diesen Ereignissen, bei denen sich die gesellschaftliche Bedeutung der Kirche zeigt, berichtet das Tageblatt, ebenso wie von zahlreichen weiteren Themen.

Die können positiv besetzt sein wie die Nacht der Kirchen, die Sternsinger-Aktion oder ein Diakonie-Projekt für Menschen mit Suchtproblemen. Zu den Wasserspeiern von St. Jacobi gab es eine prächtige Panoramaseite im Blatt, zu einer Kloster-Wallfahrt von Corvey nach Bursfelde eine vierteilige Serie.

Kontroverse Themen werden genauso in den Blick genommen: schmerzhafte Stellenkürzungen, Auseinandersetzungen zwischen Land- und Stadtgemeinden um die Verteilung der knapper werdenden Finanzmittel, die Entwidmung der Aegidienkirche in Münden und der Verkauf des Inventars, der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche.

Kirchenseite im Tageblatt

Themen wie diese werden im Lokalteil der Zeitung aktuell dargestellt – je nach Lage des Geschehens. Daneben gibt es im Tageblatt noch einen festen Platz für religiöse Themen: die Kirchenseite in der Wochenendbeilage. Jeden Sonnabend ist hier Platz für Geschichten, die Einblicke in kirchliches Geschehen geben.

Was sind die Aufgaben einer Klinikseelsorgerin? Was macht den Altar in der kleinen Dorfkirche in Hevensen so besonders? Was kann ein evangelischer Pastor aus Japan berichten? Um solche Fragen ging es auf den Kirchenseiten der vergangenen Jahre.

Eine Kirchenseite als Rubrik entstand im Tageblatt erst vor 15 Jahren – und sie wuchs im Laufe der Zeit. 1999 wurden zunächst kirchliche Themen am Sonnabend auf einer Seite gebündelt. Auf dieser wurden damals auch noch die Kirchlichen Nachrichten platziert, die Liste aller Gottesdienste für die Region.

Damit stand ein Drittel der Seite nicht für redaktionelle Berichte zur Verfügung. Die Seite hatte zudem noch keinen eigenen Titelkopf, sondern lief unter „Göttingen“ oder „Regionales“. Der Seiten-Titel „Kirche in dieser Zeit“ wurde 2001 eingeführt.

Das religiöse Leben in Göttingen

2003 wurde die Seite auf eine ganze Seite aufgestockt, die Kirchlichen Nachrichten wanderten an einen anderen Platz im Tageblatt. 2004 schließlich fand die Kirchenseite ihren Platz in der Wochenendbeilage am Sonnabend, den sie heute noch hat.

Rund 14 Jahre Kirchenseite – das sind mehr als 700 große Seitenaufmacher mit Themen aus dem kirchlichen Bereich, gut 1400 längere Meldungen und um die 7000 Kurzmeldungen.

Dazu kommt noch die aktuelle Kirchenberichterstattung. Und dazu kommt dann noch der Teil des religiösen Lebens, für den der Magazinteil zuständig ist: Konzerte, Ausstellungen, Aufführungen in Kirchen und die wissenschaftliche Theologie.

Das religiöse Leben in Göttingen ist vielfältig. Das hat 2002/ 2003 eine Serie im Göttinger Tageblatt gezeigt, bei der unterschiedliche Glaubensgemeinschaften vorgestellt wurden. Die Serie wurde mit dem ersten Platz beim Alexanderpreis 2004 ausgezeichnet.

Drei weitere Prämierungen wurden seit der Gründung des Alexanderpreises 1990 für Serien mit kirchlichen Bezügen im Göttinger Tageblatt vergeben: 2002 für eine Artikelreihe zur 100-jährigen Geschichte der Heilsarmee in Göttingen, 2007 für eine Serie zur Türmerwohnung von St. Johannis, die auch als Broschüre im Tageblatt-Verlag vorliegt, und 2011 für eine Serie über Glocken in der Region.

Aktuelle Berichterstattung

Die religiöse Vielfalt in der Region hat Folgen. Eine davon ist, dass es in den zwei Tageblatt-Ausgaben zwei unterschiedliche Kirchenseiten gibt. Das Eichsfelder Tageblatt hat eine auf die katholisch geprägte Region zugeschnittene Kirchenseite, das Göttinger Tageblatt eine Kirchenseite, die die überwiegende protestantische Prägung der Region berücksichtigt.

Das heißt jedoch nicht, dass im Göttinger Tageblatt die katholische Kirche nicht vorkommt. Immer wieder ist sie auf der Kirchenseite und in der aktuellen Berichterstattung präsent, sei es durch ein Interview mit Bischof Norbert Trelle, durch die kontrovers diskutierte Innenrenovierung von St. Michael oder die Fronleichnamsprozession.

Doch orientiert sich das Vorkommen auf der Kirchenseite an der Zahl der Gläubigen. Den knapp 30 000 Katholiken im Dekanat Göttingen stehen auf der gleichen Fläche mehr als 100 000 Lutheraner gegenüber.

Dazu kommen noch Reformierte, Baptisten, Muslime, zwei jüdische Gemeinden und eben eine Vielzahl kleinerer Glaubensgemeinschaften, die ebenfalls im Rahmen ihrer zahlenmäßigen Bedeutung berücksichtigt werden.

Prozession und Kirche aus Lego

Die Kirchenseite ist auch der Ort, an dem jede Woche eine geistliche Andacht ihren Platz findet. Sie wird verfasst von Vertretern unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften.

Für die Berichterstattung muss eine Auswahl getroffen werden. Bei allein mehr als 100 evangelischen Kirchengemeinden im Verbreitungsgebiet des Göttinger Tageblattes kann nicht jedes Gemeindefest und nicht jeder Vortrag besucht werden. Es bedarf eines Anlasses, der über das Alltagsprogramm der Gemeinde hinausgeht.

Das muss nicht immer ein Bischofsbesuch sein. Das kann genauso gut ein Küster einer Landgemeinde sein, der seit 50 Jahren seinen Dienst versieht, eine aus Legosteinen nachgebaute Kirche oder eine Ehrenamtliche, die Krippenspiele verfasst – auch dies waren in den vergangenen Jahren Themen der Kirchenberichterstattung im Tageblatt.

Papst Benedikt XVI. besuchte im September 2011 Deutschland. Er reiste dabei auch ins Eichsfeld und feierte mit Gläubigen eine Marienvesper.
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