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125 Jahre Göttinger Tageblatt Hochschule und Wissenschaft im Göttinger Tageblatt
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17:40 20.03.2014
Von Angela Brünjes
Mittagspause im Jahr 1996: Studenten nutzen das Angebot aktueller Zeitungen vom Studentenwerk in der Zentralmensa, heute werden Online-Nachrichten bevorzugt. Quelle: Bulla
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Göttingen

Seit dem ersten Erscheinungstag am 6. August 1889 war für das Göttinger Tageblatt die Georg-August-Universität ein Thema der Berichterstattung. Schließlich war die Hochschule zu dem Zeitpunkt schon seit  155 Jahren eine wichtige Institution der Stadt.

Heutzutage weist die „Stadt, die Wissen schafft“ einen Goettingen Research Campus (GRC) vor: eine Verbindung von Universität und außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie die der Max-Planck-Gesellschaft, des Deutschen Primatenzentrums, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Und mit der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst sowie der Privaten Hochschule sind zwei weitere Lehrinstitutionen am Ort.

„Hochschule und Wissenschaft“ ist seit 1975 in der Tageblatt-Berichterstattung ein Begriff. Damals startete das wöchentliche Erscheinen einer Seite, die Studium und Forschung thematisierte. Mit der wachsenden Bedeutung von Hochschule und Wissenschaft als Göttinger Standortfaktor aber auch als Thema der Medien stieg der Umfang.

Wissenschaftliche Themen in der Zeitung

Seit Februar 2010 wird in jeder Ausgabe aus der Wissenschaft berichtet. Überwiegend sind es die Themen, die der Göttinger Forschungs- und Hochschul-Campus zu bieten hat. Dabei ist es eine gelungene Wechselwirkung: Mit dem gestiegenen Interesse der Öffentlichkeit an wissenschaftlichen Themen hat sich auch das Selbstverständnis im Elfenbeinturm gewandelt. Forschungsprojekte werden vorgestellt, Ergebnisse weiterhin in Fachzeitschriften erstmals veröffentlicht, aber zudem auch verständlich formuliert medial gestreut.

Weiteres hat sich durch den Generationswechsel ergeben. Die Bereitschaft, komplizierte Wissenschaft zu erklären und nachvollziehbar zu machen ist bei der Mehrzahl der Wissenschaftler gestiegen. Dass der Redaktionsalltag aber völlig andere Produktionszeiten vorgibt als in Versuchslaboren meist üblich sind, ist weiterhin für viele  Forscher nur schwer nachvollziehbar.

Veröffentlichungen von heute auf morgen sind den meisten suspekt. Nachvollziehbar, wenn man weiß, dass eine wissenschaftliche Studie für die Veröffentlichung in einem Fachorgan begutachtet werden muss und dann nach einem Zeitraum von wenigstens zwei Wochen (in Online-Ausgaben) oder bis zu mehreren Monaten erscheint –, wenn es glatt läuft.

Tür und Tor geöffnet

Auf jeden Fall aber schottet sich der Elfenbeinturm, eine kaum noch gängige Bezeichnung für die Unnahbarkeit und Weltentrücktheit der Wissenschaft, nicht mehr ab, sondern hat Tür und Tor geöffnet. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn die Göttinger Forschungsinstitute wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt oder eines der Max-Planck-Institute einen Tag der offenen Tür anbieten, ist das garantiert ein Publikumsrenner.

Auch die Universität muss manchmal wegen Überfüllung schließen: Wenn in der Fakultät für Physik Experimentalvorlesungen angeboten werden wie im Jubiläumsjahr 2012 bei der Nacht des Wissens oder auch bei anderen Angeboten ist der Andrang groß.

Für das Tageblatt ist die Bandbreite von Absolventenfeier bis Auslandsbüro, Festakt bis Forschungsbericht, Studentenprotest bis Semesterbeginn stetig gewachsen. Deutlich zugenommen hat mit der Mitteilungsbereitschaft aus Hochschulen und Wissenschaft auch die Professionalisierung und Ausstattung der Öffentlichkeitsarbeit.

Die Pressestellen von Universität und Forschungsinstituten haben umfangreiche Aufgaben, die weit über die von Informationsstellen hinausgehen. Zum einen verlangen Zuschussgeber inzwischen auch die Information der Öffentlichkeit über Forschungsprojekte, zum anderen sind Forschungseinrichtungen ebenso auf Namensnennung angewiesen wie Hochschulen.

Wettbewerb um Studierende

Deren Wettbewerb um Studierende ist längst auch ein Faktor, regional und überregional auf sich aufmerksam zu machen. Und so wird auf allen möglichen Kanälen informiert: per eigens herausgegebener Zeitungen und Forschungsmagazine, auf den Websites im Internet, via Twitter und Facebook gibt es gute Nachrichten.

Dass auch schlechte Nachrichten, Kritik an Forschungsergebnissen oder Wissenschaftlern nicht mehr ausschließlich Stillschweigen oder allenfalls karge Informationen auf hartnäckiges Nachfragen hin bringen, hat ebenfalls etwas mit dem Wandel im Selbstverständnis von Forschern und Wissenschaft zu tun.

Forschungsskandale wie die fingierte Nierenkrebsstudie im Jahr  2001 oder die Falschangaben im Sonderforschungsbereich Tropenforschung 2009 an der Universität Göttingen, haben sowohl Richtlinien beispielsweise zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis als auch die Offenlegung und Selbstkritik gegenüber der Öffentlichkeit mit sich gebracht.