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125 Jahre Göttinger Tageblatt Nachtleben beim Göttinger Tageblatt
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14:52 01.08.2014
Im Leitstand der Rotation: Drucker Klaus-Dieter Dörre, Stefan Beulke und Volker Hesse stellen die Druckparameter immer wieder neu ein. Dafür begutachten sie die laufende Produktion in regelmäßigen Abständen. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Iren Lölgen schaut sich die Titelseite des Tageblatts noch mal an, bevor sie die Datei von ihrem Computer zum Plattenbelichter schickt.

Wenn es noch irgendwas zu berichtigen  geben sollte, ist es dafür einen Mausklick später zu spät. Die Wanduhr in der „Vorstufe“ genannten Abteilung zeigt 22.20 Uhr – eine gute Zeit, meistens wird es später. Etwa, wenn abends noch etwas Wichtiges passiert, über das noch aktuell  berichtet werden soll.

Lölgen und Holger Rappe sind an diesem Abend für die Belichtung der Druckplatten zuständig, mit denen das Tageblatt produziert wird. Die speziell beschichteten Aluminiumplatten werden mit einem Laser so bearbeitet, dass sich die wasserabweisende Beschichtung, an der die Farbe später haftet, nur noch an den zu druckenden Stellen befindet.

Eine Platte für jede Farbe

Für jede Zeitungsseite werden in der Vorstufe unter Überwachung der Laserintensität und -genauigkeit vier Druckplatten hergestellt – eine für jede Farbe, aus denen sich jede Tageblatt-Seite  zusammensetzt. Das heißt, dass für eine 32-seitige Ausgabe 128 Platten hergestellt werden müssen, die Rappe an diesem Abend an Harald Hildebrandt aus der Rotation übergibt.

Der hängt die Platten erstmal am Leitstand der Rotationsmaschine auf, der Andruck für das GT ist nämlich erst für 0.25 Uhr geplant. Davor arbeiten die Drucker noch an anderen Aufträgen. Denn mit dem zehn Meter hohen und 25 Meter langen Ungetüm werden jede Nacht neben dem Göttinger und Eichsfelder Tageblatt auch die Alfelder Zeitung und die Peiner Allgemeine Zeitung gedruckt.

Neben zahllosen Beilagen und Anzeigenblättern kommt einmal die Woche noch der Blick dazu. So entstehen in Spitzenzeiten bis zu 10 Millionen Seiten in 24 Stunden – ein Pensum, das nicht nur durch die imposante Maschine ermöglicht wird, sondern vor allem durch die Spezialisten, die sie bedienen.

„Hier kann vieles passieren“

Im Leitstand kontrollieren gelernte Drucker die Qualität während der laufenden Produktion, verändern die Farbmenge von Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz, oder geben mehr Wasser auf die Druckplatten, wenn eine Farbe zu stark schmiert.

Dazu kommt die Bewältigung von technischen Problemen, die zu jeder Zeit irgendwo in den 700 Tonnen Stahl auftreten können. „Hier kann vieles passieren“, sagt Klaus-Dieter Dörre mit vielsagendem Blick auf die vierstöckige Maschine, die den Leitstand von drei Seiten umgibt. Wer hier nicht jeden Tag arbeitet, fühlt sich von der umfassenden Präsenz des Druck-Ungetüms schnell eingeschüchtert.

Unsicherheit lassen sich die Mitarbeiter zu keiner Zeit anmerken. Auch nicht, als sie um 0.10 Uhr die Druckplatten auf den Zylindern befestigen. Für jedes Farbwerk gibt es einen eigenen Belegungsplan, der exakt befolgt werden muss. Ansonsten würden die Seiten in der falschen Reihenfolge aufs Papier gedruckt – etwas, das die Mitarbeiter aus verständlichen Gründen gerne vermeiden.

„Alles was auf den Druckplatten nass wird, druckt nicht“

Kurz nachdem Dörre um 0.18 Uhr den Druck gestartet hat, laufen die ersten Exemplare des GT vom Band. Mit einem leisen Zischen fallen durch ein Rohr immer wieder Exemplare in den Leitstand, wo sie von den Drucktechnikern kontrolliert werden. Ein paar Sekunden später zeigt Stefan Beulke auf den Rand der Seite 3. Weiß, eigentlich so, wie es sein sollte.

Zumindest für ungeübte Augen, denn Beulke sieht an winzigen Farbpartikeln schon jetzt, dass die schwarze Farbe an Stellen zu haften beginnt, die weiß bleiben sollen, und gibt sofort mehr Wasser auf die entsprechende Druckplatte. „Alles was auf den Druckplatten nass wird, druckt nicht. Wasser ist das Trennmittel zwischen druckenden und nicht druckenden Teilen“, erklärt Dörre.

Wenn der Redakteur das Licht ausmacht: Nachtleben beim Tageblatt. © Hinzmann

Nach zehn Minuten, es ist 0.28 Uhr, klingelt das Telefon im Leitstand. Schichtleiter  Wolfgang Wiederholdt nimmt ab und befielt wenige Sekunden später einenkompletten Produktionsstopp. Nebenan in der Weiterverarbeitung gibt es ein technisches Problem, für mehr als 20 Minuten steht die Druckmaschine still.

Erst um 0.50 Uhr transportiert ein Förderband die gedruckten Zeitungen wieder zur Weiterverarbeitung, wo die Zeitungen mit Beilagen versehen und in Pakete aufgeteilt werden. Die 30 bis 40 Exemplare starken Päckchen werden hier auch verschnürt und über ein computergesteuertes Förderbandsystem direkt zu den Lastwagen gebracht, die sie in der Region an die Austräger verteilen.

Mittlerweile ist es 2 Uhr – schon in wenigen Stunden beginnt die Redaktion ihre Arbeit an der nächsten Ausgabe.

Von Jonas Rohde

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