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Abgefahren! Abgefahren: Von Duderstadt nach Göttingen
Thema Specials Abgefahren! Abgefahren: Von Duderstadt nach Göttingen
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00:18 28.07.2013
Von Nadine Eckermann
Quelle: Eckermann
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Strecke: Duderstadt – Göttingen über Mackenrode

Länge:
Rund 35 Kilometer 

Geeignet für:
Für Familien und Rennradfahrer eher ungeeignet. E-Bike-Fahrer sollten die Leistung ihres Akkus vor dem Start prüfen – der Motor wird gefordert.

Einkehrmöglichkeiten:
Einkehrmöglichkeiten gibt es am Start- und Zielort mehrere. Auf der Strecke liegen beispielsweise
► Seulingen, Gaststätte zum Krug (krug-seulingen.de)
► Landolfshausen, Gasthaus Jünemann

Direkt zur Karte mit Höhenprofil

Und auch Freizeitfahrer, denen Landschaft, Sehenswürdigkeiten und abwechslungsreiche Strecken am Herzen liegen, sind kaum für einen Ausflug zu begeistern. Doch es gibt nette Strecken jenseits der Bundesstraßen, oft parallel dazu. Eine führt von Duderstadt über Westerode und Esplingerode nach Seulingen.

Weiter geht es über Landolfshausen nach Mackenrode und über Groß und Klein Lengden nach Göttingen. Rund 35 Kilometer haben Radfahrer zu bewältigen – sofern sie entweder eine Wanderkarte oder einen ausgeprägten Orientierungssinn im Gepäck haben.

Um es vorweg zu nehmen: Die Testfahrt auf der Strecke erfolgt ohne Karte. Und ohne Orientierungssinn. Bis nach Landolfshausen ist der auch nicht notwendig. Dank zahlreicher weißer Schilder mit grüner Schrift ist an jeder Kreuzung klar, wo es langgeht.

Selbst wenn sich der Fahrer eindeutig der Gattung „Hans-guck-in-die-Luft“ zuordnen lässt, ist ein reibungsloser Reiseverlauf möglich. Lediglich während der ersten zwei Kilometer ist Obacht geboten, denn von Duderstadt nach Westerode gilt es, sich dem Straßenverkehr anzupassen. Besonders zu Stoßzeiten kein Spaß.

Kurz hinter dem Ortsausgangsschild Westerode geht es rechts ab. Seit um Esplingerode eine Umgehungsstraße herum führt, ist die ehemalige Bundesstraße nicht mehr für den Autoverkehr freigegeben – durch die noch vorhandenen Markierungen wirkt es, als habe man im Eichsfeld eine Radautobahn gebaut.

Die erste von zwölf Strecken der Tageblatt-Serie "Abgefahren!" führt von Duderstadt nach Göttingen. ©Eckermann

Entsprechend flott ist Esplingerode in Sicht. Selbst die Ortsdurchfahrt scheint für den Radverkehr leergefegt. Ebenso flugs die Weiterfahrt nach Seulingen. Autodächer kommen höchstens beim Überqueren der „blauen Brücke“, die die B446 überspannt, in Sichtweite. Fahrtzeit: 15 Minuten.

An schlechten Tagen dauert es ebenso lange, mit dem Auto nach Seulingen zu gelangen. Vor der Tankstelle weist ein Schild den Weg nach links, und schon ist der Ort passiert.

Wenige hundert Meter weiter breitet sich eine Landschaft aus in der Ferne liegenden Hügeln, Bäumen am Wegesrand und viel, viel Gras aus. Darauf bewegt sich etwas: Schwarz-weißes Gefieder, langer Schnabel, stolzer Gang: Ein Storch stakst mitten über die Wiese. Ein Bild, das man auch nicht alle Tage sieht. Schnell ein Foto – weiter geht‘s.

Der Weg führt rechts ab über eine Brücke, weiter geht es auf der Landstraße. Links herum führt sie, glatt wie ein Babypopo und leicht abfallend nach Landolfshausen. Schöne Sache!

Ab in den Wald

Nach zwölf Kilometern Fahrt ist Landolfshausen erreicht – und damit das erste Problem: Auf dem Schilderbaum zeigen Wegweiser in alle erdenklichen Richtungen, aber auf keinem ist Mackenrode vermerkt.

Ein  freundlicher junger Mann hilft: „Willst Du Landstraße fahren?“, fragt er zurück. „Nee, durch den Wald“, lautet die Antwort. Fehler. „Vor dem Ortsausgang rechts, dann über einen geschotterten Weg weiter. Dann kommt eine Brücke, da fährst Du links. Und dann so, so und so“, sagt er und malt Schlangenlinien in die Luft.

Klingt nicht so schwer. Schon bald wird der Untergrund merklich rumpeliger. Räder fahren hier offenbar nicht so häufig. Wanderer müssen hingegen schon unterwegs sein, denn für sie sind Hinweisschilder aufgestellt. So auch an einem kleinen Teich. Mit Waldboden unter den Reifen geht es weiter durch eine dicht bewachsene Baumlandschaft.

Erst gemächlich bergauf, dann steiler und steiler. „Wer sein Rad liebt, der schiebt“, heißt es doch, oder? Wer seine Oberschenkelmuskulatur liebt, der auch. Kilometer 16 ist die reinste Quälerei.  Endlich Licht am Ende des Tunnels. Der Weg wird frei. Blöd nur, dass zwei Wege in unterschiedliche Richtungen führen.

Was hat der junge Mann mit den Schlangenlinien gezeigt? „So“? Hieß das rechts herum? Fehler. Auf zu einer Trail-Einheit, an deren Ende die zermürbende Erkenntnis steht: Nicht nur Kilometer 16 ist die blanke Quälerei. Auch Kilometer 18. Denn Kilometer 16 ist Kilometer 18.

Doch auch ein rechts-links-schwacher Hans-guck-in-die-Luft findet irgendwann einmal einen Ort. In diesem Fall Mackenrode, den Ort, wie das einzige Bushaltestellenschild im Ort zeigt. Und auch andere Schilder sind plötzlich wieder vorhanden: die heißgeliebten weißen mit grünem Druck.

Alle Wege führen nach Göttingen

Also weiter, vorbei an symbolischen Milchkannen. Der Verschönerungsverein habe sie vor drei Jahren aufgestellt, um an die „Milchbänke“ zu erinnern, die es in alten Zeiten einmal im Ort gab. „Sie waren der Sammelplatz für den Transport zur Molkerei nach Landolfshausen“, steht auf dem Schild.

Nein, dahin geht es heute nicht mehr. Stattdessen weiter in Richtung Groß Lengden. Parallel zur Straße führt der Radweg. Von dort aus ist auch Klein Lengden nicht mehr weit.

Noch einmal rechts abbiegen, und die Neubauten am Ortseingang Geismar sind nach wenigen Kilometern angenehmer Strecke sichtbar. Selbst wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht: Irgendwann führen doch alle Wege nach Göttingen.

Und hoffentlich auch zurück. Fortsetzung folgt.

Karte mit Höhenprofil und Kilometerangaben