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Abgefahren! Abgefahren: Von Duderstadt nach Werxhausen
Thema Specials Abgefahren! Abgefahren: Von Duderstadt nach Werxhausen
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13:46 25.10.2013
Von Nadine Eckermann
Quelle: Eckermann
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Duderstadt

Strecke Duderstadt - Werxhausen

Länge:
Rund 20 Kilometer

Geeignet für:
Zum Teil unbefestigter Grund beziehungsweise Schotter, teilweise schlechter Zustand der Wege

Einkehrmöglichkeiten:
Westerode und Nesselröden

Direkt zur Karte mit Höheprofil

Das funktioniert im ländlichen Gebiet besonders gut mit hübschen Häusern oder niedlichen Tieren. Auf dem Weg von Duderstadt über Westerode nach Desingerode und Werxhausen nach Nesselröden und zurück funktioniert das bestens. Es ist ein wenig so, als unternehme man eine Kneipenralley durch eine fremde Stadt: Plötzlich hat man viele neue Freunde.

Von Duderstadt aus geht es zunächst nach Westerode und durch den Ort hindurch. Kurz hinter dem Ortsausgangsschild zweigt ein Weg nach links ab. Nach Desingerode führt eine schmale Straße durch die Felder. Der Ort ist geprägt von Landwirtschaft. Die erste Begegnung mit einem Lebewesen ist daher die mit einer Kuh.

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Nicht nur sie allein trollt sich auf der Wiese, es sind gleich mehrere. Gut, die Begegnung mit einigen gefleckten Wiederkäuern ist nicht das Kulturereignis des Jahres, aber der Anspruch für die heutige Tour lautete schließlich: Tiere gucken.

Dabei gibt es in dem kleinen Ort Desingerode so manches zu entdecken. Neben der Pfarrkirche St. Maruritius und Gefährten und der Linde in der Dorfmitte gibt es noch einen Ort, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Es handelt sich dabei um einen Gedenkstein der Flurbereinigung – immerhin mit gepflastertem Zugang und einer Bank.

Zurück zu den Tieren. In Desingerode sind sie im Grunde allgegenwärtig, nicht nur wegen der Landwirtschaft. Denn  die Einwohner des Ortes tragen den Beinamen „Ziegenböcke“. Nicht etwa, weil sie besonders zickige Charaktere wären, ist ihnen die Bezeichnung im 17. Jahrhundert zugekommen, sondern wegen eines andauernden Disputs mit den Westerödern.

Die übrigens auch einen tierischen Kosenamen tragen. Sie sind die „Uhlen“, die Eulen. Aber das ist eine andere Geschichte. Die Bewohner der Dörfer also zofften sich immer wieder über die Besitzverteilung des Ackerlandes.

Irgendwann platzte den Desingerödern der Kragen: Sie gingen auf Beutezug in Westerode. Glattweg eine Ziege brachten sie mit nach Hause. Den Hohn der Westeröder bekamen sie im wahrsten Sinne um die Ohren. 21 Strophen lang.

Die nächste tierische Überraschung

Denn die Westeröder schrieben ein Spottlied über die Geschichte mit dem Ziegenbock, druckten es und verteilten es in Duderstadt auf dem Markt. Arme Ziegenböcke... Bis heute tragen sie diesen Namen.

In der unmittelbaren Nachbarschaft, gerade einmal einen Kilometer Radweg entfernt, wartet schon die nächste tierische Überraschung: Kückelhähne. So nämlich lautet der Spitzname der Bewohner des Nachbarortes Werxhausen. Und was ist auf ihrem Wappen zu sehen? Richtig, ein Hahn.

Was es im Ort zu sehen gibt, hat allerdings weder Federn noch Kamm, sondern ist aus Sandstein gebaut und hat einen Glockenturm: Die Dorfkirche ist dem Heiligen Urban gewidmet. Die Orientierung nach Nesselröden gelingt mühelos: Immer den Pferden nach.

Die zehnte Folge der Radfahrserie führt von Duderstadt nach Werxhausen und zurück über Nesselröden. ©Eckermann

In dem Ort sind nicht nur Ställe und Reitanlagen zu finden. Auch die Kirche ist einem berittenen Heiligen gewidmet: St. Georg. In bildlichen Darstellungen ist der Drachentöter oft mit einer Lanze auf dem Pferd sitzend dzu sehen.

Vom heiligen Ritter zum Pedalritter: Der macht sich jetzt auf den Weg zurück nach Westerode. Auf diesem wird er allerdings in seiner Mission „Tiere gucken“ gestört: Viel aufregender ist ausgerechnet die Straße, die es nicht mehr gibt. Wo bis vor einigen Jahren noch Autos von Westerode nach Nesselröden fahren konnten, ist jetzt Schluss. Eine Wand aus Grün.

Die Straßenmarkierung ist allerdings nach wie vor vorhanden. Daraus ergibt sich das skurrile Bild eines Wegweisers ins Nirwana... Kehrt marsch, bevor sich die Straße auftut. Wieder auf dem rechten Weg, also dem Radweg parallel zur Landstraße, angelangt, sind schon wieder Pferde unterwegs. Nennt man die Nesselröder eigentlich nach Pferd? Passen würde es sicher, aber sie tragen den Beinamen „Breineeteln“, die Brennnesseln. Hätte ja sein könne.

Wieder bei den „Uhlen“ angekommen, sind die Zicken nicht mehr fern. Nein, keine Ehrenrunde durch Desingerode. Echte Ziegen stehen mitten im Dorf. Schade, dass die 21 Strophen des Ziegenbockliedes nicht bekannt sind, um damit im Kopf die letzten Meter bis nach Duderstadt zurück zu nehmen. Zu den Anreischken. Wieder nichts mit Tieren. Aber die sind jetzt auch nicht mehr nötig. Bei so vielen neuen Freunden.

Die zehnte war die letzte Folge „Abgefahren“ in diesem Jahr. Fortsetzung folgt ... 2014.

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