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Abgefahren! Abgefahren: Von Duderstadt zu den Thiershäuser Teichen
Thema Specials Abgefahren! Abgefahren: Von Duderstadt zu den Thiershäuser Teichen
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00:18 14.10.2013
Von Nadine Eckermann
Still und starr ruht der See: Angelsteg an den Thiershäuser Teichen. Quelle: Ne
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Duderstadt

Strecke Duderstadt – Wehnder Warte

Länge:
Rund 48 Kilometer

Geeignet für:
Stellenweise unbefestigter Untergrund, leicht hügelige Strecke

Direkt zur Karte mit Höheprofil

Aber am See entlang? Vormittags ist dort die Gefahr groß, sich zu fühlen wie mitten in der heißen Phase des Göttinger Altstadtlaufs: Verbissene Jogger und Walker bevölkern die Strecke. Danach beginnt dann die Zeit der Spaziergänger, die das Mittagessen abtrainieren und neuen Platz für Kaffee und Kuchen schaffen wollen.

Und danach wiederum kommen langsam die Langschläfer aus ihren Löchern gekrochen, um den idyllischen Sonnenuntergang betrachten zu können. Alle diese Personengruppen sind an sich nette Leute – es sei denn, man will mit dem Fahrrad vorbei.

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Um das Problem zu lösen, gibt es zwei Methoden. Die erste ist etwa so erfolgreich wie der Besuch eines klassischen Konzertes mit eingeschaltetem Handy und dem Radetzkymarsch als Klingelton: Bimmelt es, was das Zeug hält, hat man sicher viel Platz um sich herum, aber auch viele neue Feinde. Die zweite ist die softe: Halte es wie eine Kuh. Es kann passieren, was will. Bleib einfach ruhig. Allerdings sollte man das Kauen beim Radfahren sein lassen. Andernfalls droht beim Einatmen die Gefahr einer ungewollten Fleischeinlage.

Kühe sind ohnehin ein gutes Stichwort. Auf dem ersten Abschnitt der Route, der in Duderstadt beginnt und über Mingerode nach Bernshausen an den Seeburger See führt, gibt es nämlich einige von ihnen zu sehen. Überhaupt ist die Tierdichte auf dieser Strecke eine besonders hohe.

Das macht sie perfekt für einen Ausflug mit Kindern, denn an jedem zweiten Weidezaun kann eine kurze Verschnaufpause eingelegt werden. Pferde und Kühe gibt es beispielsweise oftmals kurz vor dem Ortseingang Germershausen zu sehen. Dorthin führt eine komplett befestigte Straße. Abgesehen von einem Anstieg vor Germershausen gibt es keine nennenswerten Anstiege. So weit, so entspannt.

Auch am Ortseingang von Bernshausen sind tierische Zwischenstopps möglich. Am Ortsschild weiden Pferde, folgt man dem Weg nach links in Richtung See, kann man Gänsen beim Futtern und Enten beim Putzen zusehen. Doch hier beginnt der Teil der Strecke, der möglicherweise mit Slalom-Fahrten um Sonntagsanzugträger verbunden sein könnte. Abhilfe schafft ein kleiner Fußweg, der nach rechts führt.

Am Segelverein vorbei gelangt man auf einen Radweg, der zwischen dem auf der linken Seite liegenden See und der Straße entlangführt. Da auch hier erfahrungsgemäß Scharen von Fußgängern unterwegs sind, empfiehlt es sich, auf der Straße zu fahren. Gefahr durch Autos besteht fast nicht, denn die Straße ist breit und nicht sehr stark befahren. Auf diese Weise ist ein Blick auf den See auch im Fahren möglich. In Anbetracht der Tatsache, dass noch weitere zwei Drittel der Strecke anstehen, ist eine längere Verweildauer ohnehin nicht angedacht.

Ein letzter Blick auf die Menschenmassen, die sich am See entlangschieben, dann geht die Straße nach rechts ab in Richtung Wollbrandshausen. Bereits wenige Meter weiter führt eine kleine Abzweigung nach links, die man schnell übersehen kann. Sie führt zum Seeanger und dem an der Aue aufgestellten Aussichtsturm. Wasser gibt es hier auch zu sehen.

Vielleicht nicht ganz so viel wie am Seeburger See, aber dafür ganz und gar in Ruhe. Hier einen Augenblick innezuhalten, lohnt. Bei schönem Wetter reicht der Blick vom Göttinger Wald über den Hünstollen bis zum Lohberg, nach Krebeck und zum Höherberg. Und – so verrät es eine Infotafel – die Lage Ebergötzens wird ins Gedächtnis gerufen. In diese Richtung soll es weitergehen, ein wertvoller Tipp.

Der achte Teil der Radfahrserie Abgefahren führt von Duderstadt zur den Tiershäsuer Teiche. ©Eckermann

Von diesem Punkt an ist die Orientierung aber kein Problem mehr, wenn auch der Schilderbaum auf dem Weg nach Ebergötzen anderes vermuten lässt. Und auch das Ausgangsproblem ist endgültig gelöst. Außer einem einzelnen Naturfotografen ist kilometerweit kein Mensch zu sehen. In Krebeck angekommen, bietet sich ein kurzer Halt am Mittelpunktstein an, ansonsten kann direkt das Ziel der Strecke angepeilt werden: die Thiershäuser Teiche zwischen Renshausen und Gillersheim.

Hier herrscht die perfekte Idylle. An einen Parkplatz befindet sich ein Durchgang zwischen den Bäumen, über den man an einen Angelsteg gelangt. Würden nicht einige Hinterlassenschaften das Gegenteil beweisen, könnte man meinen, der Platz sei unberührt. Die Sonne dringt zwischen den Bäumen hindurch, der See liegt absolut still. Jetzt fehlt nur noch eine Weinschorle – doch die Ausflugsgaststätte hat geschlossen. Möglicherweise verradeln sich hierhin tatsächlich nicht so oft Besucher.

Allzu ausgedeht sollte der Besuch am See niocht sein, wenn man nicht den selben Weg zurück, sondern über Bilshausen, Gieboldehausen und Rollshausen nach Duderstadt zurück fahren möchte. Die Hightlights der Strecke: der nagelneue Radweg zwischen Bilshausen und der uralte vor Rollshausen. Der führt in einer Gabel auf eine Brücke zu, verjüngt sich dort zu einem Weg und gabelt sich dahinter wieder. Sehr hübsch.

Gut, dass hier kein Mensch unterwegs ist – sonst hätte es hier sicher ein Nadelöhr gegeben. Doch so bleiben wir gelassen wie eine Kuh. Und lassen aus lauter Spaß an der Freude unsere Fahrradklingeln bimmeln.

Fortsetzung folgt...

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