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Abgefahren! Abgefahren: Von Duderstadt zum Euzenberg und zurück
Thema Specials Abgefahren! Abgefahren: Von Duderstadt zum Euzenberg und zurück
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15:13 12.08.2013
Von Nadine Eckermann
Scheinen aufeinander zuzugehen: Zwei der drei Steine, die bei Nesselröden an die deutsch-deutsche Teilung erinnern sollen. Quelle: Eckermann
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Duderstadt

Strecke Duderstadt über Böseckendorf und Euzenberg

Länge:
Rund 27 Kilometer

Geeigenet für:
Eher ebener Untergrund, eine Steigung

Einkehrmöglichkeiten:
Landgasthaus Rhode
Gasthaus Schenke

Direkt zur Karte mit Höhenprofil

Erstaunlicherweise geraten über das Nicht-vergessen-Wollen wichtige Dinge in Vergessenheit. Zum Beispiel Orte. Ganze Orte. Wenn dort niemand mehr wohnt und die Gebäude abgerissen wurden, sind sie eines Tages einfach weg aus dem kollektiven Gedächtnis. Gelöscht und vergessen.

Damit das nicht geschieht, engagieren sich Menschen in Ortverschönerungsvereinen oder der Heimatpflege. Auch im Eichsfeld. Und sie sind gut darin: Fährt man mit dem Rad von Duderstadt über Tiftlingerode und Immingerode nach Böseckendorg und über Nesselröden und Westerode wieder nach Duderstadt zurück, begegnen einem viele Erinnerungen an die  Vergangenheit.

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Ganz und gar gegenwärtig ist der Startpunkt der Tour: Über den Parkplatz der Diskothek Musikwerkstatt geht es auf den Schwarzen Weg, vorbei an Gärten und über eine Brücke nach links zum Gewerbegebiet Euzenberg. Dort sind noch Überreste der alten Bahnlinie sichtbar – erste Anzeichen der Zeitreise.

Folgt man der Landstraße, nähert sich schon bald Tiftlingerode. An der Kreuzung am Ortsausgang führt die Straße nach rechts, links geht es auf einen Radweg entlang der Felder nach Immingerode. Dort angekommen, wartet der erste Zeitsprung – und gleich ein gewaltiger: ins Jahr 1683.

Gedenksteine und Naturdenkmale

In diesem Jahr wurde die Pestkapelle errichtet, die  über einen kleinen Schlenker zu erreichen ist: Hinter dem Ortsausgang führt die Straße nach links wieder in den Ort. Im Eichsfeld gibt es eine ganze Reihe dieser kleinen Andachtsorte. Diese – besonders gepflegte – Klus ist bis heute einmal im Jahr ein Ort der Wallfahrt, verrät die angebrachte Infotafel.

Der nächste aus der Zeit gefallene Ort wird im Nachbarort erreicht. Mitten in Böseckendorf, zu erreichen über eine durchgängig beschilderte und asphaltierte Straße, steht ein imposantes Naturdenkmal: die Sommerlinde, die unmittelbar nach dem Ende des 30-jährigen Krieges als Zeichen des friedlichen Neubeginns gepflanzt worden sein soll. Trotz der Schädigungen im Stamm steht sie noch immer stolz und schön im Ortszentrum.

Die dritte von zwölf Strecken der Tageblatt-Serie "Abgefahren!" führt von Duderstadt nach Göttingen. Impressionen vom Wegesrand. ©Eckermann

Der Name Böseckendorf ist aber in einem anderen historischen Zusammenhang bekannt: Hier fand 1961 die große Flucht statt. Rund die Hälfte des Dorfes ließ die DDR – über teilweise bereits vermintes Gebiet – hinter sich, um in den Westen, nach Immingerode, zu kommen. Daran erinnern heute Gedenksteine.

Die Bedeutung der innerdeutschen Grenze für die Orte in diesem Gebiet sind an vielen Stellen zu sehen, so auch auf dem Weg nach Nesselröden. Dort erinnert ein Ensemble aus Steinskulpturen seit Anfang der 90er-Jahre an die innerdeutsche Teilung. Der Gedenkplatz ist zu erreichen, indem man dem Landwirtschaftsweg folgt, der hinter der Linde nach rechts führt.

Aus einem Schotterweg wird schon bald eine asphaltierte Straße, die rechtsherum zu fahren ist. Hinter einer kleinen Kuppe liegt eine Baumgruppe, in deren Mitte sich die Steine und eine Infotafel befinden. Zwei von ihnen ragen rund zwei Meter in die Höhe, scheinen aufeinander zugehen zu wollen.

Ein weiterer lugt spitz aus dem Gras heraus. Roger Bischoff soll damit dem Vorurteil eine symbolische Gestalt gegeben haben. Die Platzierung des spitzen Steines scheint zu sagen: Vergrabt Eure Klischees endlich unter Erde und Gras.

Lässt man sich die Straße weiter hinabrollen, führt bald ein Feldweg nach links. Nach und nach wird die Strecke unebener, die am Waldrand entlang zur Landstraße führt. Vor der Ankunft in Nesselröden steht der Besuch in einem Ort an, der keiner mehr ist: Dudenborn.

Die Abzweigung dorthin ist leicht zu verpassen, denn kein Ortsschild und kein Wegweiser zeigen Dudenborn an – warum auch, wenn es den Ort gar nicht mehr gibt. Stattdessen hält man an der Straße und streift wie durch Nachbars Garten. 17 Höfe sollen hier vom 12. Jahrhundert an entstanden sein.

Heute ist davon ein Kreuz übrig an der Stelle, an der die Kirche stand, und eine Hinweistafel. „Aus verschiedenen Gründen ging das Dorf im 16 Jahrh. ein, es wurde wüst“, ist darauf zu lesen. Weg war es. Ein Dorf, das einfach verschwand. Und nichts zurückließ als einen Hinweis auf seine Kirche.

Aussicht ist einmalig

Da bietet es sich doch an, den Tag mit einem christlichen Denkmal zu beschließen. Dieses liegt allerdings alles andere als versteckt. Den Hinweisschildern folgend soll das Ziel der Euzenberg sein. Berg übrigens nicht im übertragenen Sinne – klettern ist angesagt.

Wem die Bergetappe zum Euzenberg nicht ausreicht: Einige hundert Meter zuvor geht ein Wanderweg den Berg hinauf. Dort gibt es einen Rastplatz mit hervorragender Aussicht und ohne Wandererrummel.

Doch weiter: Eine langgezogene Steigung führt zum Ziel, dem 1926 eingeweihten Christus-König-Kreuz. Der Aussichtsturm, der von dieser Seite über einen unbefestigten Weg zu erreichen ist, entstand auf Initiative des Unternehmers Bernward Leineweber, wohl als Erinnerung an seinen Heimatort Nesselröden.

Zu lesen ist die Inschrift Christus imperat, Christus regnat, Christus uniat, Christus vincit. Klingt christlich, ist es auch. Dennoch ist das Kreuz kein Pilgerort, sondern auch ein touristisches Ziel. Denn die Aussicht über das Eichsfeld von hier aus ist einmalig. Der Aufstieg lohnt allemal.

Entsprechend geht es zurück nach Duderstadt immer schön bergab – zunächst nach Westerode, dann in die Stadt. Und damit auch zurück in die Gegenwart. Doch Bergsteigen und vom Kreuz aus die Aussicht genießen, hat Eindruck gemacht. Das muss wiederholt werden – an anderer Stelle.

Fortsetzung folgt ...

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