Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Abgefahren! Abgefahren: Von Duderstadt zum Seeburger See und nach Ebergötzen
Thema Specials Abgefahren! Abgefahren: Von Duderstadt zum Seeburger See und nach Ebergötzen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 15.09.2013
Von Nadine Eckermann
Quelle: Eckermann
Anzeige
Duderstadt

Strecke DuderstadtSeeburger SeeEbergötzenSeulingenDuderstadt

Länge:
Rund 43 Kilometer

Geeignet für:
Ebener Untergrund, Anstiege bei Ebergötzen und zur Seulinger Warte

Einkehrmöglichkeiten:
Germershausen, am Seeburger See, in Ebergötzen und auf der Seulinger Warte

Direkt zur Karte mit Höhenprofil

An die erste Fahrt auf nur noch zwei Rädern erinnert sich wohl jeder Radfahrer in leuchtenden Farben. An die Sieben nicht. Die Sieben ist der Riss in den Jeans nach dem ersten gescheiterten Versuch, ohne Stützräder zu fahren.

Sie existiert nur in einem einzigen Gedankenfetzen, so labberig und ausgefranst wie der dunkelblaue Stoff am Rande der Sieben. Der einzig bunte Fleck in einem schmutzig-grauen Bild im Kopf ist eine knallrote Tomate. Der Flicken, der die Sieben verdeckte und gefühlt bis heute den Spott der Nachbarn und den Schmerz im Knie widerspiegelt.

Anzeige

Das erste Mal ohne Stützräder dürfte in eine Lebensphase einzuordnen sein, in der echte Helden wilde Haare und bunte Kleidung tragen. Ihnen wieder zu begegnen fühlt sich an wie grünes Brausepulver auf der Zunge oder Wasserbombenwerfen: Eigentlich ist man viel zu alt für diesen Quatsch und hat doch Riesenspaß dabei.

Zwei Helden der Kindheit – haltbare Modelle sogar – sind in unserer Region zu finden und bestens mit dem Rad zu erreichen: Max und Moritz, diese beiden. Von Duderstadt aus beginnt eine Streckenvariante in Richtung Mingerode. Parallel zur Straße führt ein schmaler, gut zu fahrender Radweg an Streuobstwiesen und Kuhweiden entlang.

Ein wunderbarer Einstieg für einen Trip in die Kindheit: Eine Pflaume pflücken und an der Kuhweide verspeisen. In Mingerode geht es nach links durch eine Allee, hinter den letzten Häusern und dem Sportplatz beginnen kilometerlange befestigte Radwege zwischen den Feldern. Bis Germershausen breitet sich die Landschaft aus, selten ist mit landwirtschaftlichem Verkehr zu rechnen.

An Sonntagen im Sommer übrigens gar nicht: Dann sind diese Wege ganz und gar Radfahrern, Spaziergängern und Skatern vorbehalten. Vom Wallfahrtsort Germershausen ist es nur noch ein Katzensprung nach Bernshausen und damit zum Seeburger See. Dort ist ein Zwischenstopp angesagt.

Hunger nach Geschichtswissen und Kuchen

Hier erklären Bildtafeln, welche Wasservögel am See heimisch sind, welche Fische im See schwimmen und  welche Wanderrouten möglich sind, falls man mal nicht aufs Rad steigen möchte. Hier sollte man Zeit einplanen, denn Wissensgewinn kann nie schaden. Wie schon Lehrer Lämpel sagte: „Also lautet ein Beschluss: Dass der Mensch was lernen muss.“

Fortgebildet führt die Strecke um den halben See herum und durch Seeburg hindurch nach Ebergötzen. Hier werden verschiedene Bedürfnisse auf kleinem Raum befriedigt. Zunächst: Spieltrieb und exzessives In-Kindheitserinnerungen-Schwelgen im Wilhelm-Busch-Museum bei Max und Moritz und ihren Streichen. Hunger nach Geschichtswissen und Kuchen kann man im Brotmuseum stillen.

Spätestens bevor ein Besuch einer dieser Orte angedacht ist, lohnt sich ein Blick auf die Uhr: Es gilt noch zwanzig Kilometer Radstrecke zurückzulegen. Also sollte Versuchungen schnell nachgegeben werden. Als Kind ging das ja auch ganz wunderbar.

Der fünfte Teil der Serie Abgefahren führt von Duderstadt zum Seeburger See und nach Ebergötzen.

Ein Abstecher zu einem Ort, der keine Sehenswürdigkeit, aber dennoch sehenswert ist, empfiehlt sich an schönen Tagen: Schon von Weitem sind die Windräder bei Ebergötzen sichtbar – von Nahem sind sie auch hörbar. Denn auf der Anhöhe befindet man sich außer Sicht- und Hörweite von gefühlt allem. Es gibt nichts außer Wind und den mächtigen Rädern dort oben.

Nach einer unterhaltsamen Weiterfahrt mit kleinen Aufs und Abs, ist schon bald die Seulinger Warte ausgeschildert. Ein schöner Ort zum Halten, wenn es nicht regnet. Die Aussicht ist wundervoll.

Und wenn niemand zusieht, kann man sich auf dem Spielplatz austoben, auch wenn man aus dem Alter eigentlich raus ist. Dann rasch zurück nach Duderstadt: Über Esplingerode und Westerode geht das am schnellsten. Und schon war der fünfte Streich, doch der sechste folgt sogleich...

Karte mit Höhenprofil und Kilometerangaben