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Abgefahren! Abgefahren: Von Duderstadt zum Sonnenstein und zurück
Thema Specials Abgefahren! Abgefahren: Von Duderstadt zum Sonnenstein und zurück
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20:42 19.09.2013
Von Nadine Eckermann
Sagenhafter Ausblick vom Sonnenstein. Quelle: Eckermann
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Duderstadt

Strecke DuderstadtSonnenstein über Fuhrbach

Länge:
Rund 28 Kilometer

Geeignet für:
Ebener Untergrund, Aufstieg zum Sonnenstein unbefestigt, zum Teil Waldboden

Einkehrmöglichkeiten:
Auf der Roten Warte, in Fuhrbach und am Sonnenstein.

Direkt zur Karte mit Höheprofil

Hinter diesen Mauern verbarg sich der angsteinflößende Herrscher eines Riesengeschlechtes, ein raubeiniger Trunkenbold von hünenhafter Gestalt, der sich als großer Krieger und meisterhafter Bogenschütze einen Namen gemacht hatte – einen zweifelhaften allerdings, denn die Menschen in den umliegenden Siedlungen fürchteten sein unbeherrschtes Wesen.

Am Vortag der Sonnenwendfeier bereiteten die Menschen das Opfertier zu Ehren Wotans vor. Ein Pferd sollte es sein, festlich geschmückt, das dem Göttervater dargebracht werden sollte.

Gerade als der Hohepriester dem Pferd seinen Mistelzweig um den Hals legte, trat der Riese aus der Tür, bewaffnet mit Pfeil und Bogen, auf der Suche nach einem geeigneten Ziel, um seinen Kumpanen seine Schießkunst zu demonstrieren. Da kam ihm der Prachtgaul gerade recht.

Als der Hohepriester den Frevel bemerkte, schickte er einen Fluch in Richtung der Burg: Für alle Zeiten sollte der Übeltäter verdammt sein, der eine Waffe gegen ein Opfertier zu Ehren Wotans richte.

Geheimnisvolle Aura

Noch in der selben Nacht erfüllte sich der Fluch: Mit einem ohrenbetäubenden Krach brach die Burg in sich zusammen. Den Riesen fand man – mit seinem eigenen Pfeil in der Brust – von einer Klippe hängend tot vor.

Von diesem Tag an lebten die Menschen um das Eichsfelder Tor herum ohne Angst in ihren Siedlungen – und der Berg, auf dem einst die Feste des Riesen stand, wurde zu einem Ort der Kraft und der Freiheit.

Bis heute hat der Sonnenstein, so der Name des 485 Meter hohen Berges am nördlichen Rand des Ohmgebirges, nichts von seiner beeindruckenden Wirkung verloren. Selbst in Unkenntnis der Sage um die germanischen Vorfahren der Eichsfelder umgibt den Ort eine geheimnisvolle Aura.

Möglicherweise ist es der Weitblick. Bei guter Sicht reicht er bis in den westlichen Harz mit dem Brocken im Norden, auf das Kyffhäusergebirge im Osten, auf das Ohmgebirge im Süden sowie über die Goldene Mark und das angrenzende Leinebergland im Westen.

Ganz sicher trägt das weithin sichtbare Kreuz dazu bei, diesem Ort etwas Geheimnisvolles zu geben. Neben einem  Steintisch und einer Sonnenuhr befindet sich das Friedenskreuz seit 1990 auf der Kuppe.

Zu erreichen ist der Sonnenstein von Duderstadt aus über verschiedene Wege. Eine Strecke führt aus der Stadt heraus über die Rote Warte nach Fuhrbach. Von dort aus geht es in südöstlicher Richtung durch den Wald in Richtung Holungen. Etwa einen Kilometer vor dem Ort führt ein unbefestigter Weg den Berg hinauf.

Ungeübte sollten das Rad besser abstellen und wandern, andernfalls droht Muskelkater in den Armen – denn dann ist Schieben angesagt. Auch Rennradfahrer sollten am Fuß der Anhöhe besser absteigen. Mountainbiker hingegen werden ihre helle Freude an der Strecke haben.

In unmittelbarer Nähe des Sonnensteines gibt es noch mehr zu entdecken. Den „Braunen Bühl“ beispielsweise, einen auffälligen, sandigen Berg. Auch hierum rankt sich eine Sage.

Die vierte von zwölf Strecken der Tageblatt-Serie "Abgefahren!" führt von Duderstadt zum Sonnenstein und zurück. Impressionen vom Wegesrand. Fotos: ©Eckermann

Auch hier war wieder ein Riese im Spiel: Er soll sich an dieser Stelle schlafen gelegt haben, nachdem er den Anblick des Sonnensteines genossen habe. Am nächsten Morgen bemerkte er, dass er von seiner Reise Sand im Stiefel hatte – und kippte ihn aus.

Mit solch heidnischen Sagen beschäftigte sich auch Hermann Iseke, der unter dem Pseudonym Bernardus Americanus den Band „Aus Eichsfelds Vorzeit in Geschichte und Sage“ veröffentlichte.

Und das, obwohl der Heimatdichter nach Studien der Rechtswissenschaften, der Philosophie und der Germanistik eine theologische Laufbahn einschlug.

Ihm wurde ein Gedenkstein gewidmet, der auf einem Hügel gegenüber des Sonnensteins zu finden ist. Damit erinnern die Holunger an den wohl bekanntesten Spross des Ortes, den Dichter des sogenannten Eichsfeldliedes, das 1901 als „Eichsfelder Sang“ veröffentlicht wurde.

Das prägende Bild der Tour

Darin übrigens werden die Berge, Wälder und die Aussicht erwähnt. Vermutlich hatte der Dichter den Blick vom Sonnenstein im Kopf.

Dieser bleibt auch während der Rückfahrt das prägende Bild der Tour. Über wenig befahrene Landstraßen führt diese zuerst nach Brehme, dann nach Ecklingerode. Von hier aus lässt sich Duderstadt über durchweg befestigte Radwege entlang der Felder erreichen.

Dieser Streckenabschnitt ist durchgehend leicht abfallend – und damit ein perfekter Ausklang, nachdem Anstieg und Ausblick den Atem geraubt haben. Denn so viel steht fest: Das Eichsfeld besteht nicht nur aus plattem Land. Was noch an anderer Stelle zu beweisen wäre ...

Fortsetzung folgt.

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