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Bundestagswahl 2013 Göttinger CDU-Kandidat Fritz Güntzler im Bundestag
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19:13 23.09.2013
Quelle: Heller
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Göttingen

Das deutete sich zwar schon früher an, aber er wollte es „schwarz auf weiß sehen“, bevor die Anspannung abfiel. „Und ich freue mich natürlich darüber“, fügte er am Montag an.

Der SPD-Abgeordnete Thomas Oppermann empfindet nach seinem Direktsieg im Wahlkreis Göttingen „Dankbarkeit und Demut“. Ohne seine Göttinger SPD hätte er „den Wahlkreis niemals gewinnen können“. Und Jürgen Trittin scheinen seine Verluste nicht wirklich zu überraschen: „Wir haben in Göttingen keinen Erststimmenwahlkampf geführt.

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Und anders als vor vier Jahren ging es auch nicht um die Abwahl einer Großen Koalition. Das dürfte es rot-grünen Wechselwählern leichter gemacht haben, mit der Erststimme Thomas Oppermann gewählt zu haben.“

„Das kann uns keiner nehmen“

Vor allem für Fritz Güntzler war es eine lange Nacht. Dass das CDU-Wahlergebnis für einen Einzug in den Bundestag höchstwahrscheinlich reichen wird, machte schon recht früh am Wahlabend die Runde. Die Gewissheit kam für Güntzler aber erst Stunden später.

Ein Telefonat gegen 3 Uhr mit dem Generalsekretär der niedersächsischen CDU, Ulf Thiele, brachte die ersehnte Nachricht: Der 47-jährige Göttinger Ratsherr wird über die Landesliste der CDU in den Bundestag einziehen.

Danach feierte Güntzler mit einer handvoll Wahlhelfern von der Jungen Union im Partykeller der CDU-Parteizentrale. Song der Nacht: „Das kann uns keiner nehmen“ von Revolverheld.

„Wir haben überall gut zugelegt"

Aber „so richtig angekommen bin ich innerlich noch nicht“, räumte der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater am Montag ein. Mit Blick in die Zukunft ist er „aber ziemlich sicher“, dass es in Berlin eine große Koalition mit der CDU und SPD geben wird. Und dann fügt Güntzler an: „Für Schwarz-Grün ist die Zeit noch nicht reif – leider. Das hätte ich spannend gefunden.“

Auch wenn er den Wahlkreis Göttingen mit 38,18 Prozent der Erststimmen nicht gewonnen hat, ist er mit den Ergebnissen zufrieden: „Wir haben überall gut zugelegt, insgesamt um 6000 Stimmen.“

Grob bilanziert „habe ich den Landkreis gewonnen und nur die Stadt Göttingern verloren“.

„Für den Fall der Fälle“

„Ganz toll“ sei sein Ergebnis im Eichsfeld. Nicht nur deshalb wolle er auch als Bundestagsabgeordneter „stark mit der Region verbunden bleiben“. Sein Göttinger Ratsmandat werde er sicher bis zur nächsten Kommunalwahl halten, die vielen anderen Ämter „muss ich neu sortieren“.

Güntzlers erster Termin als Abgeordneter ist am Dienstag die konstituierende Sitzung der neuen CDU-Fraktion in Berlin. Wenigstens habe er sich „für den Fall der Fälle“ schon eine Wohnung in Berlin reservieren lassen.

Fragen zu seiner persönlichen Zukunft in einer möglichen großen Koalition und einem Ministerposten lässt Oppermann derzeit unbeantwortet. Diese würden sich derzeit überhaupt nicht stellen. „Es geht nicht darum, was ich mir persönlich wünsche. Sondern: Wir müssen das tun, was für das Land und die SPD am besten ist“, sagt Oppermann.

„Wir laufen nicht Parteien hinterher"

Jürgen Trittin hat eine schwarz-grüne Koalition schon abgeschrieben: „Demokraten sollten immer miteinander reden, auch wenn sie nicht miteinander zu einer gemeinsamen Handlungsgrundlage kommen. In diesen Stunden hat Horst Seehofer gerade verkündet, mit uns nicht reden zu wollen. Wir laufen nicht Parteien hinterher, die nicht mit uns sprechen wollen“, sagte er gestern Nachmittag.

In seinem Wahlkreis Göttingen werde es nun darum gehen, „die Energiewende voran zu treiben – vor allem aber den Forschungsstandort Göttingen zu stärken. Und wir werden gemeinsam für den ICE-Halt streiten müssen.“

Die Frage nach einer möglichen Auswirkung der Pädophilie-Debatte auf sein Abschneiden ließ Trittin unbeantwortet.

Von Ulrich Schubert, Andreas Fuhrmann und Michael Brakemeier

Dieser Artikel wurde aktualisiert