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Doppelter Abi-Jahrgang Schüler „intensiv vorbereitet“
Thema Specials Doppelter Abi-Jahrgang Schüler „intensiv vorbereitet“
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12:42 19.11.2010
Von Ulrich Schubert
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Die Kernfragen: Wie sollen die Schüler aus der G8 und G9 auf ein gleichwertiges Abi zur gleichen Zeit vorbereitet werden – getrennt oder gemeinsam? Gibt es ausreichend Lehrer und Fachräume für doppelt so viele Schüler in der Endrunde?

„Keine Frage, organisatorisch ist der Doppeljahrgang deutlich aufwändiger“, räumt Wilfried Bergau-Braune als Leiter des Hainberg-Gymnasiums und im Namen aller fünf Göttinger Gymnasien ein. Die Oberstufenkoordinatorin des Grotefend-Gymnasiums in Münden, Kerstin Oberdorf, spricht von einem „enormen Arbeitseinsatz“ des Kollegiums, „der die Grenzen der Personalstruktur aufzeigt“. Während in anderen Ländern teilweise Parallelkurse gefahren wurden, wurden in Niedersachsen der letzte G9- und der erste G8-Kurs komplett zusammengefasst. Alle Schüler wurden ab Klasse zwölf beziehungsweise elf als ein Jahrgang betrachtet. In den Kursen sitzen und lernen die Schüler aus beiden Altersstufen vereint. Bei einer doppelten Schülerzahl bedeutet das laut Bergau-Braune aber auch: fast durchgehend große Kurse mit mindestens 20 Schülern und in einigen Fächern bis zu 14 Parallelkurse. Nahezu alle Lehrer seien in der Oberstufe eingespannt und müssten teilweise deutlich mehr Klausuren auf hohem Leistungsniveau korrigieren.

Die normalen Klassenräume seien für den Doppeljahrgang ausreichend, weil es unter dem Strich ja nicht mehr Schüler gebe. Bei etlichen Parallelkursen in Naturwissenschaften seien die Fachräume allerdings ausgelastet und mancher Kurs müsse in einen normalen Raum ausweichen.

Die schwierigste Frage aus Sicht der Schule sei es gewesen, die G8-Schüler in verkürzter Zeit auf das Lernniveau der letzten G9-Gruppe zu bringen. „Dafür haben wir intensiv vorgearbeitet“, sagt Bergau-Braune. In der 9. und 10. Klasse hätten die ersten G8-Schüler an allen Gymnasien eineinhalb Jahre lang pro Klasse zusätzliche Förderstunden bekommen – bezahlt vom Land. Das Verfahren habe sich bewährt, sind Bergau-Braune und seine Kollegen überzeugt: „Wir registrieren in den gemischten Kursen keine Leistungsunterschiede, es herrscht eine harmonische Lernatmosphäre.“ Teilweise seien die G8-Schüler sogar besser, sagen viele Lehrer. Die Jüngeren hätten schnell gelernt, verdichteter zu lernen, die Älteren seien reifer. So profitierten die Schüler sogar voneinander, sagt Frauke Jahn, Lehrerin am Max-Planck-Gymnasium (MPG) für Deutsch, Geschichte und Religion. Und damit die Abiturienten aus dem Doppel-Jahrgang einen guten Übergang finden, hätten die Göttinger Gymnasien zurzeit auch die Berufs- und Studienberatung verstärkt, erklärt Bergau-Braune.

Inzwischen sei der komprimierte Stoff für das G8 zu einem Drittel auf untere Jahrgänge ab Klasse 6 verteilt worden, ergänzt Wolfgang Schimpf, Leiter des MPG. Zwei Drittel müssten in den beiden Oberstufenjahren erarbeitet werden. Allerdings müssten die Schüler in zwölf Jahren nicht tatsächlich Stoff für 13 Jahren pauken. Im G9 hätten viele Schüler in der 11. Klasse einen Auslandsaufenthalt eingeschoben „oder man hing so durch“. Das falle jetzt ebenso weg wie die Zeit für etliche Schülerjobs.