Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Endstation Buslinie Am Nobelpreisträger-Rondell vorbei in die Stadt
Thema Specials Endstation Buslinie Am Nobelpreisträger-Rondell vorbei in die Stadt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:43 03.11.2011
Von Ilse Stein
Zwischen Grone-Süd und der Bahntrasse: Gemütlicher Weg für Fußgänger und Radfahrer. Quelle: Stein
Anzeige

Ein wenig gemogelt haben wir schon und sind – von der Abfahrt am Kornmarkt in Göttingens Innenstadt aus sind es knapp 15 Minuten – schon in der Sollingstraße ausgestiegen und nicht an der eigentlichen Endstation am Siekweg. Laut Stadtplan gibt es hier einen direkten Zugang zu dem namenlosen Weg unterhalb des Walls, der Grone-Süd vor dem Lärm der Eisenbahnstrecke schützt. Genau gegenüber der Haltestelle Sollingstraße geht es in den Weperring hinein und nach wenigen Metern finden wir den breiten Weg, der zwischen den Häusern und dem Wall nach links Richtung Innenstadt führt.

Links von uns sehen wir die Erich-Kästner-Grundschule, auch Lottchen 1 und Lottchen 2 genannt. Dazu wunderbar gepflegte Spiel- und Sportplätze. Als ich vor vielen Jahren als junge Studentin einmal kurz hier gewohnt habe, war von alledem noch nichts zu ahnen.Unversehens sind wir schon am Lütjen Feldsweg angekommen und gehen gut 300 Metern nach links, um dann in den Bereich des alten Göttinger Stadtfriedhofes einzubiegen. Nicht ohne vorher noch einen Blick auf die Stadtvillen zu werfen, die hier gerade entstehen.

Anzeige

Auf dem Parkgelände des Friedhofes mit seinen 36 Hektar umgibt uns völlige Stille. 40 000 Erd- und Urnengräber sind hier zu finden. Aufgrund wachsender Einwohnerzahl wurde 1879 unter dem Göttinger Bürgermeister Georg Merkel der Beschluss gefasst, an der Stadtgrenze zum damaligen Ort Grone einen neuen Friedhof anzulegen. Als Vorbild diente dem Stadtbaurat Heinrich Gerber der Stuttgarter Friedhof. Der erste Abschnitt, der eine Fläche von 7,5 Hektar umfasste, wurde am 15. Dezember 1881 eingeweiht. Bis dahin gab es lediglich den Albani-Friedhof als Begräbnisstätte der Stadt.

Zur Jahrhundertwende erfolgte der Bau einer Friedhofskapelle sowie eine erste Erweiterung des Areals, der bis 1963 fünf weitere folgen sollten. 1975 wurde die Begräbnisstätte Göttingens vom Stadtfriedhof auf den neu angelegten Friedhof am Junkerberg verlegt.

Wir nehmen den Weg nach rechts, lesen bekannte wie unbekannte Göttinger Namen auf den unterschiedlich gestalteten Grabsteinen und stehen nach gut 500 Metern am sogenannten Nobel-Rondell. Das 2006 zum 125-jährigen Bestehen des Friedhofs errichtete Denkmal soll an die acht Göttinger Nobelpreisträger erinnern, die hier begraben sind: Otto Wallach (Nobelpreis für Chemie 1910), Max Planck (Nobelpreis für Physik 1918), Walther Nernst (Nobelpreis für Chemie 1920), Richard Zsigmondy (Nobelpreis für Chemie 1925), Adolf Windaus (Nobelpreis für Chemie 1928), Max von Laue (Nobelpreis für Physik 1914), Otto Hahn (Nobelpreis für Chemie 1944) und Max Born (Nobelpreis für Physik 1954).

Direkt neben dem Rondell liegt ein idyllischer Teich mit Seerosen und Schilf bewachsen – eine kleine Bank lädt zum Verweilen ein. Wir gehen rechts am Teich vorbei, bleiben also immer an der Außenmauer des Friedhofes bis der Weg nach links abbiegt und wir den Ausgang zum Parkplatz an der Jheringstraße erreichen. Die Straße überqueren, ein paar Meter nach rechts und vor der Eisenbahnbrücke führt links ein Weg uns überraschend zu einem etwas verwahrlosten Ort, den man früher wohl Landfahrerplatz genannt hätte: mit alten Bau- und Wohnwagen in allen Stadien des Verfalls.

An der Leine angekommen, wenden wir uns nach links und laufen jetzt unterhalb einer kleinen Grünfläche, die sich – laut hölzernem Namensschild – stolz Leinepark nennt. An der Otto-Frey-Brücke geht es nach rechts Richtung Innenstadt. Wir könnten noch ein wenig weiter im Grünen wandern, entlang der Leine zur Lokhalle beispielsweise. Doch wir gehen – und das ist der Teil unseres heutigen Ausflugs – der nicht so idyllisch ist – bis zur Groner Straße. Wenige Meter und wir sind nach gut 75 Minuten in der City am Kornmarkt angelangt. Fazit: eine Strecke ohne Gefälle, weitgehend im Grünen und gut mit dem Kinderwagen zu absolvieren.

In der nächsten Folge: Endstation Buslinie 6, Klausberg.

Teil 7 - Endstation Buslinie 3 (2 MB)