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Endstation Buslinie Bismarckturm, Wildgehege und viel Architektur
Thema Specials Endstation Buslinie Bismarckturm, Wildgehege und viel Architektur
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16:44 02.11.2011
Von Ilse Stein
Nicht bei Regen und bei Temperaturen unter 15 Grad geöffnet: der Biergarten am Kehr.
Nicht bei Regen und bei Temperaturen unter 15 Grad geöffnet: der Biergarten am Kehr. Quelle: IC
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Göttingen

Wir sind in die Linie 1 hinter dem Alten Rathaus eingestiegen und sind in knapp 30 Minuten an der Endstation. Auch die Linie 7 endet hier. Das ist gut für die Vielfalt unserer Vorschläge, denn von hier aus gibt es zahlreiche Möglichkeiten, interessante Spaziergänge zu unternehmen.

• Erst einmal wollen wir uns dem Göttinger Wald zuwenden, der direkt oberhalb der Grete-Henry-Straße beginnt. Hier gibt es auf 1600 Hektar Waldfläche rund 76 Kilometer Wanderwege, wie wir vorab recherchiert haben. Aber zunächst mal Verwirrung: Wie eigentlich immer in Göttingen – nirgends ein Hinweis-Schild. Also einfach aussteigen und in Fahrtrichtung des Busses der Linie 1 die Straße entlang – direkt auf ein auffallend blaues Haus zu.

Der Weg dahinter führt uns auf einen Spazierweg, der rechts hinaufführt und auf der geteerten Straße Vor dem Walde mündet. Von hier aus sind wir in fünf Minuten (es geht stark bergauf) am sogenannten Kehr, dem mittlerweile schon jahrelang geschlossenen Ausflugslokal Hainholzhof. Einkehrmöglichkeiten gibt es dennoch. Zunächst nämlich passieren wir das Jägerhaus mit seinem Hirschen vor der Tür und einem einladenden Biergarten. Aber leider ist heute Montag. Geschlossen. Also hinauf zum Kehr, wo bekanntlich ein am Wochenende stark besuchter Biergarten lockt. Aber nicht am Montag. Da ist auch hier geschlossen. Außerdem bei „Regen und Temperaturen unter 15 Grad“ – und sowieso ist erst ab 15 Uhr geöffnet. Pech also. Jetzt bietet sich ein kleiner Spaziergang (gut 30 Minuten) rund um das Wildgehege an – immer am Zaun entlang. Mit Kindern sehr beliebt, weil man hin und wieder einen freien Blick auf das Damwild dort hat.

Zurück am Ausgangspunkt kann man sich auf einer großen Tafel über die Umgebung informieren. Klar, dass wir uns Richtung Bismarckturm wenden, der gut 650 Meter weit entfernt im Mischwald steht. Einfach vorbei an den Gebäuden der Sternwarte – zumindest hier findet man eine Ausschilderung. Wer bitte war jener Hermann Eckels, dem hier eine große steinerne Bank gewidmet ist? Forstamtsleiter Martin Levin, den ich am Tag d’rauf kontaktiere, weiß es: Eckels war Chef des damaligen Turmbauvereins. Exakter informiert ein Schild am „gründerzeitlichen Bruchstein-Turm“. Der Bismarck-Turm wurde zum Gedenken des Fürsten Otto von Bismarck gebaut – der zeitweise an der Göttinger Universität studiert hat.

Wie gesagt: Montag. Der Turm ist aber nur sonnabends, sonntags und feiertags geöffnet – und auch dies nur in den Monaten April bis September, und dann von 11.30 bis 18 Uhr. Der Aufstieg allerdings lohnt sich, wie ich aus Erfahrung weiß, denn der Blick über das Leinetal ist einmalig.

So bleibt uns nur die Überlegung: Einfach geradeaus weitergehen (natürlich ohne Beschilderung). Dann würden wir in einer guten halben Stunde oberhalb der Schillerwiese wieder in den Bereich des städtischen Busnetzes geraten. Oder zurück auf Los.

Eine gute Stunde ist vorbei, als wir wieder in der Grete-Henry-Straße stehen. Hier verlockt ein Schild: Italiener „Il Castello“. Wir können von hier oben schon die Tische und Bänke auf dem kleinen Platz davor sehen. Und montags kein Ruhetag! Der ist hier mittwochs. Dafür öffnet man schon um 17 Uhr und wir können uns einen kleinen Sundowner genehmigen, bevor wir wieder in den Bus einsteigen. Der fährt bequemerweise direkt vor der Haustür ab: Linie 7 direkt bis zum Alten Rathaus. Dafür noch quer durch die Zietenterassen und das untere Ostviertel. Mit zahlreichen schönen Blicken auf Göttinger Wohnquartiere.

• Drei Tage später fahren wir mit der Linie 7 (Abfahrt am Kornmarkt) innerhalb von knapp 20 Minuten hinauf zu den Zietenterrassen. Dieses Mal soll es von der Grete-Henry-Straße hinauf zum Kehr – und dann nach Herberhausen gehen. Heute hat der Biergarten geöffnet – und eine kurze Pause ist bei herrlichem Wetter angesagt. Wir wenden uns nach rechts und laufen etwa 15 Minuten um das Wildgehege, wo sich drei riesige Wildschweine genüsslich suhlen. Brav beherzigen wir das Hinweisschild „Wir wollen nicht genudelt werden“ – wobei ich mich erinnere, dass wir vor vielen Jahren an dieser Stelle mehrere Kilogramm an gekochten Spaghetti an die Tiere verfüttert haben, ahnungslos ob der Folgen für die tierische Ernährung – aber zur größten Freude unserer kleinen Kinder. An der tiefsten Stelle des Weges angekommen, sehen wir links oben auf der Wiese eine Herde Damwild, darunter ein weißes Reh, – davor am Zaun begeisterte Familien. Für uns aber geht der Weg nach rechts hinunter weiter.

Auch wenn, wie stets, kein Hinweisschild zu erblicken ist. Am Teichgraben entlang durch den Kromborn und nach bereits weiteren 20 Minuten sind wir am Ziel. In der Straße Im Beeke und damit beim Landgasthof Lockemann. Aber Vorsicht: An Wochenenden, auch mittags, sollte man hier unbedingt reservieren. Nicht jeder hat das Glück wie wir, den letzten, aber auch wirklich letzten freien Tisch zu ergattern. Mit der Linie 10, die je nach Tageszeit hier oder in Roringen Endstation hat, geht es zurück zum Kornmarkt.

• Beim dritten Anlauf, wir fühlen uns an der Endstation der Linien 1 und 7 schon fast zu Hause, geht es um 15 Uhr los, zu einem kleinen Spaziergang hinunter zur Stadt – quer über das Wohngebiet Zietenterrassen. 1993 wurde mit der Umwandlung der ehemaligen Kaserne begonnen. Dreieinhalb Kilometer von der Göttinger City entfernt, 150 Meter höher gelegen, entstehen seitdem bis zum heutigen Tage neue Wohnungen.

Und dies auf einer Fläche, die so groß ist wie die gesamte Innenstadt innerhalb des Walls. 1766 Bewohner leben hier (Stand 2010) zurzeit – in 693 Haushalten. Die nach Frauen benannten Straßen verleiten zum lauten Vorlesen. Schade nur, dass das Schild für Annette von Droste-Hülshoff wohl zu kurz war – der Vorname entfiel. Die architektonische Vielfalt auf dem alten Militärgelände fasziniert: Zu Lofts umgebaute Kasernen, schmucke Einfamilienhäuser, Reihenhäuser – oder die rot leuchtenden Gebäude der Städtischen Wohnungsbau am untersten Geländerand. Dazwischen zu bewundern: die Funsporthalle, die Sportanlagen des SC Hainberg, die interessante Bauweise der Freien Evangelischen Kirche – nahe Aldi und Tegut. Zwei italienische Lokale findet man hier oben, dazu die Sport-Vereinsgaststätte. „Auf den Zieten“ ist ein junger Stadtteil entstanden, den zu erkunden es sich lohnt. Und natürlich fährt am unteren Ende, Ecke Von-Ossietzky-Straße, wieder ein Bus (Linie 1) in Richtung Innenstadt.

Falls Sie weitere Vorschläge für Spaziergänge rund um die Endstation Linie 1 und 7 haben, schreiben Sie eine E-Mail an redaktion@goettinger-tageblatt.de

In der nächsten Folge lesen Sie: Endstation Linie 1 und 12 am Holtenser Berg.

Teil 1 - Endstation Buslinie 1 und 7 (3 MB)