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Endstation Buslinie Frosch-Quaken, Kite-Boarden und Sollingblick
Thema Specials Endstation Buslinie Frosch-Quaken, Kite-Boarden und Sollingblick
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14:42 03.11.2011
Von Ilse Stein
Platz oberhalb von Esebeck: Bänke zum Ausruhen und gleich daneben das „Fernrohr“, mit weiten Ausblicken über das Leinetal bis hin zum Solling.
Platz oberhalb von Esebeck: Bänke zum Ausruhen und gleich daneben das „Fernrohr“, mit weiten Ausblicken über das Leinetal bis hin zum Solling. Quelle: Stein
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Einfach die Straße hinunter. Und dabei die Häuser und Vorgärten dieses südlichen Geismar bewundern – ihre architektonische Vielfalt und die der Vorgärten. Vom puren Kieselbeet, über wucherndes Dauergrün bis farbigen Blütenpracht in blauen Kübeln. Grün also überall hier in Geismar, das Am Kalten Born – also an der echten Endhaltestelle – bereits vor gut 3500 Jahren eine Ansiedlung nachgewiesen hat: die sprudelnden Quellen, von denen sich der Name Geismar herleitet (geysa bedeutete Quelle, mari soviel wie See oder Teich).

Links hinter der Häuserreihe – manchmal kann man es sehen – liegt die weite Feldflur, über die der Blick bis zum Diemardener Berg reicht. Nach einigen Minuten tritt linkerhand ein kleiner Bach ans Licht, der mich bis hinunter zur B 27 begleiten wird. Genau genommen macht der Bach, der Landwehrgraben heißt, kurz zuvor eine kleine Kurve nach links – die ich auf einem Trampelpfad hätte begleiten können – um dann die Bundesstraße zu unterqueren, während ich sie (vorsichtig) überquere.

Jetzt bin ich auf auf dem weiten Feld, rechts von mir die bekannte Göttinger Drachenwiese. Dort tummelt sich bei beachtlichem Wind ein junger Mann. Was er treibt – das recherchiere ich hinterher – nennt sich Kite-Surfen oder auch Kite-Boarden und ist ein junger Trendsport. Der Sportler befindet sich dabei auf einem „Board“ (eigentlich auf dem Wasser) und wird durch einen lenkbaren „Kite“, auch Windschirm oder kurz Schirm genannt, gezogen. Das geht aber auch zu Lande, nämlich beispielsweise mit einem Mountainboard ( das ist ein Skateboard mit luftgefüllten größeren Rädern). So etwas ähnliches sehe ich vor mir – und drehe gleich mal ein kleines Video.

Weiter geht es auf das Flüthewehr zu. Hier begegnet man bevorzugt Hundehaltern, die alle einander zu kennen scheinen und ihre Vierbeiner miteinander spielen lassen. Schon von weitem sehe ich ein verschlungenes Paar, das still ins Wasser schaut. Als ich näher komme, höre ich lautes Quaken von Fröschen. Ich erkenne, als ich mich dem Wasser nähere, dass hier nicht einem Fließgewässer sondern eher einem leicht veralgten Teich ähnelt. Die Videokamera heraus und das muntere Treiben im Wasser filmen, das ist geradezu Reporterpflicht.

Am Flüthewehr die Treppe nach rechts hinunter – und da teilt sich der Weg. Wer gerne noch einen Teil des Kiessees umrunden möchte, sollte sich links halten. Entlang der Flüthe kommt man in wenigen Minuten an Göttingens größten See. Ich halte mich rechts, entlang der Leine und an den Kleingärten vorbei bis ich direkt auf einen kleinen Spielplatz mit großen Holzgeräten stoße. Kein einziges Kind. Wenige Meter weiter vorne hingegen scheint Familientag beim Göttinger Stadtsportbund zu sein – Dutzende von Kindern samt Eltern tummeln sich hier vor dem Gebäude, an dem ich rechts vorbeilaufe. Noch etwa 150 Meter und ich stehe vor dem Sandweg. Und muss mich wieder entscheiden. Nach links, etwa 100 Meter entfernt, könnte ich in einen Bus steigen, der mich in die Stadt bringt (und der jede Stunde fährt).

Oder eine Pause auf der wunderschönen Terrasse des Jahnstadion-Restaurants machen, wo man sich entspannen und den Sportlern beim Training zuschauen kann. Wahlweise kann man auch den Sandweg überqueren, und über den Fußweg auf der anderen Seite, am Wohnmobil-Hafen der Stadt vorbei (voll besetzt heute) nach rechts schwenkend, um das Spaßbad Eiswiese zu erreichen. Hier lockt wieder eine Terrasse, die des griechischen Lokals am Badeparadies. Oder gegenüber die Bushaltestelle, die uns wieder zurückbringt an den Ausgangspunkt – den Kornmarkt in der Innenstadt.

Von hier aus geht es wenige Tage später in die andere Richtung der Buslinie 13: zur Endstation Esebeck. Fairerweise sei erwähnt, dass es noch eine weitere Endstation gibt: den Kaufpark, der auch mit der Linie 4 zu erreichen wäre. Durch die dortigen Geschäfte kann man sicher auch wandern. Wir aber haben uns für die freie Natur entschieden. Gut 30 Minuten dauert die Fahrt von der City aus. Mit interessanten und ungewohnten Blicken auf die eigene Stadt. Nach kurzem Stopp am Bahnhof geht es durch das Göttinger Industriegebiet, durch Elliehausen und das dortige Neubaugebiet mit seiner Vielfalt an Reihenhäusern und kleinen Villen. Die letzten zwei Kilometer dann durch grüne Landschaften mit Blick über das Leinetal hinein nach Esebeck, den nordwestlichsten Stadtteil von Göttingen.

Seit 1973 bildet die gut 650-Einwohner-Gemeinde Esebeck mit Elliehausen eine Ortschaft. Esebeck wurde erstmals im Jahr 1036 erwähnt. Das Dorf unterlag dem herzoglichen Gericht Harste des Fürstentums Göttingen-Grubenhagen und gehörte kirchlich zu Nörten. Erste ausführlichere Nachrichten finden sich im Schatzregister von Harste 1418: Der Ort hatte damals 17 Hofstellen, davon acht Vollhöfe (Meierhöfe). „Eigentümer“ waren einflussreiche Göttinger Kaufmannsfamilien, die von Grone, von Adelebsen, von Hardenberg sowie das Kloster Lippoldsberg. 2006 gab es noch acht Höfe, davon zwei Nebenerwerbsbetriebe. Dies alles habe ich vor der Wanderung recherchiert. Aber auch ohne diese Vorarbeit erfahren wir viel über das Leben im dörflichen Esebeck. Ein rühriger Heimatverein hat hier zahlreiche erklärende Schilder aufgestellt. Das erste finden wir gleich beim Ausstieg aus dem Bus am Dorfanger. Wir folgen dem Schild in Richtung Sportplatz, gehen dann aber die Straße Zum Kuhberg geradeaus – hinauf zu einem Hügelrücken.

Der kurze steile Weg – etwa 20 Minuten – lohnt die Mühe. Gleich links stehen Tisch und Bänke – geeignet für ein kleines Picknick, denn eine Dorfkneipe gibt es hier schon seit langem nicht mehr. Daneben steht ein „Fernrohr“ – genauer gesagt handelt es sich lediglich um ein festmontiertes Stahlrohr. Auf der Scheibe darunter sind Hinweise, was alles von hier aus, vom sogenannen Sollingblick aus, zu sehen ist. Etwa der Kaufunger Wald, der Hohe Hagen in zwölf Kilometern Entfernung, der Göttinger Wald – und in zehn Kilometern Entfernung auch Geismar, also der Start dieser Bus-Wander-Tour. Auf dem schmalen Bergrücken, rechts von uns der Kuhberg, gehen wir wieder bergab, blicken hinunter auf Emmenhausen. Am Sportplatz vorbei führt uns der kleine Rundweg nach Esebeck und zum ehemaligen Feldhüterhaus, dessen Geschichte ebenso ausführlich auf dem Schild zu lesen ist, wie nebenan die der alten Kunst des Flachsrottens oder einige Schritte weiter die von Schule und Thie.

Nach gut einer Stunde sind wir auf der Hauptverkehrsstraße angekommen und steigen an der Haltestelle Kleehöfen (eine Station vor der Endstation) wieder in den Bus ein. Wer Kinder dabei hat, ein Picknick einplant, sich mehr Zeit für weite Blicke in die herrliche Landschaft rund um Esebeck lässt und vielleicht auch noch einen Blick auf die kleine Kirche wirft, der sollte mit zwei bis drei Stunden für diesen kleinen Ausflug rechnen.

Teil 5 - Endstation Buslinie 13 (3 MB)