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Endstation Buslinie Gedenkstein zur Kartoffelernte und viele Bänke
Thema Specials Endstation Buslinie Gedenkstein zur Kartoffelernte und viele Bänke
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15:36 02.11.2011
Von Ilse Stein
Ein Gedenkstein für eine gute Kartoffelernte: Hoch über Herberhausen zu erwandern – und dazu gibt es einen wunderbar weiten Blick übers Leinetal. Quelle: Hinzmann
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Von der Innenstadt bis zur Endstation Herberhausen, also gut acht Kilometer, dauert es gerade einmal 25 Minuten mit der Linie 10 – die als zweiten Endpunkt zu unterschiedlichen Zeiten auch den Stadtteil Roringen anfährt. Heute aber geht es nach Herberhausen. Von hier aus könnte man zahlreiche Wanderungen in den Göttinger Stadtwald – zum Beispiel bis hinauf zur Mackenröder Spitze unternehmen. Wir aber wenden uns diesmal der anderen Talseite zu. Das heißt zunächst: Aussteigen und einige Schritte dem hier wendenden Bus hinterher. Nach wenigen Metern geht es links in die Henry-Dunant-Straße hinein – und dabei sanft den Berg hinauf. Wir laufen hier oberhalb der Ortsbebauung und sehen eine erfrischende Vielfalt von modernen Villen und Reihenhäusern. Herberhausen ist heute eine beliebte Adresse für Göttinger und zählt inzwischen etwa 1700 Einwohner. Der Stadtteil im Luttertal wurde 1963 eingemeindet – interessanterweise auf eigenen Wunsch.

Der erste Feldweg nach rechts hinauf (natürlich, wie stets in Göttingen ohne Beschilderung) führt zum Kartoffelstein. Das weiß aber nur meine mehr als 20 Jahre alte kleine Wanderkarte. Immer schön bergan, einen breiten Schotterweg entlang, den wir bis zum Ende der Rundstrecke auch nicht mehr verlassen werden. Ein altes Holzschild am Baum rechts verrät: eine Wildkirsche. Nach etwa 20 Minuten – wir schlendern eher, als dass wir marschieren, den Mühlenberg hinauf – stehen wir unterhalb des Kartoffelsteins. Es handelt sich dabei tatsächlich um einen Stein, der sogar als eingetragenes Naturdenkmal gilt. Ein Trampelpfad – ein Spazierstock ist hier bei leicht feuchtem Wetter empfehlenswert – geht es die paar Meter hinauf. Eine auf dem Boden liegende Steintafel berichtet: „Als 1852 nach mehrjähriger Missernte die Kartoffeln eine wunderbar reiche Ernte brachten, errichtete die dankbare Kirchengemeinde Herberhausen diesen Kartoffelstein. Durch Blitz beschädigt wurde er 1937 ausgebessert und 1966 völlig erneuert. Eben-Ezer: Bis hierher hat der Herr geholfen.“

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Was nicht darauf steht: 1852 wurde der erste der Gedenksteine vom Roringer Pfarrer Boeker errichtet – und zwar nach der Notzeit der Jahre 1845 bis 1850. Zwei Holzbänke verlocken zum Sitzen und zu hinreißend weiten Blicken hinunter ins Leinetal oder – über Herberhausen hinweg – zum Göttinger Stadtwald auf der anderen Seite des Tals.

Ach ja, die Sitzbänke. Selten habe ich einen Wanderweg mit so vielen einladenden Möglichkeiten gefunden – bis zum Ende unserer gut eineinhalbstündigen Strecke werde ich 13 davon gezählt haben. Eine davon mit Picknick-Holztisch davor, eine sogar als überdachter Unterstand. Es gibt zwar keine Hinweisschilder, wie bereits erwähnt, doch nach etwa 300 Metern hätten wir die Möglichkeit, auf einen breiten Weg links abzubiegen, der uns dann auf der anderen Seite des Drakenberges direkt nach Roringen führen würde. Wir bleiben auf dem breiten Wanderweg und somit auf der südlichen Seite des Drakenberges – immer schön leicht bergauf – und genießen die Blicke nach rechts auf das Grün des Göttinger Stadtwaldes, das heißt auf den Grotheiber, den Kempfelberg und den Windelberg.

Überraschend biegt der Weg 90 Grad nach rechts – und von nun an geht es bergab. Hinunter in den sogenannten Kleinen Grund – entlang einer Birkenallee. Kurz lassen wir uns verführen, eine vermeintliche Abkürzung über eine kleine Obstbaumallee zu nehmen, lesen Schilder wie „Dieser Baum wird gepflegt und geerntet von Nils Grothey“ und stellen fest: Die Strecke endet auf einem Feld.

Also zurück und die Empfehlung an den Leser: Immer schön auf dem breiten Weg bleiben. Bis wieder eine Baumallee abzweigt. Diesmal vertrauen wir dem Holzschild mit den uns unbekannten Zeichen und folgen dem Weg nach rechts , verlassen die Schotterstrecke und laufen über einen erdigen Pfad hinunter nach Herberhausen. Links von uns liegt Omborn – eine ehemalige Siedlung im früher sogenannten „Wasserland vor Kempelberg“. Dieses Dorf wurde 1380 an Göttingen verkauft und zu Beginn des 15 Jahrhunderts aufgegeben – als Folge der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Herzog Otto und der Stadt Göttingen.

Wir betrachten die Schafe im Gatter links von uns – die blicken stur zurück – und sind schon wieder in bebautem Gebiet, gleich darauf an der Stelle, an der wir nach links in die Ombornstraße gehen könnte. Wir aber laufen nach rechts in die Straße Am Herberhäuser Weinberge und somit an der plätschernden Lutter entlang. Schon stehen wir wieder an der Endstation Linie 10, die uns zurück in die Innenstadt bringt.

Wer zuvor eine Erfrischung oder Stärkung benötigt – gleich links befindet sich das Traditions-Gasthaus Lockemann (aber Vorsicht: montags ist geschlossen und Reservierungen sind eigentlich für jeden Wochentag nötig).

In der nächsten Folge: die Endstationen der Buslinie 13

Teil 4 - Endstation Buslinie 10 (446 kB)