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Endstation Buslinie Von einer Streuobstwiese, Borheckstraße und Kiessee
Thema Specials Endstation Buslinie Von einer Streuobstwiese, Borheckstraße und Kiessee
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17:06 02.11.2011
Von Ilse Stein
Rast: Abkühlung am Kiessee. Quelle: Stein
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Nachmittags an einem schönen warmen Feiertag: Am Kornmarkt in den Bus – und 15 Minuten später mitten im Göttinger Stadtwald, am Eingang zum Wohnpark Rohns. Gegenüber ein Parkplatz, den wir mal testweise überqueren und an dessen Ende unerwartet ein großes Schild auf unterschiedliche Rundwanderwege hinweist. Entscheidung: Wir wählen den runden blauen Punkt in weißem Kreis. Links den Herberhäuser Stieg hinauf, vorbei am Jugendgästehaus der Stadt, das rechts von uns steht, heute aber irreführend mit einem Holzschild „Zum glücklichen Gockel“ beschriftet und wohl für eine private Feier gemietetist. Das kann man nämlich. Auf der Kuppe angekommen, weist uns die Beschilderung am Baum nach rechts, zur Wartbergstraße, das Wildgehege am Kehr ist danach angeblich gerade mal 1,2 Kilometer entfernt.

Das werden wir heute nicht sehen, dafür sind wir begeistert vom Angebot der Streuobstwiese Sengersfeld rechts von uns. Was hier alles angepflanzt worden ist: vom „Geheimrat Breuhahn“ über die „Nordhäuser Winterforelle“, den „Zitronenapfel“ bis zu „Krügers Dickstiel“. Das könnte man in Jauchs Sendung „Wer wird Millionär“ wundervoll zu Fragen verarbeiten. Wir jedenfalls beschließen, im Herbst wiederzukommen und vielleicht einmal den einen oder anderen Apfel (Birne) zu testen. Ein Verbotsschild haben wir nirgends entdeckt.

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Auf unserem breiten Waldweg haben wir einen weiten Blick nach rechts über das Leinetal, Bänke laden zum Verweilen ein. Erst an einer Gabelung, mit dem Erinnerungsstein an den Verkehrsvereinsvorsitzenden Gornickel – wie das Schild besagt – kommen wir wieder ins Grübeln, wo es wohl langgehen mag, und entscheiden: rechts.

Kurz darauf das schlichte Schild „Stern“, was wohl darauf hinweisen soll, dass sich hier mehrere Wege sternförmig treffen. Der alte Findling mit den eingravierten Hinweisen ist eindeutig: Rechts den Berg hinunter geht es nach Göttingen. Wo wir – der breiten und in weiten Kurven angelegten Borheckstraße folgend – nach etwas mehr als einer Stunde wieder auf die Herzberger Landstraße treffen – genau dort, wo diese beginnt, sich am Waldrand entlang zu winden. Unterwegs haben wir noch die sogenannte Ahlbornbuche im Molkengrund bewundert, die an den Gartenbaumeister Ahlborn erinnert und etwa 180 Jahre alt ist. Ein wunderschöner Waldwanderweg, der aber noch zu verlängern wäre, falls man zum Bismarckturm weitergeht, oder zum Kehr, und von dort aus hinunter läuft Richtung Stadt.

Wir beschließen, entlang der Schillerwiese weiterzulaufen und bestaunen den Trubel dort – spielende Kinder, grillende Väter, Ball spielende Teenies und jede Menge Hunde. Im Hainholzweg wird es deutlich ruhiger – hier lädt der idyllische Biergarten der Hainholzschänke zur verdienten Pause (aber Achtung: erst ab 17 Uhr ist geöffnet und sonnabends geschlossen).

Den Gegensatz zu diesem Waldstück bietet die andere Endhaltestelle der Linie 9, das Wohngebiet Leineberg. Aber interessante Wege gibt es auch hier. Erst einmal fahren wir über den Rosdorfer Kreisel hinauf auf den Leineberg, an dem großen Gelände der Asklepios-Klinik (früher: Landeskrankenhaus genannt) vorbei. Hier oben entstand ab 1961 ein komplett neuer Stadtteil für das rasch wachsende Göttingen der Nachkriegszeit. Heute leben hier fast 2000 Menschen. 723 Wohnungen (mehr als die Hälfte ist in den vergangenen drei Jahren bereits grundsaniert worden) vermietet alleine die Städtische Wohnungsbau – in Straßen, die fast alle Flussnamen tragen: Fuldaweg, Weserstraße, Ilmeweg oder Söseweg. Genau hier, am Söseweg, ist Endstation hinter einem kleinen Kreisel.

Wir steigen aus und blicken auf eine lange Reihe von Garagen, daneben links ein kleiner Fußweg, nicht ausgeschildert. Hinter den Garagen rechts entlang ist man nach wenigen Metern bereits aus dem bebauten Gebiet heraus und hat einen wundervollen weiten Blick ins Leinetal hinein. Der Weg führt uns gut 20 Minuten an Bäumen und Hecken vorbei, hinter denen wir links die Jugendstrafanstalt eher vermuten als sehen. Rechts hinunter blickt man auf die alten Tonkuhlen der früheren Ziegelei – mit dem deutlichen Hinweisschild, dass hier sowohl Baden als auch Angeln – eigentlich alles – verboten ist. Von unten ertönt das Gequake von Fröschen – oder waren es die Gelbbauchunken? Deren Überleben jedenfalls hat die Stadtoberen und unter den Parteien vor allem die Grünen in den 80-er Jahren mächtig beschäftigt. Heute erinnert sich kaum noch jemand an die damals hocherregte Tierschutz-Diskussion.

Wir schlendern den grünen Weg weiter, schon nach 20 Minuten geht es bergab – und vor uns liegt der Rosdorfer Weg, kurz vor der alten Ziegelei. Über die Straße, etwa 100 Meter nach links und dann den ersten kleinen freien Weg rechts in den Wald hinein geschlüpft. Immer geradeaus – und man steht überrascht direkt vor dem Kiessee, wo eine kleine Bank zum Sitzen einlädt. Hier kann man sich entscheiden: einmal rund um den Kiessee und dann am Jahnstadion wieder in den Bus (Linie 14) – oder nach links und erst einmal ein Getränk im Biergarten am Bootssteg genießen. Danach bietet sich ein Spaziergang entlang der Leine Richtung Innenstadt an – wo wir nach weiteren gut 30 Minuten wieder am Startpunkt Altes Rathaus ankommen.

Fazit: Linie 9 bietet reizvolle Blicke auf die Stadt – vom Wald bis zum See, vom Ostviertel bis zum Leineberg.

In der nächsten Folge: Endstation Buslinie 10, Herberhausen.

Teil 3 - Endstation Buslinie 9 - Leineberg (3 MB)
Teil 3 - Endstation Buslinie 9 - Rohns (731 kB)