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Endstation Buslinie Weite Blicke und einen auf die Roringer Warte
Thema Specials Endstation Buslinie Weite Blicke und einen auf die Roringer Warte
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14:47 03.11.2011
Von Ilse Stein
Am nord-östlichen Rand des Göttinger Stadtgebietes: die Wanderstrecke rund um den Roringer Wald. Quelle: Stein
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Roringen teilt sich seine Buslinie 10 mit Herberhausen – weshalb wir auf Hin- und Rückfahrt auch jedesmal einen Abstecher über Herberhausen machen. Der Bus dreht dort jeweils eine Runde um einen Gedenkstein an die (freiwillige) Eingemeindung Herberhausens nach Göttingen (1. April 1963). Doch das interessiert heute bei der Ankunft an der Endstation Menzelberg eher weniger. Von der Innenstadt aus hat uns die Fahrt in einer knappen halben Stunde über die B 27 rund sieben Kilometer lang hierher geführt. Wir treffen uns hier mit einer Bewohnerin des 650 Einwohner zählenden nordöstlichsten Göttinger Stadtteils.

Im Namen Roringen steckt das mittelniederdeutsche Wort „ror“, das Röhricht bedeutet – also ein Ort am Schilfrohr. So zumindest Gerhard Eckhardt in seinem Büchlein „Göttingen außerhalb des Walles“. Gleich vorweg: Schilfrohr sahen wir nirgends.

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Wir laufen nun einige Schritte den Berg hinunter nach rechts und hinein in den Venusring. Von hier aus schaut man geradeaus auf das alles überragende Hochhaus von Nikolausberg. Ansonsten bietet die Strecke ab hier weite Ausblicke über Felder und Wälder – die kommenden eineinhalb Stunden lang. Von Bebauung keine Spur. Erst einmal biegen wir nach kurzer Zeit rechts ab, den Waldrand entlang – dort wo ein Schild den Reitern den Weg verwehrt.

Wir plaudern und schreiten gemächlich am Waldrand entlang, auf einem Weg, der für Kinderwagen nicht geeignet ist. Dafür gäbe es eine andere Strecke: Stetig geradeaus und mitten im freien Feld dann immer nach rechts halten – rund um Roringen herum. Das tun wir auch, nur im Schatten der Bäume. Einige Bänke kommen ins Blickfeld. Zum Sitzen laden sie allerdings weniger ein: zu verrottet und vermoost.

Wir also laufen um den Roringer Wald herum, erahnen links oben die Nikolausberger Warte, auch Rieswarte genannt, blicken hinunter ins Bratental und auf den gegenüberliegenden Weender Wald, bevor wir wieder scharf nach rechts abbiegen– immer schön am Wald entlang. Kein Mensch weit und breit an diesem Sonnabendnachmittag, obwohl unsere Begleiterin versichert, dies hier sei frühmorgens und am Abend eine beliebte Jogging-Strecke. Laut meinem alten Wander-Plan gehen wir nun durch den „Läusebühl“ und dann rechts hinauf auf einem Weg mit dem schönen Namen Vor dem Holzenbusch.

Ein Blick zurück und wir erkennen hinter uns im Wald die Roringer Warte, auch Berwinkelswarte genannt. Sie gehört neben den noch erhaltenen Warten von Nikolausberg und Diemarden zum Verteidigungsgürtel des mittelalterlichen Göttingens. Sie steht direkt an der Straße nach Herzberg, der heutigen B 27 – ist von dort aus aber nicht zu erkennen, denn die Bäume überwuchern hier alles. Im 10. und 11. Jahrhundert führte die Straße über den „Roringer Pass“ von der Pfalz Grona zur Pfalz von Pöhlde. 1408 erbaut, war die Warte bis 1568 noch von einem Wächter besetzt, später hausten hier Waldhüter. Und als 1836 die Herzberger Landstraße über Roringen ausgebaut wurde, baute man daneben ein Chausseehaus, während sich die Wegewächter im eigentlichen Warte-Turm einen Ziegenstall einrichteten.

Wir sind inzwischen, nach gut eineinhalbstündigem gemächlichen Spaziergang an einer Straße angekommen, die links von uns unvermittelt beginnt: Am Menzelberg, also am Ende des Rundgangs. Einige Meter geradeaus, dann knickt die Straße nach rechts ab. Es geht bergab und schon sehen wir links von uns wieder die Bushaltestelle.

Wer noch eine Einkehrmöglichkeit sucht: Direkt an der B 27 befindet sich die Gaststätte Am Drakenberg (mittwochs Ruhetag, sonst ab 17 Uhr geöffnet, Sonn- und Feiertags von 11 bis 14 Uhr und ab 18 Uhr). Wir hingegen werden von unserer Roringer Begleiterin in einen idyllischen Garten zu Wein und Käse geladen.

In der nächsten Folge: Endstation Buslinie 2 , Charlottenburger Straße und Linie 4, Schöneberger Straße.

Teil 11 - Endstation Buslinie 10 (5 MB)