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Göttinger Zeitreise 100 Jahre Volkshochschule: „Weil wir jung sind“
Thema Specials Göttinger Zeitreise 100 Jahre Volkshochschule: „Weil wir jung sind“
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19:11 25.08.2011
Großes Interesse: Aushang zum Wintersemester 1949/50 – „Die Volkshochschule ruft!“
Großes Interesse: Aushang zum Wintersemester 1949/50 – „Die Volkshochschule ruft!“ Quelle: EF
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Göttingen

Die Entwicklung dorthin begann freilich schon viel früher: Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts organisierte sich die freie Erwachsenenbildung. Erst seit 1906 wurden „volkstümliche Hochschulkurse“ an den Göttinger Universitätsinstituten zu Themen wie Hygiene, Elektrizität und Astronomie angeboten. Daraus ging dann der Verein für Volkshochschulkurse hervor. 35 Uni-Professoren und Privatdozenten beteiligten sich daran. Vor allem die Professoren Arthur Titius (Theologie), Leopold Ambronn (Astronomie), Felix Pompeckj (Paläontologie), Werner Rosenthal (Medizin), Carl Ludwig von Bar (Jura), Friedrich Merkel (Medizin) und Friedrich Cramer (Psychiatrie) engagierten sich im neuen Verein. Und mehr: Im Gründungsbericht heißt es: „29 Korporationen, Berufsverbände, Vereine sind dem Verein beigetreten…“

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde nicht die Vereinsarbeit fortgesetzt, sondern es kam zu einer Wiederbelebung der „volkstümlichen Hochschulkurse“ an der Uni. Wieder war das erste Kursthema Elektrizität. Andere lauteten: „Die Entwicklung des Arbeitsrechts“, „Leben und Tod der Zelle“, „Hauptprobleme des Lebens Jesu“, und – ein Dauerbrenner – „Elektrizität, Teil II“. Als Herman Nohl auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Pädagogik und Volksbildung berufen wurde, richtete er mit seinem Assistenten Erich Weniger eine Jugend-Volkshochschule ein. In dem Programm, der Kurse bewarb wie „Was hat uns Tolstoi zu sagen?“ formulierten sie es so: „Warum brauchen wir eine Volkshochschule? Weil wir jung sind. (…) Wir stehen hinterm Schraubstock, im Getöse der Maschinen, wir sitzen am Schreibpult, hinter unseren Büchern. (…) Aber wir brauchen mehr, wollen mehr!“

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1948 der Verein Volkshochschule Göttingen gegründet. Die VHS profilierte sich mit Schulabschlusslehrgängen, Bildungsmaßnahmen des Arbeitsamtes, beruflicher Bildung, Computer- und Sprachkursen. Heute arbeiten 55 Mitarbeiter und mehr als 400 Dozenten am Bildungsangebot. Etwa 18 000 Teilnehmer besuchen jährlich die etwa 1000 Kurse.

Von Lukas Breitenbach

Festprogramm

Das Jubiläumsprogramm steht unter dem Motto „100 für Göttingen“. Am Freitag, 26. August, ab 19 Uhr, gibt es einen interkulturellen Abend in der Theodor-Heuss-Straße 21. Am Sonnabend folgt ein Tag der offenen Tür im Haus der VHS, Bahnhofsallee 7. Beginn ist um 13.30 Uhr. Die Feierlichkeiten enden am Sonntagvormittag, 11.30 Uhr, mit einem Festakt im Deutschen Theater.

Die Volkshochschule in zahlen

1904: Ein Ausschuss von Professoren und Privatdozenten der Königlichen Universität richtet erste volkstümliche Hochschulkurse in Göttingen ein.

1911: Gründung einer Fachschule für Feinmechanik unter Mitwirkung des Astronomen Leopold Ambronn, der auch bei den volkstümlichen Hochschulkursen mitwirkt.

1911: Gründung des Vereins für Volkshochschulkurse in Göttingen am 18. September 1911. Die Kurse finden im Stadtpark (Albaniplatz), im Auditorium und an Instituten der Universität statt.

1914: Zu Beginn des Krieges wird das Kursangebot eingestellt.

1918: Die Georg-August- Universität unterstützt einen neu gebildeten Ausschuss für volkstümliche Hochschulkurse.

1919: Herman Nohl wird auf den ersten preußischen Lehrstuhl für Pädagogik und Volksbildung berufen.

1919: Der preußische Staat veranlasst die Gründung einer Beratungsstelle für Volksbildung an der Universität. Nohl vertritt in diesem Gremium die Interessen der Hochschule.

1935: Eingliederung der Abendschule in das Volksbildungswerk der Nazis. Letzter Arbeitsplan 1944.

1946: Die Stadt beruft mehrere Ausschüsse, die die Gründung der Volkshochschule (VHS) vorantreiben.

1948: Das Kuratorium gründet den Verein Volkshochschule Göttingen. Die wird am 5. Oktober eröffnet. Im gleichen Jahr: Gründung der Abendschule für Berufstätige, die Schulabschlüsse anbietet.

1950: Die VHS zieht in die Kammerspiele (heute Junges Theater), Hospitalstraße 1, um.

1975: Die VHS zieht erstmals in ein eigenes Gebäude in der Oberen Karspüle 36.

1999: Die VHS zieht in das neu errichtete VHS-Gebäude im Otto-Hahn-Zentrum, Bahnhofsallee 7.

2011: Die VHS feiert ihr 100-jähriges Bestehen.