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Göttinger Zeitreise Die 60er Jahre: Wohnungsnot und Siedlungsbau
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19:05 11.11.2010
Von Katharina Klocke
Neuer Stadtteil Leineberg: Neubauten an der Allerstraße im Jahr 1965.
Neuer Stadtteil Leineberg: Neubauten an der Allerstraße im Jahr 1965. Quelle: Städtisches Museum Göttingen
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Bis in die 50er Jahre hinein waren es vor allem Flüchtlinge, die die Einwohnerzahl in Höhe schnellen ließ. Hinzu kamen in den 60er Jahren Gastarbeiter – und Studenten, denn auch die Universität war in stetigem Wachstum begriffen. Göttingen gehörte zu den am dichtest besiedelten Städten der Bundesrepublik: 4370 Menschen lebten bereits zu Beginn der 50er Jahre auf einem Quadratkilometer Stadtgebiet.

Dementsprechend hoch war die Wohnungsnot. Die Unterversorgung betrug im Jahr 1960 rund 30 Prozent. Die Stadtbewohner mussten buchstäblich über Jahre hinweg eng zusammenrücken. So teilten sich manchmal zwei Familien eine Wohnung, hunderte waren in Notunterkünften und Baracken am Greitweg, der Eiswiese und im Ebertal (unterhalb des Lohberges) einquartiert.

Schon in den 50er Jahren gab es erste größere Bauprojekte unter anderem der ortsansässigen Wohnungsbaugenossenschaft sowie der Volksheimstätte. Die Pfalz-Grona-Breite wurde bebaut, auf dem Hagenberg und am Lohberg entstanden Mietblöcke. Die Stadt wuchs über ihre bisherigen Grenzen hinaus. Sie erhielt neue Ortsteile: 1963/64 wurden Herberhausen, Geismar, Grone, Nikolausberg und Weende eingemeindet.

Im Kampf gegen die Wohnungsnot wollte sich die Stadt Göttingen eigene Instrumente schaffen. 1959 gab es erste Überlegungen für eine städtische GmbH, die als Bauträger fungieren sollte. Das Ziel war, die Barackensiedlungen und Elendswohnungen zu beseitigen. Ende 1960 wurde schließlich die städtische Wohnungsbaugesellschaft gegründet. Kapitalgeber waren neben der Stadt Göttingen mit einer Stammeinlage von 637 500 Mark die Niedersächsische Heimstätte mit 112 500 Mark.

Erstes Projekt war eine Großsiedlung am Leineberg im Jahr 1961. Hier entstanden Einfamilien-Reihenhäuser, sechs- und achtgeschossige Wohnblöcke sowie drei- und viergeschossige Bauten. Es folgten Bauten am Lönsweg. Das erste Ziel, der Bau von 2000 neuen Wohnungen, sei binnen viereinhalb Jahren erreicht worden, heißt es in einer Festschrift, die die Städtische Wohnungbau aus Anlass des 50. Jubiläums in diesem Jahr herausgegeben hat. Größtes Projekt war schließlich das Vorhaben am Holtenser Berg, das 1967 begonnen wurde.

Filme und Fotografien gesucht

Die 60er Jahre sind ein Jahrzehnt des Wandels: Wer hat die Veränderungen und das Leben in der Stadt Göttingen gefilmt oder fotografiert? Wer erinnert sich an Geschehnisse aus dieser Zeit? Ob Schützenfeste, politische Ereignisse, Veränderungen im Stadtbild, Konzerte, sportliche Wettkämpfe, Familienausflüge oder Einblicke in das Arbeitsleben: Jedes Bilddokument trägt dazu bei, das Gesamtbild einer Dekade zu zeichnen. Die Geschichtswerkstatt des Göttinger Tageblattes, Stadtarchivs und Städtischen Museum soll eine Zeitreise ermöglichen – mit einem Film über die 60er Jahre, der am Ende dieser Etappe entstehen soll. Die Fotografien können nach Anmeldung auf der Internetseite www.goettinger-zeitreise.de hochgeladen werden. Auch Einsendungen per E-Mail unter redaktion@goettinger-tageblatt.de oder auf dem Postweg an die Adresse Göttinger Tageblatt, Redaktion, Dransfelder Straße 1, 37079 Göttingen sind möglich. Kontakt unter Telefon 05 51 / 90 17 66.