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Göttinger Zeitreise Freier Fotograf dokumentiert Stadtgeschichte
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15:27 23.03.2012
Von Katharina Klocke
Session: politische Darbietung während des Göttinger Kunstmarktes 1974. Quelle: Otto
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Göttingen

In seinem persönlichen Archiv bewahrt er tausende von Bildern aus der jüngeren Stadtgeschichte auf. So auch den demonstrierenden Schröder, der 1970 im Protest gegen den Vietnamkrieg auf die Straße ging. Otto, der sich sicher sein wollte, dass er einen demonstrierenden Ex-Bundeskanzler vor die Linse bekommen hatte, zeigte das Bild Kennern der politischen Szene. Erst die Bundestagsabgeordnete Brigitte Zypries, langjährige Mitarbeiterin Schröders in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident, bestätigte ihm handschriftlich: „Ja, das ist er!“

"Ja, das ist er"

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Karl-Heinz Otto, als ausgebildeter Elektromonteur von 1959 im Dienst der Feuerwehr Göttingen, stieg über die Dokumentation beruflicher Einsätze bei Bränden und Unfällen sowie sportlicher Ereignisse in die Fotografie ein. Medien griffen bald auf seine Bilder zurück, auch das Göttinger Tageblatt. „Dann ist die Nachfrage explodiert.“ Der Feuerwehrmann weitete mit Genehmigung seines Dienstherren sein Spektrum aus, fotografierte fortan nicht nur größere und kleinere Katastrophen sondern auch Stadtentwicklung, Politik, Wirtschaft und Kultur.

Karlheinz Otto war als freier Fotograf Zeitzeuge vor allem der 70er und 80er Jahre in Göttingen. In seinem persönlichen Archiv bewahrt er tausende von Bildern aus der jüngeren Stadtgeschichte auf.

Allein 1513 Fotografien auf Ottos Homepage im Internet (karlheinz-otto.de) führen in das Göttingen der 70er Jahre zurück – eine Zeit des Wandels im Stadtbild, der kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen. Der Fotograf erinnert sich noch an viele der Geschichten, die dahinter stecken. So etwa an die Erfolge der Basketball-Damenmannschaft von Göttingen 05, „ich habe fünf deutsche Meisterschaften fotografiert“, darunter  den Triumph in Bad Kreuznach gleich zu Beginn des Jahrzehnts. Otto fotografierte den Ausbau der Fußgängerzone, die 1973 gebaute Brücke an der Godehardstraße und 1974 einen Hochhausbrand an der Goßlerstraße, „das war überall Gesprächsthema, sogar im Fernsehen“. Bei diesem Einsatz war er auch als Feuerwehrmann aktiv.

Kranker Vogel

Im selben Jahr musste sich die Polizei an der Bachstraße als Schwanenjäger betätigen, als ein vermeintlich kranker Vogel die Bachstraße unsicher machte. Otto fotografierte die Hatz. Allerdings entzog sich der Schwan dem polizeilichen Zugriff, indem er die Flügel ausbreitete und davonflog.

Nackte Körper sorgten während des Kunstmarktes Göttingen für Aufregung. 1976 war Bundeskanzler Helmut Kohl im Lager Friedland – Otto war dabei. Und auch den Neubau des Göttinger Rathauses hielt er mit seiner Kamera fest. Dabei trieb ihn nicht nur die Begeisterung für die Fotografie, sondern auch der Wettbewerbsgedanke: „Ich wollte alles wissen und der erste vor Ort sein.“

Tragische Geschichten

Manchmal verschwand die Neugier hinter Mitgefühl. Auch die tragischen Geschichten seiner Fotografenlaufbahn sind Otto im Gedächtnis geblieben. So wie die Geschichte einer Familie aus Kasachstan, die von Friedland aus in ihr neues Zuhause in Nordrhein-Westfalen fahren wollte. 1977 ereignete sich der schreckliche Unfall  auf der Autobahn 7, an den sich Otto heute noch erinnert. „Alle vier Familienmitglieder sind dabei gestorben – das war sehr schlimm.“