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Göttinger Zeitreise Goethe-Institut Göttingen fördert sei 40 Jahren deutsche Sprache und Kultur
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19:40 30.05.2013
Von Katharina Klocke
Förderer internationaler Freundschaft: Olav und Erika Brennhovd.
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Göttingen

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaute Ferdinand Levin, Geschäftsführer der „Hermann Levin Wollwaren-Fabriken“, an der Merkelstraße einen repräsentativen Familiensitz samt Kutsch- und Gärtnerhaus und Park.

Drei Jahrzehnte später fiel das Levinsche Unternehmen der Weltwirtschaftskrise zum Opfer. Die Stadt Göttingen kaufte die Villa und vermietete einzelne Gebäude und Wohnungen an Professoren wie etwa den Nobelpreisträger James Franck. Der Physiker emigrierte 1933, weil er nicht mit den Nationalsozialisten kooperieren wollte.

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Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Villa Luftschutzzentrale. NSDAP-Kreisleiter Thomas Gengler gestaltete Garten und Haus zu einem Gefechtsstand um, floh aber nach Kriegsende vor den eintreffenden Amerikanern.

Ende der 40er-Jahre begann mit dem Einzug der vom norwegischen Pastor Olav Brennhovd gegründeten „Gesellschaft für internationale Studentenfreunde“ die Tradition der bisherigen Levinschen Villa als Hort der Völkerverständigung.

Auf Brennhovds Initiative hin begannen deutsche, amerikanische und holländische Studenten bereits drei Jahre nach dem Krieg das heruntergekommene Haus zu sanieren. Benannt wurde das Haus nach dem Polarforscher Fridtjof Nansen – im Völkerbund Kämpfer für Frieden und internationale Freundschaft, dessen Ideale die Studentenfreunde weiterverfolgen wollten.

Ein großer Anbau entstand. Der gesamte Komplex wurde internationales Studentenwohnheim und kulturelles Zentrum. Es gab eine öffentliche Bibliothek namens „Die Brücke“, die viele Göttinger nutzten. „Ich habe mir dort als Kind schon Enid Blyton ausgeliehen“, erinnert sich Monika Bischof, Mitarbeiterin des Goethe-Instituts Göttingen, die für eine Ausstellung zum 40-jährigen Bestehen die Geschichte des Hauses recherchiert hat.

Was Brennhovd begann, setzt das Goethe-Institut seit seinem Einzug zu Beginn der 70er-Jahre fort. Die Hauptziele der 1951 in München gegründeten Einrichtung und ihrer in- und ausländischen Institute sind die Förderung der deutschen Sprache im Ausland und die Pflege der internationalen kulturellen Zusammenarbeit. Seit 1973 werden in Göttingen junge Menschen an die deutsche Sprache und Kultur herangeführt. „Angefangen haben wir als reine Sprachschule“, sagt Stephan Hoffmann, Leiter des Göttinger Institutes.

In den ersten Jahrzehnten stammten die Teilnehmer vor allem aus Frankreich, Spanien oder Italien, Ende der 90er-Jahre kamen die Osteuropäer hinzu. „Das waren Wellenbewegungen“, sagt Hoffmann. „Teilnehmerstruktur und Seminarthemen hingen unter anderem von politischen Entwicklungen ab“, sagt Bischof, die selbst Seminare leitet.

Fortbilden können sich nicht nur Studenten, sondern auch Deutschlehrer – mittlerweile aus aller Welt. Und angehehende Ärzte, die in Deutschland arbeiten wollen, sich auf Patientengespräche und das Schreiben von Krankenberichten vorbereiten. Die Zahl der Gäste schwankt je nach Jahreszeit zwischen 100 und 250 Besuchern monatlich.

Auch zum 40. Geburtstag werden heute viele Studenten, aber auch interessierte Göttinger an der Merkelstraße 4 erwartet. Gefeiert wird von 15 bis 20 Uhr – mit musikalischen Darbietungen, einer Ausstellung zur Geschichte des Fridtjof-Nansen-Hauses und einem Gartenfest.
Die Zeitreise ist ein Geschichtsprojekt des Tageblattes und der Stadt Göttingen.

Derzeit werden Filme und Fotos vor allem aus den 1980er-Jahren, aber auch aus anderen Jahrzehnten gesucht.

Kontakt: per E-Mail an redaktion@goettinger-tageblatt.de und Telefon 05 51 / 90 17 66. 

Weitere Informationen unter goettinger-zeitreise.de