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Göttinger Zeitreise Göttingen im Ausnahmezustand: Das Hochwasser von 1909
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17:18 01.03.2013
Von Katharina Klocke
Hilfeleistung mit Booten: Städtische Pioniere aus Münden im Februar 1909 beim Einsatz im Hasengraben / Schiefer Weg. Quelle: Städtisches Museum
Göttingen

„Das plötzlich eingetretene Tauwetter, unmittelbar nach den ungeheuren Schneefällen der letzten Tage, hat geradezu verhängnisvoll gewirkt. Von den Bergen stürzen die Quellen und die Bäche, die Ströme schwellen. Der Schnee, der gestern noch einen halben Fuß hoch lag, ist in der Ebene vollständig verschwunden, von den Höhen kommt das Wasser in rasender Eile hernieder und überschwemmt die Täler.“ So beschrieb das Göttinger Tageblatt am 5. Februar 1909 den Beginn einer Naturkatastrophe, die eine ganze Stadt in den Ausnahmezustand versetzte.

Auf Kähnen das Haus verlassen

Am 3. Februar beginnt das Unheil mit plötzlich einsetzendem Tauwetter. In der Nacht auf den 4. Februar tritt die Leine bereits über ihre Ufer. „Gegen Mittag dringt das Wasser in die Straßen der Weststadt, so dass ein Straßenverkehr unmöglich wird. Im Rosdorferwege, Schieferwege, Leinestraße pp. können die Einwohner nur auf Kähnen das Haus verlassen“, heißt es in der Chronik des Stadtarchivs Göttingen. Dramatisch die Situation für „die Bewohner der Stichnothschen Waschanstalt und der Maschmühle“. Sie werden vom Bürgervorsteher Lambach und mutigen Bürgern mit einem Kahn gerettet.

Hochwasser im Juli 1956: Leinebrücke zwischen den Kiesseen.

Rosdorfer Weg, Groner Chaussee, Bürgerstraße, Angerstraße, Neustadt, Goetheallee  und andere Straßen stehen teils meterhoch unter Wasser. Helfer können nur noch mit Booten ausrücken, um Menschen zu retten. Einige Häuser stürzen ein, Tiere ertrinken in den Ställen, Ernten werden weggespült, Telegrafenmasten unterspült. Die Brauerei stellt den Betrieb ein – die Kessel stehen unter Wasser. Ein Bataillon der Göttinger Garnison rückt zur Hilfeleistung aus. Mündener Pioniere eilen mit Booten herbei. Sie versorgen die Einwohner mit Heizmaterial, Wasser und Lebensmitteln. Oberbürgermeister Georg Friedrich Calsow ruft die Bürger auf, Geld, Kleider, Betten und Lebensmittel zu spenden.

Verbesserter Hochwasserschutz

In den Folgejahren beginnt die Stadt, den Hochwasserschutz für die Leine zu verbessern. Dennoch bleibt die Region auch in den folgenden Jahrzehnten nicht von Überschwemmungen verschont. Am 14. Juli 1956 etwa verursachen Gewitter mit heftigen Regenfällen Überflutungen. Im Landkreis werden Straßen und Dörfer überschwemmt. In der Stadt Göttingen stehen unter anderem die Stegemühle und die Sportplätze am Maschpark unter Wasser, der Kiessee ist mit der Leine verbunden. Nur eine Woche später gehen wieder schwere Regenfälle nieder – die Keller laufen erneut voll.

Im Jahr darauf wird Göttingen laut städtischer Chronik ebenfalls im Juli von Unwettern heimgesucht. Regen, Hagel, Windböen: Bäume und Laternenpfähle werden umgeknickt, Straßen überschwemmt. Ebenso im Juni 1961 und im Juni 1969. Gewitter und Wolkenbrüche richten rund um Göttingen immense Schäden an. An das Hochwasser von 1909 allerdings reichte keine dieser Naturkatastrophen heran.

Hochwasser von 1909 in der Göttinger Innenstadt: Blick von der Angerstraße in die Groner-Tor-Straße.
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