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Göttinger Zeitreise Göttinger Zeitreise: Wie aus dem Wall eine Flaniermeile wurde
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00:17 13.10.2013
Von Katharina Klocke
Um 1747: der Wall und der Botanische Garten auf einem Kupferstich von Georg Daniel Heumann. Quelle: Museum
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Göttingen

Als nach Ende des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) auf Anweisung des Königs anstand, die Göttinger Befestigungsanlagen abzubauen, schlug Bürgermeister Michael Lorenz Willich vor, auch den Wall mit Bäumen zu bepflanzen anstatt ihn einzuebnen. Entsprechende Wünsche nach einem innerstädtischen „Spazierweg“ wurden auch von der Universitätsleitung geäußert, heißt es in der städtischen Chronik.

Der Plan wurde, heißt es in der im Verlag Göttinger Tageblatt erschienenen städtischen Broschüre „250 Jahre Grün in Göttingen“, von 1765 an mit der Pflanzung von fast 400 Linden umgesetzt. Kriegsgefangene planierten viele Bereiche des Walls. Im März 1767 waren die Arbeiten abgeschlossen.

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In der Gründungsphase der Göttinger Universität war ab 1736 auch der spätere Botanische Garten an der Karspüle entstanden, angelegt zunächst als „hortus medicus“ für die medizinische Fakultät. 1777 wurde er erstmals vergrößert, weitere Flächen kamen in den 1790er-Jahren hinzu. Im Zuge dieser Arbeiten wurde ein Problem erkannt, das Spaziergängern das Flanieren auf dem neuen Grüngürtel Wall von Beginn an verleidet hatte.

Geschichtsprojekt Göttinger Zeitreise: Wie aus dem Wall eine Flaniermeile wurde.

„Der Stadtgraben erfüllt die Stadt durch sein stehendes faules Wasser mit den schädlichsten Dünsten und auf dem Wall kann man für unausstehlichem faulem Gestank kaum gehen“, beklagte etwa der Geheime Justizrat Christian Gottlob Heyne, Direktor der Universitätsbibliothek. Die versumpften Teiche, aus denen der Wassergraben am Wall bestand, wurden nach und nach trocken gelegt.

Im 19. Jahrhundert ebnete die Stadt einige Wallabschnitte ein und schuf zugunsten neuer Wegeverbindungen einige Durchbrüche. So etwa zwischen Albanikirche und Theaterplatz, um die Albani-Schule, das Stadttheater und andere Bauwerke zu errichten.  Unterbrochen wurde er auch vom Geismar- bis zum Nikolaitor, die abgetragene Erde füllte den ehemaligen Wassergraben.

Alte Linden wurden nach und nach durch jüngere Bäume ersetzt. In den 1960er-Jahren versuchte die Stadt noch einmal erfolglos, mehrere alte Bäume mit Hilfe eines Baumchirurgen zu retten.

Die Zeitreise ist ein Geschichtsprojekt des Tageblattes und der Stadt Göttingen. Derzeit werden Filme und Fotos vor allem aus den 1980er-Jahren gesucht. Kontakt: per E-Mail an redaktion@goettinger-tageblatt.de und Telefon 05 51 / 90 17 66. Infos im Internet unter goettinger-zeitreise.de.