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Göttinger Zeitreise Zeitreise mit den Autos der Familie Plohr aus Groß Ellershausen
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00:17 01.12.2013
Von Katharina Klocke
Eleganz trifft Innovation: Gerda Plohr mit der 1956 angeschafften BMW Isetta. Quelle: Sammlung Plohr
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Göttingen

Im Plohrschen Privatarchiv sind auch hunderte von Fotografien aus Göttingen und Umgebung, die die Groß Ellershäuserin der Geschichtswerkstatt Göttinger Zeitreise zur Verfügung gestellt hat. Ein echter Autonarr war Helmut Plohr, gelernter Feinmechaniker und technischer Zeichner, nicht.

„Er wollte eigentlich immer nur ausreichend Blech um sich haben“, erinnert sich Gerda Plohr. Der passionierte Hobbyfotograf fuhr zumeist nicht einmal selbst, sondern überließ lieber seiner Ehefrau das Steuer, um jederzeit zur Kamera greifen zu können. „Wenn wir mal ausgingen, bin ich natürlich erst recht gefahren“, sagt Plohr schmunzelnd.

Schnappschuß von der BMW Isetta

Dennoch dokumentieren gerade die wenigen Fotografien der Familienautos in den Straßen Göttingens oder vor schöner Landschaft gleichzeitig Technik-, Familien- und Stadtgeschichte. Wie der Schnappschuss von der BMW Isetta, gebaut von 1955 bis 1962. „Ich glaube, das ist am Kirschberg aufgenommen“, sagt Gerda Plohr. Auf dem Foto posiert sie ganz ladylike in eleganter Garderobe und mit aufgespanntem Regenschirm vor dem 1956 erworbenen, allerdings noch recht blech-armen Rollermobil.

„Mit der Isetta haben wir bei unserem ersten Urlaub in Dänemark großes Aufsehen erregt“, erzählt die Seniorin. Das Reisen sei damals stressfrei gewesen: „Wir waren fast allein auf den Straßen.“ Drei Menschen passten auf die Sitzbank des Kleinwagens, „die Schaltung war links, die Ablage hinter dem Sitz“.

Kein Platz für Gepäck

Für Gepäck sei nicht viel Platz gewesen, „nur für kleine Koffer, aber so viel besaßen wir ja auch gar nicht“. Helmut Plohr gewann im Lauf seines Lebens mit seinen Fotografien viele Preise, unter anderem für ein Bild der Isetta, das von BMW zu Werbezwecken eingesetzt wurde.

„Dafür hatten wir unseren Wagen quer vor einen Mercedes gestellt“, erzählt Gerda Plohr. Urlaubserinnerungen verbindet sie auch mit dem 1960 gekauften roten BMW-700-Coupé, „ein temperamentvolles Auto“, sagt die 81-Jährige im Rückblick. Auf Reisen sei aber vor allem die Farbe des Wagens kommentiert worden. „In Italien hörten wir immer nur bon colore“, erinnert sich Plohr.

Die Einfälle ihres fotobegeisterten Ehemannes machten der Göttingerin den Chauffeursdienst nicht immer leicht: „Manchmal sollte ich mitten auf einer Kreuzung spontan anhalten, wenn er ein Motiv entdeckte.“ Helmut Plohr sei stets auf der Suche nach der originellsten und bestmöglichen Perspektive gewesen. So erinnert sich seine Witwe an eine Fotosession auf dem Brenner, „damals konnte man dort noch anhalten.“ Er legte die Kamera auf die Fahrbahn und wies seine Ehefrau an, langsam darüber hinweg zu fahren.

„Ich gehe lieber zum Zahnarzt"

Gerda Plohr unterstützte das Hobby ihres Mannes aber nicht nur als Fahrerin, sondern auch als Fotomodell – mit mäßiger Begeisterung. „Ich gehe lieber zum Zahnarzt, als dass ich mich fotografieren lasse“, kommentiert sie am Tag des Gespräches mit dem Tageblatt die Ankunft des Fotografen, der sie ablichten möchte.

Im Fotolabor half sie ebenfalls mit, „ich war für das Wässern und Aufhängen der Bilder zuständig“. In die Ära der Digitalfotografie ist Helmut Plohr Zeit seines Lebens nie eingetreten, „damit konnte er nichts anfangen“. Irgendwie, sagt die Groß Ellershäuserin, habe das alles ja auch „Spaß gemacht“.

Mit dem Fotovirus hat sie sich dennoch nicht infiziert. Gerda Plohr besitzt nicht einmal eine kleine Kamera. Eindrücke ihrer Reisen speichert sie im Kopf ab, nicht in einer Datei. „Nein, jetzt reicht‘s. Das muss ich mit 81 Jahren nicht mehr anfangen.“

Die Zeitreise ...

... ist ein Geschichtsprojekt des Tageblattes und der Stadt Göttingen. Derzeit werden Filme und Fotos vor allem aus den 1980er-Jahren gesucht.

Kontakt: per E-Mail an redaktion@goettinger-tageblatt.de und Telefon 05 51 / 90 17 66. Infos im Internet unter goettinger-zeitreise.de.