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Göttinger Zeitreise Griechische Küche: 40 Jahre Hellas in Göttingen
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17:51 27.12.2013
Von Britta Bielefeld
Anfangstage im Hellas: Joannis mit Nichte in seinem Restaurant. Quelle: EF
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Göttingen

„Ich war jung, ich war neugierig, und ich wollte nur ein Jahr bleiben“, sagt er. Doch es kam ganz anders. Joannis blieb – bis heute. Seit gut 40 Jahren bewirtet er mit seiner Familie seine Gäste in der Kurzen Geismarstraße. Das Restaurant Hellas wurde 1973 eröffnet und zählt damit zu den ältesten griechischen Gasthäusern der Stadt.

Der Name Hellas also „Griechenland“ ist in dem kleinen Lokal Programm. Es läuft leise griechische Musik, es wird traditionelle Küche serviert, alles frisch und immer liebevoll angerichtet. Ob mittags oder spät abends, ob Montag oder Sonnabend, Joannis kümmert sich offenbar rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr um seine Gäste.

Urlaub? „Seit zwei Jahren schon nicht mehr“, sagt er. Eigentlich reist er einmal im Jahr zurück in die alte Heimat. Ein Teil seiner Familie lebt in Athen. Den Rest des Jahres ist er von morgens bis abends für das Hellas im Einsatz. In der Küche regiert die Schwester, an der Theke und im Service unterstützen Joannis manchmal seine Söhne – er hat drei. „Ohne die Familie geht es nicht“, sagt der Gastwirt und bringt erst einmal einen Ouzo an einen Tisch.

Ein anstrengender Beruf

Das Hellas hat viele Stammgäste. „Einige kommen schon von Anfang an“, erzählt Joannis. „Heute kommen dann die Enkel.“ Er kennt viele seiner Kunden und sie kennen ihn. So treu, wie seine Gäste dem Lokal, ist Familie Kapriniotis ihrem Stil. Man sitzt an dunklen Holztischen auf Bänken mit folkloristischen Bezügen. Einige der Gerichte stehen seit Beginn auf der Karte. „Nur Gyros, das hatten wir am Anfang noch nicht“, sagt der Chef des Hauses.

Ärger hat Joannis in all den Jahren noch nie mit seinen Gästen gehabt. „Nur ganz am Anfang musste ich ab und zu mal pöbelnde Trinker vor die Tür setzen“. Denn:  Bevor das Hellas in das Haus einzog, war dort eine Bierkneipe untergebracht. 40 Jahre lang jeden Tag im eigenen Restaurant, Arbeitszeiten weit jenseits einer 40-Stunden-Woche.

Einkaufen, Service, Theke. Ein anstrengender Beruf. Andere gehen in Rente. Wie alt er ist? „Schreib 55“, sagt Joannis und zieht mit ungerührter Mine eine Augenbraue hoch. Dann macht es „ping“. Durch die Küchenklappe werden Teller gereicht. Joannis macht sich wieder an die Arbeit. Für seine Gäste.