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Göttinger Zeitreise Klaus Behrendt, der Mensch - Folge 2
Thema Specials Göttinger Zeitreise Klaus Behrendt, der Mensch - Folge 2
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15:59 02.08.2013
Von Marie Luise-Rudolph
„Schluckrath“ und „Generalselektionär“ auf der Bühne:  Klaus Behrendt und Heinz Reincke (l.) in Aktion.
„Schluckrath“ und „Generalselektionär“ auf der Bühne:  Klaus Behrendt und Heinz Reincke (l.) in Aktion. Quelle: EF
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Göttingen

Für die Dokumentation hat Karl Jakob „Charly“ Sachse, der gut mit Behrendt befreundet ist, sein Archiv geöffnet, das ihm Behrendts Enkel Klaus Rode in dessen Auftrag überlassen hat. In drei Teilen zeichnet die Tageblatt-Serie das Leben des Burgschauspielers nach. Heute: Klaus Behrendt – der Mensch

Klaus Behrendt, bekannt als Schauspieler am Deutschen Theater Göttingen, am Wiener Burgtheater und aus zahlreichen Filmen, stammt ursprünglich aus Königsberg. 1995 reist er in seine alte Heimat und ist schockiert über den Zustand der Stadt. In seinem Fotoalbum findet sich eine Darstellung des Schlosses mit der Schlosskirche.

Behrendt notiert dazu: „Davon gibt es nichts mehr – alles platt gemacht“. Er besucht sein Geburtshaus in der Steinmetzstraße 25, die Kirche, in der er getauft wurde, die Bühne, an der gelernt hat, das alte Zigarrengeschäft seines Vaters und natürlich „seinen“ alten Fußballplatz. 

Während des Krieges ist Behrendt zwei Monate lang auf der Wolfsschanze als Angehöriger des Begleitbatallions. Bei der Truppenbetreuung in Laibach gastiert er als Schauspieler.

Nach dem Krieg hält sich Behrendt, der ursprünglich Pastor werden wollte, mit Schlagzeugspielen in einer Band über Wasser, dann verschlägt es ihn nach Graz, was zu „einer zeitweisen Aversion gegen alle Bergvölker“ führte.

Verbindungen nach Göttingen nie ganz abgebrochen

Nach einem Abstecher nach Wiesbaden landet er 1950 am Deutschen Theater in Göttingen. Hier ist er sonntags bei den 05-Spielen im Maschpark zu finden oder in einer Kneipe bei einem gepflegten „Silbersherry“ – einem einfachen Korn. Gut bekannt ist er auch mit Nobelpreisträger Otto Hahn.

So ist sein Lieblingsbild auch eines, das ihn mit Hahn zeigt. Die Freundschaft hält auch noch, als Behrendt schon längst ein gefeierter Burgschauspieler ist: Besucht der Nobelpreisträger Wien, trifft er sich oft mit dem Burgschauspieler, der ihn dann während seines gesamten Aufenthaltes begleitet.

In seinen ersten Jahren in Wien ist auch Heinz Hilpert ein wichtiger Ratgeber. Behrendt bricht die Verbindungen nach Göttingen nie ganz ab. Er betont auch stets, dass er gern ans Göttinger Theater zurückkehren würde: „Ich bin davon überzeugt, dass ich eines Tages wieder in Göttingen auf der Bühne stehen werde. Allerdings ist der Zeitpunkt noch unbestimmt“, sagte er gegenüber dem Tageblatt 1966.

In drei Teilen zeichnet die Tageblatt-Serie das Leben des Burgschauspielers nach. Folge 2: Klaus Behrendt – der Mensch.

Auch wenn diese Pläne nie realisiert werden, so ist er doch regelmäßig in Göttingen. 1990 schreibt er in sein Tagebuch: „Geradezu rührend die Tatsache, die zahlreichen Leute, die mich auf der Straße, oder in Lokalen ansprachen und sich bedankten für die vielen schönen Stunden, die ich während meiner 15-jährigen Tätigkeit bei Heinz Hilpert am DT gegeben habe.“

So wenig, wie Behrendt die Göttinger vergessen hat, haben die Göttinger Behrendt vergessen: „Er ist der bescheidene, liebenswerte Klaus Behrendt geblieben“, schreibt das GT im August 1973, „der seine Arbeit liebt, viel von guten Freunden hält, den edlen Tropfen nicht vermissen mag“.
Nach langer Wohnungssuche lässt er sich in Gumpoldskirchen, von ihm liebevoll „Gumpi“ genannt nieder – in einer Weingegend, was dem „von allen Kollegen anerkannter Weinkenner und ein Liebhaber exzellenten Rebensaftes“, so die Theater-Rundschau im Oktober 1969, natürlich nicht ungelegen kommt.

Schnell wird ihm der Beinamen „Schluckrath“ verpasst, während sein Kollege und Freund Heinz Reincke der „Generalselektionär“ genannt wird. Behrendt gehört in Gumpoldskirchen zum Kreis der Winzer, nachdem er Urlaubsvertretung in den Weinkellern gemacht hatte, und den Umsatz dort enorm in die Höhe getrieben haben soll.

„Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken“

Er veranstaltet auch dichterische Weinproben und erhält 1974 vom Weinfest-Komitee ein Weinfass  mit der Aufschrift: „Unserem lieben „Schluckrath“ Burgschauspieler Klaus Behrendt.“ Doch nicht nur mit Reincke freundet er sich an. Auch viele andere Schauspieler, wie zum Beispiel Klaus Maria Brandauer.

Seine Göttinger Freunde lädt Behrendt stets zum Gumpoldskirchener Weinfest ein – um am letzten Tag des Weinfestes ein Fußballspiel mit ihnen auszutragen. „Da war das Spielen nicht unbedingt einfacher“, erinnert sich „Charly“ Sachse. Doch wie einer der Lieblingstrinksprüche von Behrendt lautet: „Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken.“

Die Göttinger Zeitreise ist eine Geschichtswerkstatt des Göttinger Tageblattes in Kooperation mit der Stadt Göttingen. Dafür werden noch Filme und Fotos gesucht. Infos unter goettinger-zeitreise.de.