Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Göttinger Zeitreise Mit jazziger Musik die Tanzflächen gefüllt
Thema Specials Göttinger Zeitreise Mit jazziger Musik die Tanzflächen gefüllt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:01 12.08.2011
Das Nova-Quartett 1962: (von links) Hannes Nolte, Hans-Christoph „Stoffy“ Klein, Franzel Wagner und Wolfgang Lemcke.
Das Nova-Quartett 1962: (von links) Hannes Nolte, Hans-Christoph „Stoffy“ Klein, Franzel Wagner und Wolfgang Lemcke. Quelle: Klein
Anzeige

Sie produzierten Hits, zu denen es sich gut tanzen ließ. Von der Masse der Ohrwürmer und der allgemeinen Tanzwut profitierten auch in Göttingen lokale Bands, die populäre Schlager, Swing- und Jazzstücke spielten. Bei vielen Silvesterpartys, Firmenfesten, Tanzcafés dabei: Hans-Christoph Klein und weitere Mitglieder des Nova-Quartetts. Für die Geschichtswerkstatt Göttinger Zeitreise des Tageblattes und der Stadt Göttingen hat Klein Bilder aus seinem Fotoalbum zur Verfügung gestellt.

Mit 17 Jahren aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, startete Klein musikalisch durch. Der Berliner spielte Klavier und Mandoline, später auch Gitarre und Akkordeon und begann auf dieser Basis ein Musikstudium. 1948 trat er mit der Band Taja-Quartett in den boomenden Berliner Clubs auf. „Das war eine tolle Zeit“, schwärmt er noch heute. Nicht nur im Nachkriegsdeutschland füllten Klein und seine Mitstreiter die Tanzflächen. Die Band startete Tourneen ins benachbarte Ausland: „Wir waren in Holland, in der Schweiz und in Österreich“, erzählt der heute 83-Jährige. Als er Ehefrau Anita kennenlernte und Vater wurde, reiste er mit Band und Familie durch Europa, „erst als das Kind zur Schule kam, wurden wir sesshaft“.

Es verschlug ihn nach Göttingen, wo er bei der Musikfirma Hack eine Anstellung fand. „Dadurch hatte die Familie allerdings finanzielle Einbußen“, erinnert sich Klein. Ein Zuverdienst musste her – am besten mit einer neuen Band. Mit den Musikern Wolfgang Lemcke und Hans-Joachim Nolte gründet er in den 1960er Jahren das Nova-Trio. Als der Schlagzeuger Franz Wagner dazustieß, war das Quartett vollständig. Rund zwei Jahrzehnte lang war die Band mit einigen Mitbewerbern Stimmungsmacher in Göttinger Tanzsälen: „Es gab viele Kapellen, und alle hatten ihre persönliche Note.“ Gespielt und getanzt wurde im Café Berggold, später Kupferkanne, im Kaiser-Wilhelm-Park, Deutschen Garten, in der Regina-Bar und im Stadtcafé. Das Nova-Quartett interpretierte unter anderem aktuelle Schlager „nach eigenen Arrangements, leicht jazzig angehaucht“, erzählt Klein, auch als „Stoffy“ bekannt. Die Combo – mittlerweile war für Lemcke Hans-Dieter Arndt eingestiegen – spielte auf Brigade-Bällen, bei Schützen- und Firmenfesten, auf Vereins- und Silvesterpartys in Göttingen und angrenzenden Regionen bis Bad Nenndorf. Sie wurden für Filmaufnahmen gebucht und begleiteten Stars, die für Auftritte angereist waren. Roberto Blanco etwa überreichte erst kurz vor dem Auftritt die Noten – zum Üben war keine Zeit mehr. Bruce Low und das Quartett traten bei einer Modenschau in der Stadthalle auf, „zur Probe erschien er mit einer Flasche Cognac und schenkte aus“. Bis Mitte der 80er Jahre war das Nova-Quartett aktiv. Auch an den letzten Auftritt erinnert sich Klein: „Das war ein Ball beim ASC.“

Für die Göttinger Zeitreise werden Fotografien und vor allem Filmaufnahmen aus der 60er Jahren gesucht. Eingesehen werden können die historischen Bilddokumente aus der Stadt Göttingen unter goettinger-zeitreise.de. Kontakt: per Telefon 05 51 / 90 17 66 oder E-Mail an redaktion@goettinger-tageblatt.de.