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Göttinger Zeitreise „Rebellen“ entfachen Euphorie
Thema Specials Göttinger Zeitreise „Rebellen“ entfachen Euphorie
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18:42 05.08.2011
Alter Maschpark: In den 60er Jahren besitzt der Fußball in Göttingen eine große Anziehungskraft.
Alter Maschpark: In den 60er Jahren besitzt der Fußball in Göttingen eine große Anziehungskraft. Quelle: Städtisches Museum/EF
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Krauß, der im Frühjahr 70 Jahre alt geworden ist und in Klein Lengden lebt, ist als Fußballer bei der SVG groß geworden. Anfang der 60er Jahre ging es für ihn zu Arminia Hannover, danach zurück zur SVG, zu Borussia Fulda und dann zum 1. SC 05, dem Göttinger Verein mit der größten Anziehungskraft. „Es war meine schönste Zeit als Fußballer“, sagt der ehemalige Mittelfeldregisseur.

Zu Beginn der 60er-Jahre war der Göttinger Fußball allerdings zunächst geprägt durch Mittelmäßigkeit, wie der Fußball-Historiker Hardy Grüne in seinem Werk „Zwischen Hochburg und Provinz“ schreibt. 05 war 1958 in die Amateur-Oberliga Ost abgestiegen, was auf der einen Seite bedauerlich war, auf der anderen Seite aber auch Duelle mit dem städtischen Erzrivalen SVG mit sich brachte, der sich sogar vor 05 platzieren konnte. Mit der Einführung der Bundesliga folgte 1963 die Rückstufung in die Drittklassigkeit.

Die Wende kam für den 1. SC 05 mit der Rückkehr von Trainer Fritz Rebell, einem Hessen aus Heusenstamm. Rebell predigte die alte Sepp-Herberger-Schule – und hatte Erfolg – bereits 1964 stieg 05 auf und klopfte Ende der 60er Jahre zweimal in Aufstiegsrunden an der Tür zur Bundesliga an. Rebell war geradlinig, ein General und ähnelte somit nicht nur in taktischer Hinsicht Sepp Herberger. „Als er uns in der Kneipe antraf, hat er einmal mit dem Arm das Bier vom Tisch gefegt“, erinnert sich Krauß. „Wenn dein Gegenspieler zu schnell ist, musst du ihn langsamer machen“, habe er ihm geraten, berichtet Karl Jakob „Charly“ Sachse, mittlerweile 73 Jahre alt und ein anderes Idol der großen 05-Zeit. Rebells Erfolgstaktik: „Lange Naht nach vorn, und da hilft der liebe Gott.“ Rebellen wurden die Göttinger genannt.

Auf dem Platz standen Spieler wie Helmut Hinberg, Reinhard Roder, Horst Medoch oder Dietmar „Ziege“ Mürdter, der später mit Roder zum 1. FC Köln wechselte. Schnell seien Medoch und Mürdter gewesen, „ich habe auf den Ball getreten, da waren die schon an der Eckfahne“, sagt Krauß.

Zu verdienen gab es noch keine Reichtümer – der DFB sah drei Verträge vor: 160, 120 und 80 Mark im Monat. Krauß erhielt 160 Mark, genauso viel wie damals Franz Beckenbauer. In den Aufstiegsrunden zur Bundesliga 1967 und 1968 gab es pro Sieg 500 Mark. Die Aufstiegsspiele elektrisierten die Massen, vom alten Maschpark, gelegen an der heutigen Godehardstraße zwischen Bahnlinie und BBS II, zog man ins Jahnstadion um.

Knapp 20 000 Zuschauer kamen, aus Nordhessen, dem Eichsfeld oder sogar Hannover. „Die haben in den Leineauen geparkt, es war alles dicht“, sagt Krauß. Die Haupttribüne war noch Zukunftsmusik, inmitten der Stehränge gab es einen Verschlag für den Sprecher. „Eine Holzbude, sah aus wie eine Toilette“, berichtet der 05-Regisseur. Begeisterungsfähig seien die Göttinger gewesen, „es waren viele Väter mit ihren Kindern da“, erinnert sich Krauß.

Mit dem Aufstieg wurde es nichts, und wenn die ehemaligen 05-Recken auf die 60er Jahre in Göttingen zurückblicken, erscheint vor ihrem inneren Auge der Maschpark. Der alte Maschpark. „Das war die Keimzelle von 05“, sagt Sachse. Spiele gegen Kiel oder St. Pauli vor bis zu 10 000 Zuschauern, „das war, was Göttingen 05 mal war“. Der ganz alte Maschpark.

Für die Zeitreise werden Filmaufnahmen und Fotografien aus den 1960er Jahren gesucht.

Von Eduard Warda