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Göttinger Zeitreise Siegeszug von Bikini und Mini in den 60er Jahren
Thema Specials Göttinger Zeitreise Siegeszug von Bikini und Mini in den 60er Jahren
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20:07 07.07.2011
Von Katharina Klocke
1967 noch bestaunt: junge Frauen in Mini-Mode in der Groner Straße in Göttingen.
1967 noch bestaunt: junge Frauen in Mini-Mode in der Groner Straße in Göttingen. Quelle: Stadtarchiv
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Für die Göttinger Zeitreise, eine Geschichtswerkstatt des Tageblattes und der Stadt Göttingen, hat er das Dokument zur Verfügung gestellt. Bikini und Minirock – ersterer zu Beginn, der zweite gegen Ende des Jahrzehnts – sind zwei der modischen Errungenschaften der 1960er Jahre.

1900 waren in Freiburg zweiteilige Badekostüme vorgestellt worden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wagten jedoch höchstens Anhängerinnen der Freikörperkultur, Teile ihres Körpers beim Baden zu entblößen. Damals hieß der Zweiteiler auch noch nicht Bikini. Erst Réard gab ihm 1946 seinen Namen – inspiriert von einer Insel, die im gleichen Jahr durch Atomtests der USA bekannt geworden war. Fünf Jahre später hieß es im Tageblatt: „In lustiger Reihe marschieren sie auf: großgepunktet, mit riesigen Sonnenblumen, gestreift und gefleckt, in Leoparden und Tigermusterung mit Schleifchen gehalten, gezogen und gerüscht.“ Zwischen Theorie und Praxis lagen allerdings Welten: Den endgültigen Durchbruch erfuhr der Zweiteiler erneut mit Verspätung, denn zunächst war er in einigen Ländern verboten. 1953 erregte Marilyn Monroe im Bikini noch Aufsehen. Und in den 60er Jahren wurde Réards Patent – zwei Dreiecke für die Hose, zwei für Bedeckung der Brust – durch das Bondgirl Ursula Andress weltberühmt.

Dem Minirock erging es ähnlich – zumindest in Göttingen. Im vom Städtischen Museum herausgegebenen Buch „Maxibauten – Miniröcke. Die sechziger Jahre in Göttingen“ schreibt Andrea Rechenberg, „daß die Bundesrepublik und speziell Göttingen nicht zu den Zentren der Avantgarde gehörten, so daß einige allgemeine Entwicklungen, die als typisch für die Sechziger gelten, vielleicht erst Ende ’69, Anfang ’70 in Göttingen zu finden waren“.
Ein von Mary Quant entworfener Minirock wurde 1962 erstmals in der britischen Voque abgebildet. Drei Jahre später avancierte das minimalistische Kleidungsstück bereits zum Verkaufsschlager, was sich aber wohl in Göttingen noch nicht ganz durchgesetzt hatte. Auf im Städtischen Museum aufbewahrten Fotografien einer Modenschau bei Karstadt Mitte der 60er Jahre sind auffallend viele Maxi-Rockmodelle zu sehen. In Zeitungsanzeigen überwiegt noch Ende des Jahrzehnts die Knielänge – und auf einem 1967 in der Göttinger Innenstadt entstandenen Foto bestaunen Passanten zwei junge Minirockträgerinnen wie das achte Weltwunder.

Für die Zeitreise (goettinger-zeitreise.de) werden Filme und Fotos aus den 60er Jahren gesucht. Infos und Kontakt: per E-Mail unter redaktion@goettinger-tageblatt.de oder telefonisch unter 05 51 / 90 17 66.