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Göttinger Zeitreise Tennisspieler bauen sich 1976 eine Halle
Thema Specials Göttinger Zeitreise Tennisspieler bauen sich 1976 eine Halle
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06:18 18.03.2012
Von Kathrin Lienig
Auflage: Die Tennishalle (im Modell oben rechts) soll sich in die Landschaft einfügen und von möglichst viel Grün umgeben sein. Quelle: EF
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Göttingen

Im Nachlass seines 1998 gestorbenen Vaters Johannes Bagehorn befand sich auch ein Super-8-Film vom Bau der vereinseigenen Drei-Feld-Halle im Jahr 1976, den „Hansi“ Bagehorn dem Tageblatt digitalisiert für die im Herbst erscheinende nächste Tageblatt-Zeitreise-DVD zur Verfügung gestellt hat.

Gefilmt wurden sämtliche Stationen des Baus bis hin zur Einweihungsfeier mit den Reden der Honoratioren Göttingens und dem Schaukampf des TSC-Spitzenspielers mit dem damaligen jugoslawischen Davis-Cup-Akteur Nicola Spear im September 1976. Bagehorn Senior war Initiator dieser Film-Aktion. Der ehemalige Geschäftsführer des Modehauses Diekmann hatte die Dekorateurin Karin Brandes beauftragt, einmal wöchentlich den Fortschritt am Bau zu filmen. Als der Streifen fertig zusammengeschnitten war, wurde er im Clubhaus vorgeführt, nebenher lief ein Tonband mit Erläuterungen. Nach dem Tod seines Vaters hat Hansi Bagehorn die Kiste mit dem Filmmaterial nach Hamburg mitgenommen, sie lange liegen gelassen und die Filme vor einigen Jahren von einem  Profi digitalisieren lassen. „Anschließend habe ich die neun Monate Arbeit am Hallenneubau wieder zerlegt und die interessantesten Sachen zusammengeschnitten.“ Die Zeitreise-DVD der 60er Jahre, die er von seiner Mutter zu Weihnachten geschenkt bekommen hat, brachte ihn dann auf die Idee, das Material dem Tageblatt zur Verfügung zu stellen.

Sommer auf Tennisplatz

Bagehorn (Jahrgang 1949) begann schon früh beim 1. SC 05, dessen Geschäftsführer sein Vater war, mit dem Fußballspielen. Mit neun Jahren kam dann das Tennis hinzu – weil auch seine Eltern dieses Hobby hatten. Die Sommermonate verbrachte der Schüler (Albani-Grundschule und Neues Gymnasium/heute Theodor-Heuss-Gymnasium) weitestgehend auf dem Tennisplatz. „Dort, wo heute die Halle steht, gab es eine Ballwand. Sie ist eines der besten Trainingsmittel überhaupt. Allerdings gibt es sie heute in den Vereinen kaum noch. Stundenlang habe ich damals dagegen gespielt. Und wenn endlich mal ein Platz frei war, sei es auch nur für eine Viertelstunde, haben wir drauf gestanden.“

Weil Tennis in Bagehorns Jugendjahren ein reiner Sommersport war, spielte er im Winter – natürlich bei den 05ern – Handball. „Das hat sich gut ergänzt.“ Selbstverständlich gab es unter den Tennisspielern auch den Wunsch nach Hallenzeiten, doch die wenigen Sporthallen in Göttingen waren ständig besetzt und auch vom Belag und den Maßen oftmals nicht geeignet. So leisteten sich die TSCer erst einmal eine Tragluft-Tennishalle. „Diese Blasehallen waren günstig in der Anschaffung, haben aber wahnsinnig gebrummt“, erinnert sich der heute 62-Jährige.

Im Vorstand

Mitte der 70er Jahre entschied sich der Clubvorstand, dem Bagehorn nun als Sportwart angehörte, zum Bau der Drei-Feld-Halle. Nach dem Abitur und einer Banklehre studierte er inzwischen Betriebswirtschaft, nutzte aber noch immer jede freie Minute für seinen Sport. Zwei Jahre war er dem TSC zwischenzeitlich „untreu“ geworden, hatte 1971/72 für den HTV in Hannover in der Bundesliga gespielt, war dann aber nach Göttingen zurückgekehrt. Als 23-Jähriger wurde er in den Vorstand gewählt. „Ich wollte einfach etwas bewegen.“

Mit Heinrich Matthies, einem Architekten, als Vorsitzenden war das Ziel, eine Tennishalle zu bauen, gut zu realisieren. Wenngleich natürlich auch immer wieder Vereinsmitglieder fragten, ob man sich so eine Halle denn leisten könne. Etwa eine 1,1 Millionen Mark hat der Bau auf dem Vereinsgelände damals gekostet. Man ließ bauen. „Das ist alles auf eigenes Risiko des Clubs passiert. Kein Mitglied musste damals eine Schaufel in die Hand nehmen“, berichtet Bagehorn. „Schon damals gab es Kritik von den Naturschützern, weil in einem sogenannten grünen Schutzgebiet gebaut wurde“, erinnert sich Matthies.

Bäume, Büsche und Hecken

Schließlich wurde entschieden, das Fundament der Halle tiefer als ursprünglich geplant zu setzen. Außerdem gab es die Auflage, rundherum Bäume, Büsche und Hecken anzupflanzen. „Wir haben damals schon großen Wert auf einen Schwingboden und gute Beleuchtung gelegt, damit auch die Wettkampfspieler optimale Bedingungen vorfanden“, berichtet Matthies.

Noch heute profitiert der Verein von der Halle mit angrenzendem Sanitärtrakt. In den Wintermonaten ist sie bestens ausgelastet, beschert dem Club regelmäßige Einnahmen und bietet Mannschaften und Nachwuchsspielern optimale Trainingsbedingungen – zumal Tennishallen in Göttingen inzwischen wieder rar geworden sind. Neben der TSC-Halle bieten der SCW in der Nordstadt und das Freizeit In noch Plätze unter dem Dach.

Wenn sich Bagehorn an das Tennis in der 70er Jahren erinnert, denkt er aber nicht nur an den Bau der Halle oder an sportliche Erfolge, sondern vor allem an das Clubleben. „Ich habe dort quasi gewohnt. Wir haben ohne Ende Party gemacht.“ Erster Anlaufpunkt war immer das Clubhaus. „Ich bin damals Sportwart ohne eigenes Telefon gewesen, das ist heute unvorstellbar. Wer mich erreichen wollte, hat das über den Club versucht. War ich mal nicht da, wurde die Nummer notiert und ich habe zurückgerufen.“

Job-Angebot aus Hamburg

Aber Hansi Bagehorn war oft da. Der erfolgreiche Tennisspieler hat mit der TSC-Mannschaft 1974 die Bundesliga-Aufstiegsrunde gespielt, war dreimal Stadtmeister (1973 bis 1975), hat Tennistraining gegeben und mit zwei Partnern das Sportgeschäft „Tennis- und Skiwerkstatt“ betrieben. „Irgendwann bin ich da dann ausgestiegen, ich musste ja mal Examen machen.“ Eigentlich wollte Bagehorn gar nicht aus Göttingen weg. Dann gab es aber ein Job-Angebot aus Hamburg. Bis zu seinem 55. Lebensjahr war der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Hamburg. Inzwischen reist der Vater von zwei erwachsenen Kindern (Achim/28 Jahre und Gisa/26 Jahre) mit seiner Frau Regina viel durchs Land und die Welt.

Tennis spielt der ehemalige Vorsitzende des Clubs seiner Hamburger Heimat Blankenese auch noch, aber nicht mehr in einer Mannschaft. „Unser Familiendoppel versuchen wir einmal im Jahr in Göttingen zu spielen. Doppel gefällt mir sowieso besser. Wir versuchen beim TSC auch immer mal wieder so’n Jungsding hinzukriegen“, sagt der Hamburger, der hier regelmäßig seine Mutter besucht und noch viele alte Kontakte pflegt.