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Göttinger Zeitreise Thema bei jeder Feier: Vierstellige Postleitzahlen
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19:24 03.11.2011
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Göttingen

Der Göttinger Alt-Postler Günter Eggert weiß es noch genau: Am 3. November 1961 führte das Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen unter Minister Richard Stücklen in der BRD das weltweit erste vollständige Postleitzahlsystem ein.

„Die Briefzustellung ist durch die Postleitzahlen viel präziser geworden“, erinnert sich Eggert. Zu Beginn seiner 43-jährigen Laufbahn bei der Post in Göttingen musste er ein kompliziertes Verteilersystem aus Ziffern und Straßen lernen. Dann erstellte das Posttechnische Zentralamt in Darmstadt ein Nummernsystem: Beginnend mit der Startziffer eins in Berlin-West erfolgte die Einteilung gegen den Uhrzeigersinn bis nach München mit der Startziffer acht. Jede Stadt erhielt somit eine einzigartige Nummer.

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„Die ersten beiden Ziffern der alten Postleitzahlen können die meisten Alt-Postler noch heute auswendig“, erzählt Eggert. Diese waren für die geografische Einteilung am wichtigsten. 34 stand für den Raum Göttingen. „Die Einteilung war damals auch noch sehr logisch“, sagt der 73-Jährige. Man konnte sich die Einteilung anhand der Nord-Süd-Achse der Bahnstrecke merken: Im Norden lag Hannover mit 30, dann folgten Hildesheim mit 32, Göttingen mit 34 und Kassel mit 35.

Was bei der Post für eine schnellere und einfachere Einteilung sorgte, führte bei vielen Bürgern zunächst zu großer Verärgerung. „Die neuen Postleitzahlen waren Thema bei jeder Feier“, erinnert sich Wolfgang Thielbörger, langjähriger Göttinger Kommunalpolitiker der FDP. „Wir haben uns sehr darüber aufgeregt, dass wir plötzlich für jeden Brief und jede Karte die Postleitzahl raussuchen mussten.“ Auch in Betrieben, die viele Rechnungen verschickten, führten die Postleitzahlen zu Mehraufwand.

Dadurch dass die Bürger die Postleitzahl der entsprechenden Stadt selbst zuordnen mussten, unterliefen auch immer wieder Fehler. „Vor allem Verwechslungen zwischen Städten in der DDR und der BRD kamen regelmäßig vor“, erinnert sich Günter Eggert. „Eine Stadt in Sachsen-Anhalt hatte die gleiche Postleitzahl wie Göttingen.“ Wenn also jemand vergaß, vor „3400-Zerbst“ ein „X“ oder „DDR“ zu setzen, so machte der Brief oft einen Umweg über Göttingen.

Insgesamt stellte sich allerdings nach kurzer Zeit heraus, dass die Briefe mit der zunächst ungeliebten Postleitzahl wesentlich schneller ihr Ziel erreichten als vorher. „Alleine zum Eigennutz haben wir uns damit abgefunden, die Postleitzahl auf die Briefe zu schreiben“, erinnert sich Thielbörger. „Nach einem Jahr hatte man sich dann längst daran gewöhnt.“

Von Marina Engler