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Göttinger Zeitreise Von der Göttinger Bürgerwehr zum Sportschützentum
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17:36 22.07.2011
Von Katharina Klocke
Schützenumzug in der Jüdenstraße: Auch 1925 verfolgten viele Göttinger das Geschehen vom Straßenrand aus.
Schützenumzug in der Jüdenstraße: Auch 1925 verfolgten viele Göttinger das Geschehen vom Straßenrand aus. Quelle: Städtisches Museum
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Einige Fotografien von Schützenfesten des vergangenen Jahrhunderts sind im Internet auf der Seite der Geschichtswerkstatt Göttinger Zeitreise zu finden.

Die Schützen hatten in kriegerischen Zeiten die Aufgabe, die Stadt vor Raubritterüberfällen zu schützen. Auch bei Belagerungen, etwa während des Dreißigjährigen Krieges (mehrere Kriege von 1618 bis 1648) standen die Schützen in vorderster Reihe. Rund 95 Prozent der aktiven Schützen seien während der Kriegsjahre gefallen, schreibt Günther Meinhart, der sich 1992 aus Anlass des 600-jährigen Bestehens der Bürger-Schützen-Gesellschaft in einem im Wartberg-Verlag erschienenen Buch mit der Geschichte des Göttinger Schützenwesens befasst hat.

Im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) stellte die Schützen-Gesellschaft Freikorps auf. In der Zeit davor hatten sich die Schützenhöfe zu einer feierlichen Angelegenheit entwickelt. Es gab einen Ausmarsch mit Musik zur Ehrung der Sieger, Bier- und Kaffeezelte, schaulustige Gäste nebst fliegenden Händlern – und Keilereien zwischen angriffslustige Studenten und schlagkräftigen Bürgern. Um ein Haar hätte Minister Gerlach Adolph von Münchhausen den Aus- und Einmarsch der Schützen verboten, um Schlägereien zu verhindern.
Da der Ausmarsch traditionsgemäß an den Wohnungen der Offiziere begann und am Rathaus endete, damit jeder Schütze im Falle der Verteidigung seinen Platz kannte, war der Kompromiss, auf den Einmarsch nach dem Schützenhof zu verzichten. Nach 1770 kamen zudem schießfreudige Studenten nach Göttingen, die in der Feldmark trainierten. Dies wurde ihnen mit der Auflage verboten, sie müssten an den Schießständen trainieren. So lernten sich Schützen und Studenten besser kennen.

Während des nationalsozialistischen Regimes wurden die Vereine aufgelöst oder mit nationalsozialistischen Organisationen gleichgeschaltet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verbot die britische Militärregierung das Schützenwesen. Erst zwei Jahre später wurden wieder Vereine zugelassen – mit rein sportlicher Motivation. Im Februar 1949 gab es nach längerer Zwangspause in der Gaststätte Alte Fink Europa die erste Jahreshauptversammlung der Schützen nach dem Krieg und, um ausgefallene Feierlichkeiten nachzuholen, ein besonders großes Schützenfest. Die Schießwettbewerbe wurden mit einer eigens dafür angeschafften Armbrust ausgetragen, denn nach wie vor untersagten die Briten den Gebrauch von Gewehren.

Das 1927 erbaute Schützenhaus an der Hildebrandstraße hatte die Stadt an ein Unternehmen verkauft. Der Sportclub von 1905 gewährte den Heimatlosen Gastfreundschaft. Die Bürger-Schützen-Gesellschaft als Dachorganisation der städtischen Vereine wurde vom Oberschaffer, vier Schaffern (heute sind es fünf) sowie den Schützenherren – Oberbürgermeister und Oberstadtdirektor – angeführt. Im Juli 1953 übergab die Stadt eine auf dem Schützenplatz erreichtete Schießhalle. Planungen für ein neues Schützenhaus begannen 1955, 1956 folgte der Ratsbeschluss für den Bau. 1957 wurde das Gebäude, finanziert durch die Stadt, fertiggestellt. In der Mitte der 60er Jahre nahm die Mitgliederentwicklung nicht nur durch Eingemeindung umliegender Ortschaften eine rasante Entwicklung. In der Bevölkerung stieß der Schießsport auf breites Interesse: Die Zahl der Schießwettbewerbe rund um das Schützenfest stieg stetig, ebenso die Zahl der Teilnehmer. Ende der 1960er Jahre fiel der Beschluss zur Erweiterung des Schützenhauses in finanzieller Verantwortung der Schützen, aber mit städtischem Zuschuss. Bis 1974 wurde das Vorhaben realisiert.

Die Göttinger Zeitreise ist eine Geschichtswerkstatt des Göttinger Tageblattes und der Stadt Göttingen. Dafür werden Filmaufnahmen – derzeit vor allem aus den 1960er Jahren – sowie historische Fotografien gesucht. Material kann nach Registrierung über die Internetseite goettinger-zeitreise.de direkt hochgeladen oder per E-Mail an redaktion@goettinger-tageblatt geschickt werden. Informationen unter Telefon 05 51 / 90 17 66.