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Mit Sicherheit „Vater des deutschen Versicherungswesens“
Thema Specials Mit Sicherheit „Vater des deutschen Versicherungswesens“
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19:05 20.11.2017
Gedenken an den Unternehmensgründer: Das Denkmal für Ernst-Wilhelm Arnoldi auf dem Gelände der Gothaer Versicherungen. Quelle: Christoph Mischke
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Göttingen

Vor 40 Jahren, anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens, stiftete die Gothaer Lebensversicherung a. G. am 19. August 1977 der BBS 1 erstmalig den Arnoldi-Preis, der zum Andenken an Ernst-Wilhelm Arnoldi, verliehen wird. Jedes Jahr wird der Preis an Schülerinnen und Schüler verliehen, die sich in besonderer Weise durch Leistung, und durch soziales Engagement hervorgetan haben.

Wer aber war eigentlich dieser Ernst-Wilhelm Arnoldi, nach dem die Berufsbilde Schule 1 im Friedländer Weg benannt wurde und der als „Vater des deutschen Versicherungswesens“ gilt? Arnoldi wurde am 21. Mai 1778 als eines von neun Kindern des Kolonialwarenhändlers Ernst Friedrich Arnoldi und seiner Frau Sabine Elisabeth in Gotha geboren. Von 1794 bis 1799 ging er bei einer angesehenen Hamburger Handelsfirma in die Lehre. Seine dort gewonnenen Erfahrungen und sein Wissen über Export und Import bildeten die Basis für sein weiteres Berufsleben. 1799 trat er ins Geschäft seines Vaters ein und wurde schließlich sein Teilhaber. Neben seinen vielfältigen unternehmerischen Tätigkeiten hatten den Vater von vier Kindern immer auch Fragen des Gemeinwohls interessiert. Schon früh bemühte er sich um Gleichgesinnte für seine weitreichenden Ideen. Den von ihm gegründeten „Verein der Gothaer Innungshalle“ nutzte er geschickt als Informationszentrum für die Gothaer Kaufleute, als Ausbildungseinrichtung für den kaufmännischen Nachwuchs und als Diskussionsforum für seine Pläne der späteren Gothaer Versicherungsbanken auf Gegenseitigkeit.

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In dieser Innungshalle gründete Arnoldi im Jahr 1818 die erste deutsche Handelsschule, denn die Ausbildung des kaufmännischen Nachwuchses lag ihm besonders am Herzen. Arnoldi zeigte den Lehrlingen, aber auch den Lehrherren Lebensnormen auf, die ganz im Geist der Vernunft und der Aufklärung standen. Arnoldis Lebensmotto lautete: „Du lebst für Dich, wenn Du für Andere lebst“. Eine Grundeinstellung, die er auch seinen Berufsschülern vermitteln wollte. Besucher des Museums der deutschen Versicherungswirtschaft in Gotha finden unter anderem diese Zitate von Arnoldi an seine Lehrlinge: „Verdienstliche Handlungen erwerben Achtung“, „Heuchelei ist falsche Münze, Wahrheit ist echtes Gold“ oder „Auf krummen Wegen gehst Du krumm; Du gleitest auf schlüpfrigen. Geradheit ist des Mannes Zier“. Schlussendlich scheiterte Arnoldis Schule allerdings, weil viele Lehrherren ihren Auszubildenden den Besuch der Handelsschule verweigerten. Sollten sie ihnen doch lieber den Hausknecht und die Dienstmagd ersetzen. Aber Arnoldi hatte eine Idee in die Welt gesetzt, die im nächsten Jahrhundert realisiert werden sollte.

Veranlasst durch die Monopolstellung der englischen Versicherungen in dieser Zeit und damit einhergehend den schlechten Bedingungen im Schadensfall schrieb Ernst Wilhelm Arnoldi schon 1823 eine Denkschrift über die Gründung einer Lebensversicherungsbank. Erst die Übersetzung eines englischen Buches von Charles Babbage über die technischen Erfordernisse der Lebensversicherung in England im Jahr 1827 brachten das Projekt ins Rollen. Der Kaufmann und Unternehmer Ernst Wilhelm Arnoldi gründete 1827 eine die Lebensversicherungsbank, eine gesamtdeutsche Versicherung auf Gegenseitigkeit – „von Kaufleuten für Kaufleute“. Er schuf damit zusammen mit seinen Beratern neben den kapitalorientierten Aktiengesellschaften eine personale Unternehmensform mit dem liberalen Grundgedanken der gegenseitigen Hilfe.

Von Christoph Mischke