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Thema des Tages Prominente Gäste beim 31. Göttinger Kultursommer
Thema Specials Thema des Tages Prominente Gäste beim 31. Göttinger Kultursommer
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00:24 21.06.2019
Die Verwaltungsmitarbeiter Sebastian Otto, Julia Korrek und Stephanie Wedekind sind federführend für den 31. Göttinger Kultursommer. Quelle: Kuno Mahnkopf
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Göttingen

Katja Riemann kommt, Ilja Richter auch. Mit neun Abendveranstaltungen im Deutschen Theater (DT) und im Alten Rathaus will der Fachdienst Kultur der Stadt Göttingen Daheimgebliebenen und Gästen die Sommerferienzeit versüßen. Die allein füllen allerdings nicht das Programmheft für den 31. Göttinger Kultursommer vom 6. Juli bis 17. August. Wie in den Vorjahren werden über die Eigenveranstaltungen hinaus Partner aus dem Kulturbetrieb berücksichtigt und vorgestellt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Als feste Outdoor-Bausteine gehören dazu wieder das Musikfestival im Kaiser-Wilhelm-Park (KWP), der Larifari-Kindersommer auf der Außenbühne des Dots im Börnerviertel und das Open-Air-Kino des Lumières im Freibad am Brauweg.

Open-Air-Kino im Freibad

Blockbuster, Komödien, Klassiker, Musikfilme. 27 Vorstellungen, 27 Filme zeigt das Programmkino Lumière im Zeitraum vom 28. Juni bis 31. August beim Open-Air-Kino im Freibad am Brauweg. Auf der Liste stehen unter anderem Monsieur Claude, Gegen den Strom, das Queen-Biopic Bohemian Rhapsody, die Fortsetzung des Abba-Musicals Mamma Mia, Captain Marvel, Der Trafikant, die Rocky Horror Picture Show und Der Junge muss an die frische Luft, die Verfilmung von Hape Kerkelings Autobiographie. Die Filmvorführungen an der frischen Luft beginnen tageslichtbedingt im Juni um 22 Uhr und verschieben sich bis August um eine Stunde nach vorne. Weitere Sommer-Highlights, auf die im Kultursommer-Programmheft hingewiesen wird, reichen von einem Tango-Open-Air der Katholischen Hochschulgemeinde über die Göttinger Märchenwoche bis zu Stadtwald-Exkursionen. ku

Kultursommer unter neuer Regie

Dort war Julia Korrek, die seit Herbst bei der Stadt beschäftigt ist und erstmals den Kultursommer plant und koordiniert, schon Dauergast, als sie in Göttingen Kulturanthropologie studierte. Gänzliches Neuland betritt sie mit dem Kultursommer nicht. Weitere Stationen der 31-Jährigen aus Weimar waren Regieassistenz am DT, Theaterwissenschaftsstudium in Leipzig, Dramaturgin am Mecklenburger Staatstheater und Mitarbeit beim Kunstfest in Weimar. Das spielt in einer anderen Liga als der Göttinger Kultursommer, bietet 100 Veranstaltungen an 21 Tagen, hat internationale Dimensionen und ein viel höheres Budget.

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Für Göttingen hatte Kultur-Fachbereichsleiter Hilmar Beck auch Eric Burdon auf dem Schirm, der jetzt am 22. Juni auf seiner Abschiedstour Station in Bad Sooden-Allendorf macht. Das war aber nicht machbar. „Leider nicht unsere Kragenweite“ sagt Beck, freut sich aber zugleich über das abwechslungsreiche Programm des seit Jahrzehnten etablierten Kultursommers, der mit Musik, Theater, Kabarett und Literatur breit aufgestellt ist. Das Freiluftprogramm würden Korrek und Beck perspektivisch gerne ausweiten, stoßen dabei aber an logistische Grenzen. Der Cheltenham-Park, der in der Vergangenheit einbezogen wurde, habe sich nicht bewährt.

Schwere und leichte Sommerkost

Schauspielerin Katja Riemann will im Deutschen Theater den Schriftsteller Edgar Hilsenrath und den Komponisten Kurt Weill zusammenführen. Quelle: Thomas Müller

Das Zitat „Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten“ trifft auf den „Summer in the City“ in Göttingen jedenfalls nicht zu. Da steht die Sonne ebenso hoch im Kurs wie die Kultur. Mit dem Bowie-Musical „Lazarus“ verabschiedet sich zwar das DT zum Ende der Spielzeit ebenso wie Orchester und weitere Kultureinrichtungen in die Sommerpause, kann aber weiter als Bühne genutzt werden. Dort startet der Kultursommer am 6. Juli multimedial mit Schauspielerin Katja Riemann, Videoinstallationen ihrer Tochter Paula und dem französischen Jazzpianisten Guillaume de Chassy am Klavier. Riemann präsentiert nach der Premiere im März in Dessau in Göttingen als zweiter Station ihr Programm „Das Märchen vom letzten Gedanken“. Darin führt sie das gleichnamige Epos des deutsch-jüdischen Schrifttstellers Eddgar Hilsenrath über den Genozid an den Armeniern mit der Musik von Kurt Weill zusammen.

Schauspieler Ilja Richter knöpft sich Karl May vor. Quelle: r

Leichtere Sommerkost verspricht Ilja Richter, der sich am 7. Juli im DT unter dem Motto „Vergesst Winnetou“ unterhaltsam mit dem „schrägen Leben“ von Karl May befassen will – inklusive Lesung von Textpassagen, eigenen Liedern und Chansons, Anekdoten und Erzählungen über die Winnetou-Filme, Pierre Brice und Lex Barker. Richter, der sich in den 1970er-Jahren mit der ZDF-Show Disco („Licht aus, Spot an“) ins kollektive Gedächtnis der Fernsehnation eingebrannt hat, ist nicht der einzige Kultursommer-Gast, der Querverbindungen nach Göttingen hat. Am DT spielte Richter 2008 Richard III. Auch Riemann und die Kabarettistin Tina Teubner standen schon in Göttingen auf der Bühne, Franziska Menz hat ihre Schauspielkarriere am DT begonnen, Karl Miller ebenfalls eine DT-Vergangenheit.

„Das Imperium schlägt was vor“

Miller gastiert am 3. August mit seinem Solo-Programm „Einmalig“ im Alten Rathaus. Dazu gehören ein Traktat über alberne Kostüme, Lesungen aus Schubladen-Romanen, intime Kochrezepte und eine performative Tanzeinlage zum Brexit. Tina Teubner will am 14. Juli zwei Stunden lang das Publikum mit ihrem Programm „Wenn Du mich verlässt, komm ich mit“ aufscheuchen. Und Menz wird am 15. August von Michael Retting am Klavier begleitet, wenn sie sich Elena Ferrantes Weltbestseller „Meine geniale Freundin“ widmet.

Das Theaterkollektiv Candlelight Dynamite hat sich des Andersen-Märchens "Die wilden Schwäne" angenommen. Quelle: r

Besonders freut sich Korrek auf das Live-Hörspiel „Die wilden Schwäne“ des Theaterkollektivs Candlelight Dynamite am 20. Juli. Angekündigt wird die als szenische Lesung beginnende Performance auf Basis des Andersen-Märchens mit „blitzschnellen Rollen- und Perspektivwechseln, liebevoll zusammengeschusterten Spielobjekten und Live-Musik“ als „Theaterfeuerwerk zwischen Poesie und Chaos“. Augenzwinkernd vielversprechend erscheint auch der Titel „Das Imperium schlägt was vor“. Unter diesem Motto haben die Rostocker Kabarettiten Christopher Dietrich und Erik Raab die Seelenlage der Nation erkundet und zu einem satirischen Rundumschlag zwischen „Flächenland und Flächenbrand, Veschwörungstheorien und -praxis, Wellnessflair und Bürgerwehr“ ausgeholt. Zu erleben am 21. Juli im Alten Rathaus.

Musikalischer Blick zurück

Youkali nennen sich vier Musikerinnen aus Dresden, die ihr neues Programm "Seiltänzerin ohne Netz" präsentieren. Quelle: r

Mit heiter-melancholischen Kompositionen Flair der Weimarer Republik verbreiten will das Dresdner Musikerinnen-Quartett Youkali am 11. Juli. Grundlage sind die Gedichte der jüdischen Lyrikerin Mascha Kaléko. Live-Musik gibt es auch am 10. August im Alten Rathaus. Die Retro-Band Cloud 6 um den gebürtigen Göttinger Entertainer Kim Lucian Shastri beschwört unter dem Motto „Swing’n’Soul meets Rock’n’Roll“ den musikalischen Geist der 1950er-Jahre.

Swing backwards: Die Retro-Band Cloud 6 beschwört die Musik der 1950er-Jahre. Quelle: r

Den Blick in die Vergangenheit lenkt auch das Plakat, das für den Kultursommer wirbt: Das schwarz-weiße Motiv stammt aus der Fotosammlung des städtischen Museums und zeigt Flaneurinnen, die im Sommer 1966 auf der Groner Straße wegen ihrer Rocklänge die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Knallgelb koloriert ist nur das Minikleid. Ein historischer Schnappschuss, der von einer neuen Zeit kündete.

KWP-Festival mit Joris und Carrack

In den Kultursommer eingebettet ist das KWP-Festival „Musik im Wald“ am 16. und 17. August, das zugleich den Schlussakzent setzt. Am Freitag steht deutschsprachige Musik auf dem Programm, am Sonnabend geht es international weiter. Topacts sind Joris und Paul Carrack, der schon in der Band „Mike & the Mechanics“ des Genesis-Bassisten Mike Rutherford mitgemischt hat.

Punk-Rapper und Indie-Pop

Bevor der 28-jährige Joris am Freitag sein zweites Album „Schrei es raus“ vorstellt, sind auf der Open-Air-Bühne zunächst Wolf:Gang, Tom Schreibers Blume und Lary zu erleben. Die Punk-Rapper Wolf:Gang sind aktuelle Gewinner des Göttinger Local-Heroes-Contests. Die deutschsprachige Göttinger Indie-Pop-Band Tom Schreibers Blume hat nach dem Gewinn des Local-Heroes-Bandwettwerbs in Göttingen und dem zweiten Patz beim Landesfinale in Hannover eine Deutschlandtour gestartet und tritt jetzt wieder in ihrer Heimatstadt auf. Sängerin Lary wird im Programmheft als „Rolling Stone in High Heels“ angekündigt, als „oberflächliche Diva und charmanter Prolet mit Tiefgang in einem“. Textprobe: „Am schönsten ist das Gleichgewicht, kurz bevor’s zusammenbricht“. Vier Jahre nach ihrem Debütalbum gibt sich Lary auf „Hart fragil“ den Kontroversen des Lebens hin, singt mal stark und mal zerbrechlich.

Joris ist am Freitag Headliner beim KWP-Festival. Quelle: r

Mit seiner warmen Stimme und erdigem Analog-Sound hat sich Joris in junge Herzen gespielt. Drei Jahre nach seinem Albumdebüt „Hoffnungslos Hoffnungsvoll“, nach 300 Konzerten und drei Echos bringt er seine neue Veröffentlichung „Schrei es raus“ nach Göttingen mit. Die soll „noch persönlicher und noch durchlässiger“ ausgefallen sein, heißt es im KWP-Flyer.

Blues und erdiger Rock

Als Nina Attal bei einem französischen Bluesfestival ihre Karriere startete, war sie 17 Jahre alt. Quelle: r

Aus dem Boat People Projekt hervorgegangen ist die Band „On Air Reloaded“, die am Sonnabend nach dem Gewinner des Bandcontests „Rock im Kaufpark“ eine Songauswahl aus dem kurdischen, arabischen und persischen Kulturkreis kredenzt. Bei Bluesfestivals in ganz Europa ebenso wie beim legendären Montréal-Jazzfestival aufgetreten ist Nina Attal, die eine sechsköpfige Band in den KWP-Park mitbringt und inzwischen drei Alben herausgebracht hat.

 

Als alter Hase beendet Paul Carrack das Open-Air, der mit dem gefühlvollem Rock und Pop seines neuen Albums „These Days“ auf Tour ist. Als Sessionmusiker hat Carrack dereinst drei Alben mit Roxy Music aufgenommen, ist als Sänger und Instrumentalist bei Künstlern wie Elton John, Roger Waters, den Eagles, Diana Ross und The Smiths gefragt gewesen und spielt in Eric Claptons Band mit. Über seine neuen Kompositionen heraus will er in Göttingen auch die Hits von Mike & the Mechanics spielen.

Topact am Sonnabend ist Paul Carrack. Quelle: R

Das KWP-Festival „Musik im Wald“ beginnt an beiden Tagen jeweils um 19.30 Uhr. Federführend bei der Stadtverwaltung ist Sebastian Otto. Die Straße zum KWP wird wieder gesperrt, die Göttinger Verkehrsbetriebe richten einen kostenlosen Busshuttle-Dienst ein. Die Busse pendeln von 18.45 Uhr bis 2 Uhr im 15-Minuten-Takt zwischen Innenstadt und KWP-Park.

Kindersommer im Börner-Viertel

Ein weiterer Baustein des Kultursommers ist das Kinderprogramm Larifari mit vier Veranstaltungen jeweils um 15 Uhr auf der Open-Air-Bühne des Dots im Börnerviertel. Bei der Stadtverwaltung hat Stephanie Wedekind dafür den Hut auf. Am 7. Juli packen Zaches und Zinnober ihren Koffer mit Abenteuerliedern aus, am 14. Juli ist Musikclownin Augustine alias Jutta Steinmetz mit ihrem Mitmachprogramm an Bord. Eine Lesung mit Kinderbuchautorin Stefanie Taschinski (“Die kleine Dame melodiert ganz wunderbar“) aus Hamburg steht am 4. August an, am 11. August präsentiert das Göttinger Buchfink-Theater mit „Hintertürgeschichten“ „Kuscheltierische Abenteuer mit Figuren und Musik“. ku

Bildergalerie zum Göttinger Kultursommer 2017

Von Kuno Mahnkopf

17.06.2019
07.06.2019