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Thema des Tages 40 Jahre „Freizeit in“: Ein Haus im ständigen Wandel
Thema Specials Thema des Tages 40 Jahre „Freizeit in“: Ein Haus im ständigen Wandel
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10:00 24.12.2018
Anfangs noch als Sporthotel konzipiert: das „Freizeit In“ an der Dransfelder Straße in Göttingen.
Anfangs noch als Sporthotel konzipiert: das „Freizeit In“ an der Dransfelder Straße in Göttingen. Quelle: r / Hotel Freizeit In
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Göttingen

Das Hotel „Freizeit In“ am Göttinger Stadtrand feiert dieser Tage sein 40-jähriges Bestehen. In einem sehr persönlichen Interview erinnert sich Olaf Feuerstein, geschäftsführender Gesellschafter des Hauses, an die Anfänge, einige dramatische Veränderungen – und an ganz besondere Momente. Außerdem verrät er, wie es 2019 mit dem Haus weitergehen soll.

Herr Feuerstein, wie kam es damals, Ende der 70er-Jahre, zu der Idee, ein Sporthotel am Göttinger Stadtrand zu errichten? Und wie schnell kam es dann tatsächlich zur Umsetzung?

Damals suchte Herr Löb eine passende Tennishalle zum Spielen, fand keine geeignete und erwarb kurzerhand das Grundstück neben dem Tageblatt. Etwas später kamen noch etwas Gastronomie und die ersten 72 Hotelzimmer dazu – so entstand das Freizeit In, das Sporthotel Freizeit In. Viele haben die Lage „draußen“ damals belächelt. Jahre später wurde die Lage direkt an der A7 zum Erfolgsgaranten.

Auf Ihrer Internetseite schreiben Sie von „40-jähriger Verwandlung“. Wie häufig muss sich ein etabliertes und anerkannt hochwertiges Hotel wie das „Freizeit In“ neu erfinden?

Ein Unternehmen hat mindestens einmal in jeder Dekade die Aufgabe, sich neu zu definieren oder zu überprüfen. So wandelte sich das Freizeit In vom Sporthotel zum sportlichen Tagungshotel, später dann zum Tagungs- und Eventhotel. Mit den nun anstehenden Investitionen läuten wir den nächsten Schritt ein, um für die nächsten Jahre am Markt auch weiterhin voll wettbewerbsfähig zu sein.

Klausurtagung und Fußball-WM

Auf welche Highlights in den verschiedenen Dekaden denken Sie besonders gern zurück? Was waren die absoluten Höhepunkte in der Geschichte des Hauses?

Höhepunkte waren sicherlich die Entstehung des Hauses als solches selbst, die Verdoppelung der Zimmeranzahl im Jahr 1994 sowie der Bau der Orangerie. Die Bundesklausurtagung der CDU bescherte dem Freizeit In in den Abendnachrichten ein Millionenpublikum, und 2006 war sicherlich der Aufenthalt der mexikanischen Fußball-Nationalmannschaft etwas ganz Besonderes.

Derzeit feiern Sie den runden Geburtstag mit verschiedenen Jubiläumsangeboten – und laden die Leute in diesem Kontext ein, sich mal wieder auf der Kegelbahn auszuprobieren. Wird denn das Kegelangebot heute noch angenommen, oder stürzt sich die Kundschaft nur noch auf „modernere“ Freizeitbeschäftigungen? Gerade erst haben Sie ja beispielsweise Badminton-Felder eingerichtet.

Kegeln hatte früher einen höheren Stellenwert. Der Nachwuchs schwächelt in diesem Bereich, da sich die Freizeitaktivitäten stark verändert haben. Aber dennoch erlebt das Kegelangebot spontan bei Tagungsgruppen und Kindergeburtstagen immer wieder einen Höhenflug. Die Jubiläumsangebote werden sehr stark gebucht, besonders die Kegel- und Tennisangebote.

Kulinarik „dramatisch verändert“

Ein weiteres Jubiläumsangebot ist das Retro-Menü mit hausgebeiztem Lachs, Chateaubriand und Pfirsich Melba. Und wer mag, kann das Ganze sogar 1:1 in D-Mark bezahlen. Wie „dramatisch“ hat sich eigentlich die Kulinarik in 40 Jahren „Freizeit In“ verändert?

Ich selbst habe von 1978 bis 1980 mal Koch gelernt und müsste heute eigentlich diesen Beruf bei einem Neustart noch einmal von Neuem erlernen. Sowohl die Art und Weise des gesamten Speisenangebotes, als auch der Umgang mit Produkten und deren Produktionsweise haben sich dramatisch verändert. Aber: Alte Klassiker sind bei den Gästen immer wieder sehr beliebt und erfreuen sich hoher Reservierungsraten.

In der Unternehmensphilosophie stellen Sie den besonderen Wert Ihrer Mitarbeiter heraus. Ist der Erfolg des „Freizeit In“ auch ein Resultat von funktionierendem Teamwork?

Was nützt eine schöne Fassade aus Glas und Marmor, wenn sich die Mitarbeiter im Haus selbst nicht wohl und verstanden fühlen? Unsere Gäste werden sich nur wohlfühlen, wenn sich auch unsere Mitarbeiter im Unternehmen wohlfühlen. Ohne unser gut funktionierendes Team wären wir nicht einmal halb so gut. Daher investieren wir zukünftig sicherlich weniger in die Gebäudefassade, sondern vielmehr und lieber in die Seele unseres Hauses: unsere tollen Mitarbeiter.

Wie alles begann – und weitere Impressionen aus 40 Jahre Hotel-Geschichte.

Dass Ihnen Toleranz und gegenseitiger Respekt wichtig sind, haben Sie 2016 eindrucksvoll bewiesen, als Sie sich schützend vor eine Mitarbeiterin mit Kopftuch gestellt haben, die von einem Gast nicht bedient werden wollte. Sie setzten ihn vor die Tür. Werden Sie heute noch darauf angesprochen?

Ja! Leider erleben wir diese Dinge immer wieder. Die Hemmschwelle vieler, sich negativ über Bürger mit Migrationshintergrund zu äußern, ist zu Zeiten der AfD eher gesunken. Viele Migranten sind in Deutschland besser integriert als so mancher Bundesbürger, der hier ohne Migrationshintergrund aufgewachsen ist.

Bodenständigkeit bewahrt

Herr Feuerstein, mit Ende 20 sind Sie als Wirtschaftsdirektor ins „Freizeit In“ eingestiegen, mit Anfang 30 waren Sie bereits mit 19 Prozent beteiligt. Heute gehören Ihnen 77,5 Prozent des „Freizeit In“. „Vom Tellerwäscher zum Millionär“: Stört es Sie eigentlich, wenn man das über Sie sagt?

Ich komme aus bescheidenen Verhältnissen und bin froh, dass es mir heute gut geht. Hierbei vernachlässige ich niemals meine Wurzeln und gebe zurück wo ich nur kann – in welcher Art auch immer. Als Unternehmer trägt man neben hoher Verantwortung auch ein hohes wirtschaftliches Risiko. Insofern sieht manches auf den ersten Blick vielleicht vermögend aus, allerdings dienen die Rücklagen der Sicherheit des Unternehmens und der Arbeitsplätze. Von außen sieht vieles leichtfüßig und einfach aus, so ist es aber in der Wirklichkeit kaum. Insofern achte ich tagtäglich darauf, mir meine Bodenständigkeit und vernünftige Bescheidenheit als Grundwert zu erhalten. Dann kann eigentlich nicht viel passieren.

Das „Freizeit In“ ist mehrfach zum „besten Tagungshotel Deutschlands“ gekürt worden. Wie lässt sich ein solches Niveau dauerhaft halten – zumal das vor 40 Jahren ja gar nicht der primäre Ansatz war?

Es war in 1999 das Ziel, mit unseren guten Leistungen für besonders hohe Aufmerksamkeit im bundesdeutschen Tagungsmarkt zu sorgen. Das gelingt mit anerkannten Auszeichnungen am besten, allerdings war der Weg dorthin aufgabenreich. Solch eine Phase der „Einheimserei“ diverser Auszeichnungen kann man mal machen, allerdings reicht das allein auch nicht. Was nützt die schönste Auszeichnung, wenn der Kunde am Tag danach nicht zufrieden ist? Insofern ist die dauerhafte Gästezufriedenheit die schönste Auszeichnung.

Pläne für die Zukunft

„Wer weiß, was die Zukunft noch bringt…“, schreiben Sie auf Ihrer Homepage. Dann mal ganz konkret nachgefragt: Was bringt denn die Zukunft? Was sind Ihre nächsten Pläne für das „Freizeit In“?

Wir stehen inmitten diverser Planungen und beginnen in 2019 mit einem Restaurantumbau, bevor wir danach die Orangerie und diverse Tagungsräume renovieren. Wenn der Orangerie-Umbau angelaufen ist, wird der Hotelneubau in direkter Nachbarschaft starten. Als Abschluss ist zur Zeit der Bau einer großen Tagungshalle am Platz der Orient Lounge geplant. Wenn diese drei- bis vierjährige Bau- und Planungszeit abgeschlossen ist, ist unser „Freizeit In“ für die nächsten 15 bis 20 Jahre top für alle Herausforderungen am Markt gerüstet.

Von Markus Riese