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Thema des Tages 50 Jahre Kunstverein Göttingen
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15:17 10.08.2018
Patronenhülsen, aufgestellt von Raffael Rheinsberg zur Ausstellung „Skulptur als Feld“ im November 2002. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Vor 50 Jahren, am 15. Februar 1968, gab es den Eintrag des Kunstvereins ins Göt­tinger Vereinsregister. Die Vorsit­zenden damals: Prof. Wilhelm Treue und Dr. Heinrich Wurm, stellvertre­ten­der Chefredakteur des Göttinger Tageblattes. Am Sonnabend, 11. August, feiert der Verein das Jubi­lä­um im Künstlerhaus, seinem Sitz.

Wurm, Ratsherr und Mitglied im Kulturausschuss, sei nach ihren Erkenntnissen in den Anfangsjahren die treibenden Kraft gewesen, hatte Annerose Arglebe, Jahrzehnte später im Vorstand des Kunstvereins, 2002 recherchiert und bei der Jahreshauptversammlung des Kunstvereins vorgetragen. Wurm hatte bereits 1967 in einem Schreiben an den niedersächsischen Kultusminister diesen von der bevorstehenden Gründung unterrichtet. Auch ein passendes Gebäude sei gefunden – das Rhons’sche Badehaus im heutigen Cheltenham-Park. Wurm bat um Förderung: 70­ 000 Mark wären ein Ausgangspunkt für die Finanzierung der 200 000 Mark, die der Umbau des Hauses kosten würde.

Am 3. Februar 1968 kamen honorige Göttinger zur Vereinsgründung beim Kulturdezernenten der Stadt zusammen. Ein Bankdirektor war unter den Gründungsmitgliedern, der Kustos der Universitätskunstsammlung und im erweiterten Vorstand zwei Parteienvertreter von SPD und FDP, ein Architekt und Kunstkritiker, der Kulturdezernent, der pädagogische Leiter der Volkshochschule, der Leiter des Städtischen Museums und der Vorsitzende des Bundes Bildender Künstler der Region. Eine erste Ausstellung eröffnete der Verein einen Monat später. Erst um das Jahr 1980 zog der Kunstverein an seinen heutigen Standort, das Künstlerhaus, Gotmarstraße 1, das Gebäude, in dem einst Georg-Christoph Lichtenberg (1742-1799) gelebt hatte.

Werke von Edvard Munch, Emil Nolde und Ernst Ludwig Kirchner

Vieles aus 50 Jahren Kunstverein kann Geschäftsführer Helmut Wenzel berichten, denn er ist seit 36 Jahren dabei. Der erste Vorsitzende, mit dem er zusammenarbeitete, war Ernst-Jürgen Kirchertz, ein Internist, der gut vernetzt im Kunstbetrieb gewesen sei, sagt Wenzel. Sein Vorteil: Damals, zu Beginn der 1980er-Jahre habe der Kunstverein noch Klassiker ausstellen dürfen, erklärt Wenzel. Werke von Edvard Munch, Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner und Ernst Wilhelm Nay habe der Kunstverein nach Göttingen geholt, was sich deutlich bei den Besucherzahlen bemerkbar machte. Vor Kirchertz leiteten Karl Arndt vom kunstgeschichtlichen Seminar die Geschicke des Vereins, danach dann Günter Blümel, pädagogischer Leiter der Volkshochschule.

Ausstellung Indische Kunst Altes Rathaus Ausstellung des Göttinger Kunstvereins: Zeitgenössische indische Kunst Quelle: Peter Heller

Nach Kirchertz arbeitet Wenzel zusammen mit den Vorsitzenden Kurt von Figura, Präsident der Göttinger Universität. Ihm bescheinigt Wenzel „ein unglaubliches Engagement in der Programmgestaltung“. Und: Er habe sich in kürzester Zeit in den aktuellen Kunstbetrieb hineingefunden. mit Stefanie Heraeus, Bernd Milla, Laura Schleussner und dem aktuellen Vorsitzenden Friedrich-Wilhelm Becker. Heute könne rein zeitlich niemand aus dem Vorstand die künstlerische Leitung voll übernehmen. Das inhaltliche Programm wird seit dem Jahr 2016 von freiberuflichen Kuratoren bestimmt, derzeit hat Tomke Braun diesen Job übernommen. Gerade diese jungen Programmgestalter haben ihre Fokus auf der jungen Kunst, auf Gegenwartsbezug und auf den Einsatz neuer Medien. Wenzel: „Wir dürfen gar nichts anderes machen.“ Anderenfalls würde viel öffentliche Förderung verloren gehen.

Ein Kunstmuseum für Göttingen

In die Ära Figura fällt ein Plan, der große Ähnlichkeit mit aktuellen Planungen aufweist. Der Kunstvereinsvorsitzende wollte ein Kunstmuseum für Göttingen schaffen. Unterstützung dafür habe er von Thomas Oppermann erhalten, dem damaligen sozialdemokratischen niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur, erinnert sich Wenzel. Das Auditorium Maximum am Weender Tor war als Standort bereits auserkoren, ein Baselitz-Sammler habe seine Sammlung als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen wollen. Der Kunstverein und die Kunstsammlung der Universität sollten dort einziehen. „Das wäre ein Kleinod geworden“, meint Wenzel.Doch mit Verweis auf die Folgekosten für ein Kunstmuseum habe der Rat der Stadt Göttingen dagegen entschieden.

Dies war ein willkommener Anlass für Christian Jankowski, 1968, im Gründungsjahr des Kunstvereins geboren, heute Professor an der Akademie in Stuttgart und einer der Stars der Szene. Er sollte 2004 auf Einladung des Kunstvereins im Alten Rathaus ausstellen. Wenige Wochen vor Beginn der Schau erfuhr er von den gescheiterten Museumsplänen und plante seine Schau als Eröffnung eines Göttinger Kunstmuseums. „Alles was Rang und Namen hatte, kam zur Eröffnung“, sagt Wenzel. Die meisten hielten die Show für echt. Dabei handelte es sich doch um eine geschickt eingefädelte Eulenspiegelei Jankowski.

Künstler Christian Jankowski bei Cron&Lanz Filename. Quelle: GMAG

Eine weitere Großausstellung sorgte auch international für Furore. Ende Juli 2001 startete die Schau „Skulptur als Feld“ mit Werken von künstlerischen Schwergewichten wie Raffael Rheinsberg und David Rabinowitch. Mit einem gewissen Stolz blickt Wenzel zurück auf die Ausstellung „India is now“, die im November und Dezember 2011 im Alten Rathaus lief – „die erste institutionelle Ausstellung indischer Kunst in Deutschland“.

Von Peter Krüger-Lenz

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