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Thema des Tages Abschied von Detlef Johannson: „Chapeau, joh!“
Thema Specials Thema des Tages Abschied von Detlef Johannson: „Chapeau, joh!“
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06:02 29.03.2018
ID 2012-01-392 Detlef Johannson und Ulla Borchard für dieZeitreise
ID 2012-01-392 Detlef Johannson und Ulla Borchard für dieZeitreise Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

So verabschieden sich verschiedene Göttinger von dem Pressesprecher der Stadt Göttingen:

Im Stil unerreichbar

„Vor 15 Jahren saß ich im Büro von Detlef Johannson. Er hatte sich bereit erklärt, Journalistennachwuchs des Tageblatts die Aufgaben eines Pressesprechers nahe zu bringen. Für ältere Kollegen war „joh“ eine Institution, wir jüngeren waren ehrfürchtig. Das wollte ich mir nicht anmerken lassen. Was er so mache, fragte ich. Sein Tag erschöpfe sich doch sicherlich nicht im Warten auf Anrufe von Journalisten? Ich fand das schneidig. Was er antwortete, habe ich nur bruchstückhaft behalten. In Erinnerung geblieben ist mir aber das feine Lächeln, mit der sie vorgetragen wurde. Das konnte ich damals nicht deuten.

Ulrich Lottmann, Pressesprecher des Landkreises Göttingen. Quelle: Swen Pförtner

Heute weiß ich, Pressesprecher ist nur eine der vielen Aufgaben des Leiters Öffentlichkeitsarbeit einer großen Kommune. Heute weiß ich, die Glaubwürdigkeit, die Professionalität, das Durchsetzungsvermögen und bei Bedarf die Gelassenheit von Detlef Johannson sind Maßstab für einen guten Pressesprecher. Er hat die Latte hoch gelegt. Unerreichbar ist sein Stil, mit grobem Säbel geführte Fragen mit dem Florett zu parieren. Ich trage diese Narbe als Ehrenzeichen.“

Ulrich Lottmann, Pressesprecher Landkreis Göttingen

Chapeau, joh!

Am 1. Juni 2010 um 21.33 Uhr schreckt ein gewaltiger Knall die Bürger in Göttingen und Umgebung auf. Auf dem Schützenplatz ist eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg detoniert, drei Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes kommen dabei ums Leben. Noch am gleichen Abend sind auf der Homepage der Stadtverwaltung erste Informationen und Reaktionen zu finden: „Ganz Göttingen trauert um die Männer, die ihr Leben lassen mussten.“ Nicht nur die Göttinger sind erschüttert über das tragische Ereignis. Zehntausende klicken die Internet-Seite an, um Näheres über die verheerende Explosion zu erfahren. Verwaltungssprecher Detlef Johannson muss Journalisten aus ganz Deutschland und dem Ausland mit Informationen versorgen – und zeigt in dieser Stresssituation, dass er ein versierter Kommunikationsmanager ist. Bereits am nächsten Vormittag findet eine gemeinsame Pressekonferenz der Verwaltung mit dem Innenminister und Vertretern der Polizei statt. In den folgenden Stunden und Tagen beantwortet er unzählige weitere Anfragen von Journalisten, kompetent, unaufgeregt, immer auf dem neuesten Stand. Chapeau, joh!

Heidi Niemann, Journalistin. Quelle: Peter Heller

Heidi Niemann, Journalistin (Presse-Info-Dienst)

Tageblatt-Fotos aus der Amtszeit von Detlef Johannson, Pressesprecher der Stadt Göttingen von 1978 bis 2018

Sprachgewandt - kreativ - loyal - seriös

Joh der Journalist: im Vorfeld meiner Wahl und bis Herbst 1978 als Kämmerer und Stadtdirektor: joh war aufgrund seiner mehrjährigen Erfahrung in der Göttinger Kommunalpolitik und einer starken Vernetzung in ihrem Umfeld stets bestens informiert. Ein fairer Beobachter und konstruktiver Begleiter der Ereignisse und Entscheidungen von Rat und Verwaltung - ein guter Sachwalter der „vierten Gewalt“.

Rolf Vieten Quelle: Hinzmann

Joh der Pressesprecher: Im Oktober 1978 kamen mit Ulla Borchard (Städtepartnerschaften und Tourismus) und Joh die wichtigsten Vertreter der Kommunalredaktion des GT als Mitarbeiter ins Neue Rathaus. Die Pressearbeit wurde sehr schnell und für alle erkennbar professioneller. In dieser Zeit war unser Kontakt nur sporadisch. Naturgemäß änderte sich das mit meinem Amtsantritt als Oberstadtdirektor im Dezember 1980. Zu jedem Zeitpunkt konnte ich mich auf ihn verlassen - das galt sowohl für die Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung als auch hinsichtlich seiner Beziehungen zu seinen ehemaligen Kollegen in allen Medien. Besonders erinnere ich mich an zahlreiche Stunden - häufig bis in die späten Abendstunden - vor wichtigen Ereignissen und Reden, um nur einige zu nennen - „Haushalt“ - „Freiheit der Kunst“ - und ja auch „Schützenfrühstück“. Wir diskutierten über „Gott und die Welt“ und fanden so gemeinsame Ergebnisse.

Gerne erinnere ich mich an unsere langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit.

Rolf Vieten, Stadtdirektor, Kämmerer, Oberstadtdirektor der Stadt Göttingen von 1976-1988

Blaue Wolke

In meiner Zeit als erster hauptamtlicher Oberbürgermeister der Stadt Göttingen (2000 - 2006) habe ich Herrn Johannson stets als sehr zuverlässigen, kompetenten Mitarbeiter im Referat des OB erlebt. Beeindruckt hat mich immer sein profundes Wissen über Verwaltungsvorgänge aller Art, auch wenn sie schon längere Zeit zurücklagen. Hinzu kam seine Fähigkeit, das mir sehr geläufige Behörden- und Juristendeutsch in allgemein verständliche Sprache zu verwandeln. Da kam der „gelernte Journalist“ zur Entfaltung. Das merkte ich auch in vielen Besprechungen, die er mit feiner Ironie bereicherte.

Saure Gurken Party im Jahr 2003: 1050. ste Besucherin Heidi Niemann (rechts) bekommt von Oberbürgermeister Jürgen Danielowski (links) und Detlef Johannson Mitte einen Gutschein über 1050 Euro Cent für Saure Gurken, einzulösen auf dem Wochenmarkt. Quelle: GLOK

Zu meinem Bedauern musste ich aber einmal zu seinem und seiner Mitarbeiterinnen Nachteil entscheiden: Das Rauchverbot in den Diensträumen des Rathauses traf ihn wohl recht hart. Wenn man in der Zeit vorher die Tür zum Bereich 01.3 (verwaltungsinterne Bezeichnung für „Öffentlichkeitsarbeit im Referat des OB“) öffnete, kam einem erst einmal eine blaue Dunstwolke entgegen. Das änderte sich dann also, ohne dass sich das aber auf die Qualität der geleisteten Arbeit (zahllose Pressemitteilungen, Grußworte, Redebeiträge etc.) auswirkte.

Für den nächste Woche beginnenden neuen Lebensabschnitt wünsche ich Herrn Johannson viel Freude an der gewonnenen Freiheit und Freizeit. Möge sein Lieblingsverein HSV wieder die Erfolgsspur finden und der Karneval in Fulda ihn auch in Zukunft erfreuen.

Jürgen Danielowski, Oberbürgermeister der Stadt Göttingen von 2000 bis 2006

Tulpen, Narzissen und Terzetten

Ein guter Freund, mit dem mich sehr viel verbindet, geht in den wohlverdienten Ruhestand. An einem solchen Tag erinnert man sich gern an vergangene Zeiten. Was haben wir alles erlebt bei „05“ und außerhalb des Vereins. Viele Stunden, die man nicht vergessen möchte, werden wieder gegenwärtig. Bei dieser gedanklichen Reise zurück fällt mir eine schöne Geschichte ein:

Im Frühjahr 1982 an einem Mittwochnachmittag schenkte mir joh einen riesigen Strauß, bestehend aus Tulpen, Narzissen und Terzetten, ohne besonderen Grund. Das bleibt unvergessen, denn nie wieder habe ich solch einen Strauß bekommen.

Gertrud Jander, langjährige Geschäftsführerin des 1. FC Göttingen 05. Quelle: Christina Hinzmann / GT

Vor 40 Jahren begann unsere Zusammenarbeit und war auch der Beginn einer bis heute anhaltenden Freundschaft. Höhen und Tiefen haben wir gemeinsam bei 05 erlebt und gemeistert. Aber unsere Freundschaft hat allen Stürmen zum Trotz nicht gelitten und immer noch Bestand.

Meine Wünsche für einen Freund, der seit langer Zeit ein wichtiger Bestandteil meines Lebens ist, dass er gesund bleibt und wir noch oft Gelegenheit haben, mit Freunden uns in froher Runde zu einem Gläschen Wein oder zwei zusammen zu finden.

Gertrud Jander, war von 1978 bis 1997 Geschäftsführerin des Göttinger Fußballclubs 1. SC Göttingen 05. Detlef Johannson war in dieser Zeit Vorsitzender, Schatzmeister und Pressesprecher des Vereins.

Tao im Interview

Tao, schwarzer Chow Chow, von Detlef Johannson. Quelle: r

Seit wann kennen Sie joh?

Seit dem 14. Januar 2012. Als joh in die Wohnküche meiner Züchterin kam, wusste ich sofort: „Der Mann hat einen guten Charakter. Das wird mein Mensch!” Man kann auch sagen: „Es war Liebe auf den ersten Blick. Auf beiden Seiten.”

Welche Qualitäten schätzen Sie an ihm - und welche weniger?

Ich schätze fast alles an ihm: Er ist nicht so streng, sondern immer nett zu mir. Er lobt mich viel, er kann sehr gut kraulen, und er geht mit mir fast immer in die Richtung, in die ich gerne gehen will. Was ich weniger schätze, ist, dass er manchmal nicht recht versteht, was ich gerade möchte. Aber das üben wir täglich, und er lernt sehr schnell.

Auf welches joh-Kommando hören sie am liebsten?

Als typischer Chow Chow bin ich „Kommandos” gegenüber sehr kritisch eingestellt. Ich finde es besser, wenn man mich freundlich bittet. Dann tue ich (fast) alles für meinen Menschen. Und umgekehrt funktioniert das auch ganz gut!

Was haben Sie sich für die Zeit ab 1. April, wenn joh mehr Zeit haben wird und nicht mehr fast jeden Morgen Richtung Neues Rathaus eilt, vorgenommen?

Ich habe gehört, wir machen nun noch öfter Urlaub in der Natur. Wie meine Menschen auch liebe ich Wälder und weite Wanderungen. Ich habe sogar gehört, dass wir demnächst sogar mal an die Mecklenburgische Seenplatte fahren wollen. Und vielleicht auch mal nach Holland an einen Hundestrand. Auf jeden Fall werden wir mehr Zeit miteinander verbringen. Das ist mir das Wichtigste!

Wandelnde Datenbank

Das Entzünden verbaler Nebelkerzen war seine Sache nie. Anders als manch anderer Pressesprecher, der seinen Arbeitgeber in heikler Angelegenheit herauszuwinden versucht, agierte Detlef Johansson immer gerade heraus. Lieber mal was eingestehen, was verquer gelaufen ist, als rumeiern.

Pressesprecher der Stadt Göttingen, Detlef Johansson? Diese Aufgabenbeschreibung in fast 40 Jahren im Dienst der Stadt Göttingen wird joh, wie er seit seiner Volontärszeit beim Göttinger Tageblatt im Kollegen- und Freundeskreis heißt, nicht gerecht. Er war viel mehr. Zunächst natürlich - auch in Hintergrundgesprächen beim Glas Bier - seinem jeweiligen Verwaltungschef gegenüber loyal. Was bei so unterschiedlichen Persönlichkeiten wie Kurt Busch, Rolf Vieten, Eberhard Nickel, Hermann Schierwater, Jürgen Danielowski, Wolfgang Meyer und Rolf-Georg Köhler sowie den drei beteiligten Parteien allein schon nicht immer ein Kinderspiel war.

Rüdiger Reyhn Quelle: Christina Hinzmann

Aber joh ist Profi durch und durch. Egal wer letztlich die politische Verantwortung trug: Joh vertrat bei vielen tausend Themen, die die Stadt beschäftigten, die Position der Stadtverwaltung in der Wahrnehmung von Zeitungslesern und Rundfunkhörern. Häufig hat er sie mit entwickelt - er war also nicht nur Verkäufer, sondern auch Redenschreiber, Produktmanager, Ideen- und Impulsgeber, kritisch Hinterfragender und Mahner. Antreiber. Deshalb war das Wichtigste an seinen Job die Wirkung nach innen.

Bürgernähe der Verwaltung - Hauptsache kein Bürger naht? Von wegen. Viel früher als viele Kolleginnen und Kollegen hat joh erkannt, dass die Verwaltung einer Stadt in erste Linie dienende Funktionen hat. So war joh im Kollegenkreis zielstrebig und konsequent, zuweilen ungeduldig, fordernd und anspruchsvoll - in den Gesprächen im kleinen oder größeren Kreis fast immer top vorbereitet. Neue Medien hat er immer als Chance begriffen - die freilich erst einmal Ressourcen schlucken, und dann erst Mehrnutzen für den Betrieb Stadtverwaltung generieren.

Verwunderlich ist nicht, dass eine solche Persönlichkeit über Erfahrungen und Kenntnisse im Übermaß verfügt. Doch Joh gilt längst auch innerhalb des Neuen Rathauses als wandelnde Datenbank. Wie soll der ersetzt werden? Er kennt nicht nur jeden Kanaldeckel im Stadtgebiet, sondern auch Geschichten, Hintergründe und Geschichtchen aus fast einem halben Jahrhundert Stadtgeschichte. Vor allem kennt er Menschen, ihre Stärken und Schwächen, häufig auch ihre Rankünen.

Denn vor seinem Engagement bei der Stadt hatte er sich als Redakteur beim Göttinger Tageblatt daran gemacht, die Zeitung leser-, also kundenfreundlicher zu machen. Weg vom Terminjournalismus der sechziger und siebziger Jahre, hin zu einer Zeitung, die nachhakt, aus Lesersicht agiert und für Transparenz sorgt. Als er dann die Seite des Schreibtischs wechselte, nahm er seine Grundüberzeugungen mit in die Stadtverwaltung. Und hatte überwiegend Verständnis für Produktionsbedingungen, Termindruck und ständige Personalwechsel bei der Tagespresse.

Seinen Nachfolger hat er längst eingearbeitet. Doch irgendwie drängt sich bei Zeitgenossen die Hoffnung auf, dass aus johs Feder bald ein Buch erscheint unter dem Arbeitstitel „Göttingen intern - Einblicke in ein halbes Jahrhundert Stadtgeschichte.“ Das wäre doch mal was.

Rüdiger Reyhn, Geschäftsführer des Regionalverbands Südniedersachsen bis 2017, ehemaliger Tageblatt-Redakteur

Sehr exklusiv

Was macht einen guten Pressesprecher aus? Er weiß mehr, als er sagt. Er weiß von allem Wesentlichen, das in seinem Unternehmen, seinem Haus vor sich geht. Er ist loyal gegenüber seinem Chef und hat gleichzeitig die Fähigkeit, Journalisten das Gefühl zu vermitteln, gerade etwas sehr exklusiv bekommen zu haben, ohne dass andere Pressevertreter Neid entwickeln müssen.

Nach vielen Jahren im Beruf wissen wir: Es gibt nicht viele gute Pressesprecher. Detlef Johannson ist ein exzellenter. Sollte jemand mal eine Blaupause, ein Modell benötigen für einen perfekten Öffentlichkeitsarbeiter klassischer Prägung – in Göttingen hätten wir das Vorbild.

Uwe Graells, Chefredakteur des Tageblatts. Quelle: Christina Hinzmann
Christoph Oppermann, stellvertretender Chefredakteur des Tageblatts Quelle: Christina Hinzmann

Wer beruflich mit Detlef Johannson zu tun bekam, geriet irgendwann unweigerlich zu einer Erkenntnis Tucholskys: „Nähme man den Zeitungen den Fettdruck weg, um wie viel stiller wäre es auf der Welt.“ Bis zum letzten Arbeitstag war er Pressesprecher, nicht Lautsprecher. Er musste auch nichts anpreisen.

Gepunktet hat er mit Akribie, Verlässlichkeit und enormem Wissen. Und genau dafür bedanken sich die beiden nicht mehr ganz „Neuen“ in der Chefredaktion des Tageblattes. Er hat uns den Einstieg mit zahlreichen hilfreichen Hinweisen erleichtert, ohne sich aufzudrängen, hat informiert, wo es nötig war. Und am wertvollsten waren die Hinweise, die Chefredakteure am wenigsten gern hinnehmen: die auf Fehler im eigenen Blatt. Die gab’s ohne Häme, doch nie ohne guten Grund. Auch dafür bedanken wir uns beim Kollegen aufs Herzlichste.

Uwe Graells und Christoph Oppermann, Chefredakteur und stellvertretender Chefredakteur des Tageblatts

Wissen: sein zweiter Vorname

Mit Neubezug des Gebäudes 1978 kam auch Joh ins Neue Rathaus. Ich war heilfroh, Joh bei meinem Dienstantritt an meiner Seite zu wissen. Denn Wissen ist seinen zweiten Vornamen. Dumme Fragen mag er nicht, für ausschweifende Erläuterungen hat er keine Zeit – daran lässt er keinen Zweifel. Danke!

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler. Quelle: Christoph Mischke

Rolf-Georg Köhler, Oberbürgermeister

Feste Rubrik zur Prime Time

Die ersten Jahre mit joh waren die in der Prinzenstraße. hu ( Heinz Hundertmark ) – „ Winkelt den mal nett ab, ist ein guter Bekannter von mir“ – geisterte durch die Gänge und machte Schlussredaktion bei Schorse Rauch. Mit guten Bekannten in dem Segment der Gastronomie konnten wir zu der Zeit noch nicht prahlen. Unser Quartier war eher Sir Arno nebenan. Der runde Tisch da.

cla ( Detlef Classen ) und alex ( Wolfgang Alexander ) dealten mit Geschichten über abgängige Bergepanzer, Lil Hochsprung kümmerte sich derweil um die Fahrer.

Hermann Hillebrecht. Quelle: r

Wir machten bei Gabi Meyer Pott-Luck-Parties und ganz tolle Geschichten. joh machte meist schon kommunalpolitische Berichterstattung unter den Fittichen von ühl ( M. Bockemühl ). Johannson schrieb schon damals über städtische Haushalte, als habe er das verstanden. Ich bis heute nicht. Er kam häufig genug, nachdem er nachts „durchgearbeitet“ hatte, irgendwann nachmittags an seinen Platz, harfte wie blöde auf der Olympia Monica, ging nach knapp zwei Stunden und nicht unter 200 bis 250 Zeilen ( im vierspaltigen Umbruch) wortlos und verschwand wieder in der Stadt.

Unvergessen in jenen Tagen mein Besuch mit ubs ( unser aller Ulla Borchard) bei Karstadt. Die Geschäftsführer Hans Veitz und Friedrich Olivier machten uns unmissverständlich klar (wir durften stehen bleiben), was sie von der GT-Berichterstattung zum SSV hielten. Dann konnten wir wieder gehen. Reimer Grimm prägte das unvergessliche Bonmot vom „Veitztanz bei Karstadt“. Irgendwie hat mich das zu meiner Zeit als junge Redakteur ebenso begleitet wie her (Schorse Hermann) und seine Berichte über die Kreispolitik und den damaligen Landrat. Und joh gewann die überraschende Erkenntnis, dass Sportchef Rudolf Kellner massiv kommunalpolitische Kompetenz absondern konnte – wenn es um ein Stadion für 05 ging.

Da wir ständig, nicht nur während der Dienstzeiten, aufeinander gluckten, blieben Pott-Luck-Parties oder Ausflüge nach Moringen oder Hillerse durchaus auch als dienstliche Veranstaltungen erinnerlich. Auch nachmittägliche Exkursionen in die Innenstadt – weder von der Prinzenstraße noch später dem Gothaer Haus – schädigten ernsthaft die Produktion, höchstens die Nerven von Lokalchefin Ulla.

In der Innenstadt wurde dazumal noch gewissenhaft demonstriert und wir berichteten über die Anliegen der empörten Volksmassen. Ach war das schön, die Theoriedebatten der diversen von 68 nachgebliebenen Sekten zu verfolgen. joh und Schorse durften sich bald mit dem vom Zentralorgan des KBW (was war das eigentlich?), der KVZ ( Kommunistische Volkszeitung ) verliehenen Ehrentitel „bezahlte Journalistenkanaille“ schmücken. Ich musste mich doch sehr anstrengen, um nach geraumer Zeit ebenfalls dieses Level zu erreichen.

joh und Ulla machten den Tageblatt-Umzug an die Autobahn nicht mit, sie zogen zum Oberstadtdirektor ins Neue Rathaus. Kurz zuvor hatten wir noch im Vorgriff auf eine unbekannte Zukunft an einem kreativen Nachmittag in der Redaktion die Programmstruktur für Radio Göttingen entworfen. Die feste Rubrik zur Prime Time hatte den Titel „Oberstadtdirektor Kurt Busch „Was ich heute beschloss““. In gleichem Zusammenhang entstand eine gemeinsame Glosse über leicht miss zu verstehende mitternächtliche Auftritte beinahe Prominenter auf der Polizeiwache am Steinsgraben.

Es bliebe, neben den Unwichtigkeiten, mit denen wir täglich unsere Leser überraschten, noch zu erwähnen, dass joh zu den Initiatoren eines unglaublich innovativen Gremiums namens PMBB gehörte. Die dezernats- und fachübergreifende Arbeitsgruppe Planmäßige Mediengerechte Baustellenbeschilderung tagte ein Jahrzehnt lang regelmäßig und nur am 28. Dezember. Die Beiträge zeichneten sich durch hohe Fachkompetenz (heute unter dem, wenn auch falsch gebraucht, Begriff Expertise bekannt), Qualität und in die Zukunft weisende Überlegungen aus. Ich hatte das Vergnügen, jeweils als Fachpresse die Ergebnisse der vertraulich tagenden Gruppe in der Öffentlichkeit vorstellen zu dürfen.

Es ist schon richtig, alte Männer sollten nicht gebeten werden, aus ihren Heldentagen zu erzählen. Die Kinder schauen dann leicht fremdschämend himmelwärts, die Enkel führen einen Finger an die Schläfe, eindeutig und zu recht.

Hermann Hillebrecht war Tageblatt-Redakteur, zuletzt stellvertretender Chefredakteur, bis 2007.

Gelegentliche Zweifel

Da geht ein Journalist der alten Schule, ein Meister der präzisen Formulierung und – bei Bedarf – der sanften Ironie. Für uns Journalisten auf der anderen Seite ein Glücksfall. Auch wenn er unsere Themensetzung gelegentlich anzweifelte – joh lieferte immer prompt, professionell und zuverlässig. Danke, lieber joh, für 30 Jahre gute Zusammenarbeit. Du wirst fehlen.

Sybille Bertram

Sybille Bertram, ffn-Studioleiterin (seit 1988)

Wunderbare Teamarbeit

Tschüß Joh! Detlef Johannson geht in den Ruhestand, eine Ära geht zu Ende. Keiner hat ohne Unterbrechung so lange in der Chefetage gearbeitet. Niemand hatte so viel Erfahrung, Detlef Johannson war wie ein lebendes Archiv. Mit ihm geht eine große Menge an Wissen und Erfahrung.

Für mich war er einer der wichtigsten Kollegen in der Chefetage. Immer gut informiert, bestens vernetzt, immer loyal, hat er mir den Rücken frei gehalten. Und er war stets ein guter Berater, hat mich vor manchem Fehler bewahrt.

Wolfgang Meyer Quelle: Christoph Mischke

Keiner konnte so schnell und gut Reden und Grußworte aus dem Hut zaubern wie er. Egal zu welchem Thema, mit seiner Rede in der Tasche konnte man überall bestehen.

Detlef Johannson war ein Journalist und Pressesprecher der alten Schule. Keine Krawall-Beiträge, Pressemeldungen nur, wenn es etwas zu berichten gab. Klar in den Formulierungen, manchmal ironisch bis leicht sarkastisch, aber nie verletzend.

Er hat es verstanden, die Arbeit der Verwaltung und des Oberbürgermeisters überzeugend zu erläutern, gegen unberechtigte oder überzogene Kritik zu verteidigen.

Ich bin Detlef Johannson zu großem Dank verpflichtet, es war eine wunderbare Teamarbeit.

Ich wünsche ihm, dass er seinen Ruhestand in vollen Zügen genießen kann.

Wolfgang Meyer, Oberbürgermeister a.D.

Ein Johannson-Krimi

In meiner Erinnerung gab es nie einen anderen Pressesprecher als Detlef Johannson. Tatsächlich war er es nur die letzten vierzig Jahre. Ich bin sicher, wir werden noch von ihm hören oder lesen. Als Freund des Krimis kennt er die Verknüpfung von Fiktion und Wirklichkeit und ihm steht Stoff aus vierzig Jahren Stadtgeschichte zur Verfügung. Daraus muss sich doch was machen lassen.

Wolf S. Dietrich, eigentlich Wolf-Dietrich Schumacher, Schriftsteller aus Göttingen. Quelle: r

Wolf S. Dietrich, Schriftsteller

Der immerwährende Charaktertest

joh und ich haben mehrere Dinge gemeinsam: Wir standen oder stehen beide beim Göttinger Tageblatt in Lohn und Brot, haben beide am 27. August Geburtstag und sind HSV-Fans.

Nun könnte man sagen, das Schicksal habe uns übel mitgespielt (die Sache mit dem Göttinger Tageblatt mal ausgenommen): Der 27. August steht für das Sternzeichen Jungfrau und bringt Pedanterie, Dickköpfigkeit und mangelnde Teamfähigkeit mit sich. Und der HSV - na ja.

Eduard Warda Quelle: r

Doch es gibt noch so viel mehr im Leben (und damit meine ich nicht die HNA, den 28. August und den FC Bayern). Unser gemeinsames astrologisches Schicksal kann auch Freude bereiten, etwa wenn der Stift ordnungsgemäß parallel zur Schreibtischunterlage liegt und so stete Griffbereitschaft und optimale Funktionalität bietet. Da geht das Herz der Jungfrau auf. Und die immerwährenden Rückschläge, die ewige HSV-Fron, können auch als das, was sie sind: als immerwährender Charaktertest begriffen werden.

Vor einiger Zeit kam einer auf die Idee, den 1. SC Göttingen 05 wieder aufleben zu lassen. joh, von mir befragt, war sehr skeptisch - und sollte (zumindest bis dato) Recht behalten. Die HSV-Fron bringt halt einen gesunden Pessimismus mit sich. Und die Erkenntnis: Es wird nicht besser, es wird schlechter. Darauf einen Fernet Menta!

Eduard Warda, Redakteur beim Göttinger Tageblatt

Zigarette und Fernet Menta

Zugegeben, Detlef Johannson konnte bisweilen anstrengend sein, vor allem, wenn ihm Fragen dem eigenen Bekunden nach zu suggestiv gestellt waren. Dann kam es schon mal vor, dass er seiner Antwort eigene, gerne auch ironische Kommentare hinzufügte. Das konnte ausgesprochen unterhaltsam sein.

Richtigen Streit gab es in all den Jahren natürlich auch hin und wieder, hart in der Sache, aber immer begründet und fair. Und das Beste: joh war niemals nachtragend. Nach dem Streit war vor dem Streit, sozusagen.

Andreas Fuhrmann Quelle: Hinzmann

Außerdem war sich joh auch nicht zu schade, Fehler der Verwaltung einzugestehen. Das hörte sich dann beispielsweise so an: „Kritik deswegen müssen wir mit dem Ausdruck des Bedauerns akzeptieren.“ Vor allem aber war joh eines: verlässlich und korrekt, und darauf kommt es in unserem Metier nun einmal an.

Und außerhalb des Büros? Da war und ist joh ein prächtiger Gesprächspartner. Vor allem zum Thema Fußball kann man mit ihm stundenlang bei Zigarette und Fernet Menta (!) diskutieren. Und wenn dann noch die Sprache auf den HSV kommt, wird es richtig unterhaltsam.

Vielleicht sollte er bei seinem Herzensverein noch als Pressesprecher in Teilzeit einsteigen. Dann würde zumindest außerhalb des Spielfelds schon mal alles passen beim Neuanfang.

Andreas Fuhrmann, Ressortleiter Sport, ehemals Ressortleiter Lokales beim Göttinger Tageblatt

Beneidenswerte Verwendungszeit

Lieber Herr Johannson, als langjährige Wegbegleiterin schicke ich Ihnen meine allerbesten Wünsche für die Zeit, die jetzt auf Sie zukommt. Ich bin mir sicher, Sie werden den ungewohnten Zustand der „abrupten Arbeitslosigkeit“ und den „kalten Entzug“ vom Neuen Rathaus perfekt meistern. In einer Welt, in der viele Rastlose ständig auf der unruhigen Jagd nach einem womöglich noch besseren Job sind, sein ganzes Können und Engagement 40 Jahre allein einer einzigen Behörde zu widmen, ist selten. Es deutet für mich auf eine innere berufliche Zufriedenheit hin, die wohl nur sehr wenige Menschen im Laufe ihres Lebens finden. An dieser Stelle darf ich Ihnen sagen, dass wir uns hier sehr ähnlich sind. Leider werde ich diese beneidenswerte Verwendungszeit wohl kaum hinbekommen (dann wäre ich Mitte 80), es sei denn, mein Dienstherr verlängert die Lebensarbeitszeit noch entsprechend. In diesem Sinne alles Gute!

Polizei-Pressesprecherin Jasmin Kaatz. Quelle: Christoph Mischke

Ihre Jasmin Kaatz, Polizeihauptkommissarin und Pressesprecherin der Polizeiinspektion Göttingen.

Verlässlich und streitbar

Für alle von uns in der Pressestelle der Universität, die weit weniger Zeit im Dienste der Wissenschaft verbracht haben als Detlef Johannson im Dienste der Stadt, ist er ein verlässlicher und streitbarer Ansprechpartner für sämtliche Belange zwischen Stadt und Uni. Und ein Gedächtnis, das oft vollständiger und leichter zu erreichen ist als unser eigenes Presse- und Veranstaltungsarchiv. (Und auf das wir bei Gelegenheit bestimmt wieder zurückgreifen werden – deshalb hier die Gegenwartsform.) Für dies und die Saure-Gurken-Partys, Dreh- und Angelpunkt unserer jährlichen Urlaubsplanung im Sommer, danken wir – und für die sanfte, bestimmte Art, uns an das in Göttingen Machbare zu erinnern, wenn wir mit Marketing-Ideen mal wieder zu hoch hinauswollten. Alles Gute, joh!

Pressestelle der Universität Göttingen: Thomas Richter, Romas Bielke, Gabriele Bartolomaeus, Heike Ernestus, Katrin Pietzner

Von Redaktion