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Thema des Tages Tief in der Stadtgeschichte
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00:19 03.09.2017
Frank Wedekind und Sabine Stoffner erklären die Grabungsarbeiten auf dem Grundstück der Düsteren Straße 7. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Drei Fragestellungen wollen die Wissenschaftler der Stadtarchäologie und der Firma Streichardt und Wedekind Archäologie (SWA) nachgehen: Warum wurde in der frühen Neuzeit das Bauniveau im Nikolaiviertel um etwa einen Meter angehoben? Wann wurde erstmals in diesem Bereich gesiedelt? Und ist es möglich, an dieser Stelle aufgrund der feuchten Bodenbeschaffenheit organisches Material wie Holz, Leder oder Textil zu finden?

In der ersten Woche sind bereits 20 Tonnen Erde und Gestein bewegt worden, sagt Grabungsleiter Frank Wedekind. Etwa ein Meter Erdreich ist im hinteren Teil des Grundstücks in der Höhe abgetragen. Dabei machte sein Team auch bereits die ersten Entdeckungen. Aus einer Kloake aus der Zeit um 1900 beförderten sie unter anderem Bruchstücke bemalter Teller, eine Buchschließe, eine Milchkanne aus dem 18. Jahrhundert oder eine Bierflasche der Göttinger Brauerei zu Tage.

Grabung am KuQua in Göttingen

Stadtarchäologin Betty Arndt präsentiert einen tönernen Hasen mit abnehmbaren Kopf und fehlenden Ohren. Sein archäologischer Wert? Arndt schmunzelt. Der sei allein schon deshalb hoch, weil er belege, welch hohen ästhetischen Anspruch die Bewohner des Nikolaiviertels schon in früheren Zeiten gehabt hätten. Noch ein weiteres Tier haben die Archäologen zurück ans Tageslicht befördert. Im Bereich des ehemaligen Hinterhofs haben frühere Bewohner ein komplettes Schwein vergraben. „Vermutlich war es nicht mehr genießbar und musste entsorgt werden“, vermutet Wedekind.

Tatsächlich seien es aber weniger die einzelnen Fundstücke, auf die man es abgesehen habe. Aufschlussreicher seien einzelne Ebenen und ihr Verhältnis zueinander und zu möglicher Bebauung. Steinmauern und eine Kalkstein-Pflasterung aus dem 16. Jahrhundert sind schon jetzt sichtbar. In welche Jahrhunderte sie noch vorstoßen werden, lässt sich nur mutmaßen. Allerdings lassen Ausgrabungsarbeiten der vergangenen Jahre in der Nachbarschaft eine gewisse Vorfreude zu: Das Gebäude an der Düsteren Straße 6, in dem sich heute das Günther-Grass-Archiv befindet, konnte auf das Jahr 1310 datiert werden.

Doch warum erweckt dieses kleine Fachwerkhaus auch aus der benachbarten Baugrube heraus den Eindruck, als wäre es im Boden versunken? Arndt erklärt: Zum einen sei das Haus im Verhältnis zu den jüngeren Gebäuden der Straße eher klein. Daraus lasse sich ablesen, dass das Nikolaiviertel zu Beginn der Stadtgeschichte eher zu den ärmeren Vierteln gehörte – alte Steuerlisten bestätigen diese Annahme. Zum anderen wurde zu damaliger Zeit noch etwa ein Meter unter dem heutigen Straßenniveau gebaut, wie etwa auch an der Nikolaikirche zu erkennen ist.

Die spätere Aufhöhung könnte durch Überschwemmung im späteren Mittelalter notwendig geworden sein. Schriftliche Zeugnisse von diesem speziellen Teil der Göttinger Stadtgeschichte existieren allerdings nicht. Von den Grabungen auf dem Grundstück Nummer 7 erhoffen sich die Archäologen daher jetzt weitere Erkenntnisse darüber, wie diese konzertierte Auffüllung mehrerer Grundstücke abgelaufen sein könnte, was der Grund war und welches Material dabei verwendet wurde.

Die Stadtarchäologie

Die Stadtarchäologie ist als Teil der Unteren Denkmalschutzbehörde zuständig für alle archäologischen Denkmale im Stadtgebiet von Göttingen. Im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens prüft sie, ob auf zu bebauenden Grundstücken Bodendenkmale bekannt oder zu erwarten sind. Gegebenenfalls ermöglicht sie Ausgrabungen, um die Funde zu sichern und die Befunde zu dokumentieren. Im Rahmen der Aufarbeitung wertet sie die archäologischen Funde aus um sie für Ausstellungen, Publikationen und andere Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung stellen zu können. Die Göttinger Stadtarchäologie ist die älteste Stadtarchäologie in Niedersachsen und hat in über 25 Jahren Ausgrabungstätigkeit viele interessante Ergebnisse zur Besiedlungsgeschichte der Region und zur Entstehung und Entwicklung der Stadt Göttingen gewonnen.

In der Tiefe unter dem künftigen Kunsthaus könnten aber noch andere Geheimnisse verborgen sein. Anders als in der übrigen Stadtfläche ist der Boden unter dem Nikolaiviertel durch die Nähe des Leinekanals feucht. Das wiederum erhöhe die Chance, dass organische Stoffe, wie Holz, Leder oder Textilien über die Jahrhunderte erhalten geblieben sind. So könnte man wiederum Einblicke in die Stadtgeschichte bekommen, die es bisher kaum gab. Wie hat der Göttinger im Mittelalter gelebt? Wie war er gekleidet? Womit hat er gegessen? Arndt erklärt: „Bisher haben wir bei Grabungen in Göttingen gerade mal zwei Holz-Löffel gefunden.“

Doch noch sind die Archäologen ganz am Anfang. „Wir graben bis keine Kulturschichten mehr zu finden sind“, sagt Wedekind. Er vermutet, dass das in einer Tiefe von maximal 2,40 Meter der Fall sein werde. Und vielleicht haben sie der Göttinger Stadtgeschichte dann ein Kapitel hinzufügen können.

Zeitgenössische Kunst aus aller Welt in Göttingen

2019 soll das hochgelobte wie umstrittene Kunstquartier (KuQua) mit dazu passendem Innenhof fertiggestellt sein. Das Kunsthaus, das im KuQua entsteht, ist aus einem Hochbauwettbewerb der Stadt hervorgegangen. Der 1300 Quadratmeter große Innenbereich des Quartiers wird zurzeit mit Expertenbüros und Bürgern individuell entwickelt. Der Entwurf der Leipziger Architekten sieht ein Gebäude mit drei Etagen und einer Ausstellungsfläche von 736 Quadratmetern vor.

Das Göttinger KuQua wird als Projekt mit Finanzmitteln aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ gefördert. 4,5 Millionen Euro Bundesmittel fließen dafür nach Göttingen, die Stadt beteiligt sich mit 500 000 Euro. Verleger Gerhard Steidl als Ideengeber für das Viertel und die Göttinger Verwaltungsspitze sehen das Kunstquartier als Initialzündung für andere Projekte, die sich in dem Viertel ansiedeln werden. Steidl gehört auch das sogenannte Grass-Haus auf dem Nachbargrundstück, das auch ein integraler Bestandteil des KuQuas werden soll.

Im neuen Galeriegebäude des Kuquas sollen international renommierte Künstler ausstellen. Geplant ist ein attraktives Ausstellungsprogramm von Fotografie und Video, Zeichnung und Druck, Buch- und Plakatkunst. Ziel ist es, zeitgenössische Kunst aus aller Welt in Göttingen zu zeigen.

Der weitere Zeitplan sieht die Grundsteinlegung im Dezember vor. Im Januar 2018 soll dann mit dem Rohbau begonnen werden. Eröffnen soll die neue Galerie im Frühjahr 2019.

Von Markus Scharf

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