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Thema des Tages Hundert Millionen für die Region
Thema Specials Thema des Tages Hundert Millionen für die Region
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19:02 08.02.2017
Von Hannah Scheiwe
Das Unesco-Welterbe Oberharzer Wasserwirtschaft soll durch das Südniedersachsenprogramm bekannter gemacht und gefördert werden. Quelle: r
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Göttingen

Virtuelle und regionale Mobilität, Wissensaustausch und Technologietransfer, die Entfaltung von Arbeitskräftepotenzial, die Steigerung der Attraktivität der Region sowie die Daseinsvorsorge stehen auf der Agenda des Projektbüros. Konkret gilt das für den Landkreis Göttingen und die Landkreise Goslar, Holzminden und Northeim. In allen Bereichen seien Projekte angeschoben worden, sagt Witt. „Es hätte keiner gedacht, dass so viele und gute Projektideen eingereicht werden.“ Neben den bereits investierten rund 75 Millionen Euro wurden für die schon beantragten Projekte etwa 23 Millionen Euro Gesamtkosten veranschlagt. Damit hat das Programm die 100 Millionen Euro, mit denen Projekte in der Region umgesetzt werden sollten, fast ausgeschöpft.

Die Hälfte der 100 Millionen Euro kommt aus Fördermitteln der Europäischen Struktur- und Investitionsfonds und Förderprogrammen des Landes und Bundes, die andere Hälfte wird kofinanziert. „Wenn die 100 Millionen Euro verbraucht sind, ist aber nicht Schluss“, sagt Witt. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) habe vergangenes Jahr zugesagt, dass das Programm weiterlaufen werde.

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Die Landkreise, aber auch Hochschulen, Verkehrsbetriebe, Verbände und Vereine kommen mit Projektideen auf das Büro zu. Gleichzeitig entwickele auch das Büro Ideen, mit denen es dann auf Akteure aus der Region zugehe. „Im besten Fall haben die Ideen für alle vier Landkreise Bedeutung“, sagt Witt.

Von den in den vergangenen zwei Jahren eingereichten über 160 Ideen seien über 60 belastbar gewesen - fast 30 wurden umgesetzt oder beantragt. „Das Programm ist wettbewerblich, die Projekte müssen gut sein“, erklärt die Leiterin. Und das scheint bisher bei allen der Fall gewesen zu sein: „Bisher wurde noch kein Antrag abgelehnt“, sagt Witt.

2 Nach zwei Jahren Südniedersachsenprogramm zieht das Projektbüro Südniedersachsen am Donnerstag, 9. Februar, ab 10.15 Uhr in der Stadthalle Osterode, Dörgestraße 28, Bilanz. Die Veranstaltung steht unter dem Motto „Regionaler. Digitaler“ - so werden sich neue digitale Projekte vorstellen.

Neue Studiengänge, 
neue Medizin-Techniken

„Gesundheitliche Versorgung ist ein wichtiges Thema“, sagt Ulrike Witt, Leiterin des Projektbüros Südniedersachsen. Ein großes Projekt des Südniedersachsenprogramms ist deshalb der Gesundheitscampus in Göttingen auf dem Sartorius-Quartier: Hier bieten die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und die Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) gemeinsam neue Studiengänge an. Bereits seit dem Wintersemester 2016/2017 werden die Studiengänge Therapiewissenschaft und Pflege angeboten. „Die Resonanz darauf ist bundesweit gut“, sagt Witt. Die Studiengänge Versorgungsmanagement und Medizin-Ingenieurswesen sollen zum Wintersemester 2018/2019 starten. „In das Projekt investiert das Land mehr als 14 Millionen Euro“, sagt Witt. Ein weiteres spannendes Projekt der UMG, das schon beantragt wurde, dreht sich um digitale Kommunikationshilfen für nicht-deutschsprachige Patienten. „Das soll erst in Friedland ausprobiert werden und dann auch in Arztpraxen übernommen werden“, erläutert Witt den Plan.

Schnelles Internet 
muss her

Nur dort, wo es schnelles Internet gibt, siedeln sich Menschen und Unternehmen an. Deshalb ist der Breitbandausbau – gerade im ländlichen Bereich – eins der wichtigsten Themen des Südniedersachsenprogramms. „Das ist einer der größten Posten mit mindestens 35 Millionen Euro Kosten“, sagt Ulrike Witt. Hier hinkt der Landkreis Göttingen hinterher: Während die Landkreise Northeim, Goslar und Holzminden schon Mittel für den Netzausbau bewilligt bekommen hätten, habe der Landkreis Göttingen zwar Landesmittel beantragt, die Bundesmittel werden aber erst Ende Februar beantragt, sagt Witt. Bereits durch das Wirtschaftsministerium bewilligt und mit rund 100000 Euro finanziert wird hingegen ein Digitalisierungscheck für kleine und mittlere Unternehmen der Verpackungs- und Logistikbranche, die mit einem Fragebogen testen können, wie digital sie schon arbeiten.

Welterbe und Fachwerkhäuser

Mit verschiedenen Projekten versucht das Südniedersachsenprogramm landschaftliche und kulturelle Besonderheiten bekannter zu machen und damit auch den Tourismus zu fördern. So werden beispielsweise in einem Projekt die Unesco-Welterbe Rammelsberg, Oberharzer Wasserwirtschaft und die Altstadt Goslars in den Fokus gerückt: „Es werden Informationszentren gebaut, die den Gästen einen Einstieg in das Welterbe bieten“, erklärt Ulrike Witt, Leiterin des Projektbüros Südniedersachsen, und lobt die „tolle Kooperationskultur“ der beteiligten Akteure.

Das Projekt wird mit rund 2,5 Millionen Euro finanziert. Zu diesem Bereich gehört auch das Fachwerkfünfeck, bei dem die Städte Duderstadt, Einbeck, Hann. Münden, Northeim und Osterode kooperieren und die Besonderheiten ihres Fachwerkbestands hervorheben.

Erreichbarkeit auf 
dem Land

„2017 wird es besonders um regionale Mobilität gehen“, sagt Ulrike Witt. Erreichbarkeit, gerade auf dem Land, sei ein wichtiges Thema. So solle der Antrag für eine Mobilitätszentrale eingereicht werden. „Damit sollen die ÖPNV-Angebote der Landkreise sich zusammentun und stärker zugänglich gemacht werden“, erklärt Witt. Auch Landesbuslinien für Städte ohne Bahnanschluss sind seit längerem ein Thema – beispielsweise wird eine Verbindung zwischen Duderstadt und Göttingen diskutiert. Dass 2017 bereits ein Schnellbus auf dieser Strecke verkehrt, sei aber unwahrscheinlich. Von der Antragstellung bis zur Umsetzung dauere es mindestens drei Monate, so Witt. Schon beantragt hingegen ist das EcoBus-Projekt, jedoch erst einmal als Forschungs- und Entwicklungsprojekt. „Die Busse sollen digital besteuert werden“, sagt Witt, eine digitale Nahverkehrsvernetzung soll den Einsatz von Bussen im ländlichen Raum effektiver machen. Das soll mit Pilotanwendungen getestet werden.

Einstieg in den Beruf 
und Willkommenskultur

Neben der Förderung von Fachkräften liegt ein Fokus des Südniedersachsenprogramms auf Menschen, die nicht ausreichend in der Arbeitsmarkt integriert sind. So wurde bereits das „Berufswahlnetzwerk Südniedersachsen“ bewilligt, das den Übergang von der Oberstufe in eine Berufsausbildung oder ein Studium erleichtern soll. Rund 500 000 Euro wurden investiert. Ein anderes Modellprojekt soll die duale Berufsausbildung stärken, 285 000 Euro fließen in diesen Versuch. Das regionale Fachkräftebündnis Südniedersachsen, in dem sich Akteure aus den Landkreisen Göttingen und Northeim und der Stadt Göttingen zusammengetan haben, konzentriert sich auf eine Willkommenskultur für internationale Arbeitskräfte.

Hochschulen und Wirtschaft kooperieren

„Die Hochschulen sind sehr aktiv“, sagt Ulrike Witt über die Kooperationen. Ein Vorzeigeprojekt sei sicher der SüdniedersachsenInnovationsCampus (SNIC), der seit dem vergangenen Sommer läuft. Dabei handelt es sich um eine Kooperation der regionalen Hochschulen mit Wirtschaftsförderungen. Ein niederschwelliger Kontakt zwischen Hochschulen und Unternehmen sei das Ziel, sagt Witt. Innovationspotenzial in Unternehmen soll ausgeschöpft und Unternehmergeist an Hochschulen gestärkt werden. „Fast drei Millionen Euro wurden insgesamt in den Innovationscampus investiert“, sagt Witt, gefördert werde der SNIC vom Wissenschafts- und vom Wirtschaftsministerium.