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Thema des Tages Dieser Mann geht seit 30 Jahren Blutspenden
Thema Specials Thema des Tages Dieser Mann geht seit 30 Jahren Blutspenden
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00:26 17.06.2019
Reinhard Baumfalk spendet seit mehr als 30 Jahren Blut, hier bei Sartorius. Quelle: Wölk
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Göttingen

Jedes Jahr am 14. Juni wird der Weltblutspendetag begangen. Regelmäßig machen zudem Blutspendedienste darauf aufmerksam, dass es zu wenig Blutspender gibt. Besonders groß ist das Problem meistens in der jetzt beginnenden Urlaubszeit, deshalb sei es gerade jetzt notwendig weitere Personen zur Blutspende zu animieren. Doch warum entscheiden sich Menschen fürs Blutspenden?

Seit mehr als 30 Jahren ist Reinhard Baumfalk Blutspender. Regelmäßig nutzt er einen der vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) angebotenen Blutspendetermine. Insgesamt hat er dadurch schon mehr als 60 Mal Blut gespendet, was einer Menge von etwa 30 Litern Blut entspricht.

Freunde vom Blutspenden überzeugt

Angefangen zu spenden hat Baumfalk in seiner ostfriesischen Heimat. „Blutspenden war dort ein regelmäßiges Ereignis“, sagt er. Gut gefällt ihm, dass er mit diesem Engagement eine Hilfe für andere leisten kann. „Außerdem handelt es sich um etwas Unmittelbares“, sagt er. Denn eine geleistete Spende komme innerhalb kürzester Zeit einem anderen Menschen zu Gute. Zudem hätten Blutspendetermine auch einen sozialen Charakter, denn man spende nicht alleine, sondern gemeinsam mit anderen. „Als ich nach Göttingen gekommen bin, habe ich nach Möglichkeiten gesucht, wo ich spenden kann“, berichtet Baumfalk. Dadurch sei dann der Kontakt zum Ortsverein Göttingen des DRK entstanden. Mit seinen regelmäßigen Spenden hat es Baumfalk auch geschafft, Blutspenden in seinem Freundes- und Bekanntenkreis zu etablieren. Teilweise hätten Spendenaktion jetzt schon einen Eventcharakter, wo man sich treffe. Und auch bei seiner Arbeitsstelle Sartorius hat Baumfalk schon Blutspenden für das Rote Kreuz organisiert.

Kollegen unterstützen Aktion

Zum ersten Mal vor zwei Jahren, eine Wiederholung der Aktion gab es am Mittwoch. Das Rote Kreuz sei bei der ersten Aktion auf der Suche nach neuen Formaten der Blutspende gewesen. Und habe begonnen Blutspende-Aktionen in Unternehmen, wie beispielsweise im Freizeit In oder bei der Firma Novelis zu organisieren. „Wir haben hier im Unternehmen durch die Geräte, die wir herstellen, natürlich eine besondere Verbindung zum Thema Gesundheit“, sagt Baumfalk. Die Kollegen hätten die Aktion unterstützt, allerdings sei dabei auch aufgefallen, dass Blutspende ein sehr nationales Thema sei. „Einige ausländische Kollegen konnten damals nicht spenden, weil sie den Fragebogen, den es damals nur auf Deutsch gab, nicht beantworten konnten“, sagt Baumfalk. Bei der Blutspende-Aktion hatten die Verantwortlichen des Roten Kreuz diesmal auch Übersetzungsbögen mit, sodass die Sprachbarriere kein Hinderungsgrund mehr darstellte. „Blutspenden sind immer noch zwingend notwendig“, erklärt Baumfalk. Denn jeder könne zum Beispiel durch eine Erkrankung oder einen Unfall von jetzt auf gleich auf eine Bluttransfusion angewiesen sein. Und dann benötige der Patient teilweise pro Tag mehr Konserven, als ein Spender im Vierteljahr spende. Deshalb sei es wichtig, dass sich mehr Menschen für eine Blutspende entschieden.

Wenig Aufwand für den Spender

Sartorius-Pressesprecher Timo Lindemann entschied sich am Mittwoch, als er von Baumfalk gefragt wurde, spontan zur Blutspende. „Es ist ein gutes Gefühl, helfen zu können“, sagte er nach der Blutentnahme. Mit der ärztlichen Betreuung, die er als Erstspender erhalten hat, war Lindemann zufrieden. „Es gab eine verständliche und umfangreiche Aufklärung. Ich wurde sehr gut betreut und habe mir fest vorgenommen, nun regelmäßig Blut zu spenden“, sagt er. „Ich spreche das Thema auch im Bekanntenkreis an. Der Sinn ist den meisten auch zugänglich, dennoch würde ich mir wünschen, dass noch mehr Menschen Blut spenden“, sagt Baumfalk. Bei Sartorius seien die Mitarbeiter auf allen üblichen Informationswegen des Unternehmens auf die Aktion aufmerksam gemacht und zudem eine Stunde von der Arbeit freigestellt worden. Mehr als 80 Mitarbeiter nutzten nach Angaben des Unternehmens die Gelegenheit zum Spenden, sodass rund 44 Liter Blut zusammen gekommen seien. Für das Unternehmen sei eine Blutspende-Aktion nur mit wenig Aufwand verbunden, weil die Betten für die Spende vom DRK gestellt würden. Sartorius stellte die Räume und das Catering zur Verfügung. Für Baumfalk sei beim Blutspenden zwar eine kleine Hürde zu nehmen, dennoch sei die Spende an sich für den Spender mit wenig Aufwand verbunden, habe aber für den Empfänger eine große Wirkung. „Ich selbst werde, solange ich kann und darf, zur Blutspende gehen“, sagt Baumfalk.

Termine zum Blutspenden

Wer beim DRK spenden möchte, hat dafür in den kommenden Wochen an folgenden Terminen Gelegenheit: Am Freitag, 14. Juni, in Gieboldehausen im katholischen Pfarrheim, Mittelstraße 1, von 16 bis 19.30 Uhr. In Nörten-Hardenberg kann am Montag, 17. Juni, im evangelischen Gemeindehaus, Burgstraße 2b, von 16 bis 19.30 Uhr gespendet werden. In Adelebsen bei der Feuerwehr, Wibbecker Straße 27, am Freitag, 21. Juni, ebenfalls von 16 bis 19.30 Uhr. Und am Donnerstag, 27. Juni, in der Astrid-Lindgren-Schule, Christian Blank-Straße 15, von 15 bis 19.30 Uhr. Beim Blutspendedienst im Klinikum können Spender zu folgenden Zeiten vorbeikommen: Montags und freitags von 8 bis 11 Uhr, dienstags von 16 bis 20 Uhr sowie mittwochs und donnerstags von 14 bis 18 Uhr. Am Campus, Weender Landstraße 1, sind Blutspenden montags von 9 bis 13 Uhr, dienstags von 14 bis 18 Uhr, freitags von 8 bis 12 Uhr, sowie mittwochs und donnerstags von 13 bis 17 Uhr. ve

Wer darf in Deutschland überhaupt Blut spenden?

Um Blut spenden zu können, muss der Spender mindestens 18 Jahre alt sein. Beim Kreisverband Göttingen-Northeim des Deutschen Roten -Kreuzes (DRK) ist eine Spende, wenn bei der ärztlichen Untersuchung nichts dagegen spricht, bis zum Alter von 73 Jahren möglich. Bei anderen Einrichtungen, wie beispielsweise beim Blutspendedienst der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist eine Spende bis zum 65. Lebensjahr möglich. Ein Erstspender sollte beim DRK nicht älter als 64 Jahre und in der UMG nicht älter als 60 Jahre sein. Männer dürfen sechsmal im Jahr Spenden, Frauen viermal. Zwischen der jeweiligen Blutspende müssen bei Männern acht und bei Frauen zwölf Wochen liegen. Diese Zeit benötige der Körper, um den Eisenhaushalt wieder herzustellen, heißt es auf der Internetseite des DRK.

Auch kurzzeitiger Ausschluss möglich

Doch auch wenn diese Kriterien erfüllt sind, kann es sein, dass ein Spendenwilliger nicht spenden kann. Grundsätzlich nicht spendenfähig sind chronisch Kranke (beispielsweise Zuckerkranke), Menschen die am HI-Virus erkrankt sind oder eine Leberentzündung (Hepatitis) haben. Auch Erkrankungen am Herz-Kreislauf-System können unter Umständen zu einem Ausschluss führen. Ebenfalls nicht spenden dürfen Menschen, die sich zwischen 1980 und 1996 länger als sechs Monate in Großbritannien oder Nordirland aufgehalten haben. Hintergrund dessen ist nach den deutschen Richtlinien, dass eine Übertragung der neuen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, besser bekannt als BSE, nicht ausgeschlossen werden kann. Reisen ins Ausland können zu einer zeitlich begrenzten Zurückstellung bei der Blutspende führen. Für einen kurzzeitigen Ausschluss sorgen außerdem Operationen, Zahnbehandlungen und Impfungen.

Bevor das Blut an Empfänger weitergegeben wird, wird es auf verschiedene Krankheitserreger getestet. Quelle: dpa

Wie läuft eine Blutspende ab?

Wer Blut spenden möchte, kann dies entweder bei einem Termin beim DRK oder aber zu den Öffnungszeiten des Blutspendedienstes in der UMG oder dem dazugehörigen Blutspendedienst am Campus, Weender Landstraße 1 oder einem anderen Blutspendedienst machen. Außer den oben genannten Kriterien ist zudem das Vorlegen eines gültigen Lichtbildausweises Voraussetzung. Mit diesem melden sich Erstspender an, Mehrfachspender können sich auch durch Vorlage ihres Blutspenderausweises anmelden. Erstspender füllen dann einen ausführlichen Bogen mit Gesundheitsfragen aus. Auch Mehrfachspender müssen auf einem Bogen Fragen zu ihrem aktuellen Gesundheitszustand beantworten. Anschließend werden der Hb-Wert des Blutes, Puls und Blutdruck gemessen. Anschließend entscheidet der Arzt, ob eine Spende möglich ist, erklärt das DRK auf seiner Seite.

Spende endet mit Imbiss

Sollte eine Spende möglich sein, erfolgt dann die Abnahme von rund 500 Millilitern Blut. Die Entnahme erfolgt im Liegen und dauert etwa fünf bis zehn Minuten. Den Abschluss einer Spende bildet der Imbiss. Hier sollten Spender sich die Zeit nehmen, sich etwa 15 Minuten lang zu stärken, damit der Kreislauf Zeit habe, wieder in Schwung zu kommen, beschreibt das DRK den Ablauf auf seiner Internetseite.

Bei einer Blutspende werden dem Spender 500 Milliliter Blut entnommen. Quelle: Christina Hinzmann

Beim Blutspendedienst der UMG gibt es nach Auskunft von Dr. Joachim Riggert, kommissarischer Leiter der Transfusionsmedizin, jährlich 18 000 Blutspenden. Sie werden bei Operationen ebenso eingesetzt wie zur „Behandlung von Patienten mit bösartigen Grunderkrankungen wie Tumoren, bei denen auch Therapien eingesetzt werden, die die Blutbildung unterdrücken können“, sagt Riggert.

Worauf wird das gespendete Blut untersucht?

„Aus den Probenröhrchen, die bei jeder Spende abgenommen werden, werden zunächst die Zahl der verschiedenen Blutzellen jeder Spende und die Blutgruppe untersucht, auch wenn Letztere schon bekannt ist. Damit lassen sich potenzielle Verwechslungen erkennen, falls im Probenröhrchen einer spendenden Person nicht die vorbekannte Blutgruppe bestätigt werden kann“, erklärt Riggert.

Weiterhin werde jede Spende mit unterschiedlichen Verfahren auf verschiedene Infektionen untersucht. Zum einen würden Testverfahren eingesetzt, welche vorhandene Antikörper nachweisen könnten, die der Körper als Reaktion auf Infektionen mit verschiedenen Erregern innerhalb einiger Wochen bilde. „Es wird hier auf Antikörper gegen HIV, Hepatitis B und Hepatitis C sowie auf Syphilis untersucht“, berichtet Riggert.

Unterschied von Blut- und Plasmaspende

Während bei der Blutspende alle Bestandteile des Blutes entnommen werden, gibt es auch Entnahmeverfahren, bei denen nur bestimmte Blutteile genutzt werden und die restlichen dem Spender wieder zurückgegeben werden. „Bei der Plasmaspende (Plasmapherese) oder auch bei der von uns durchgeführten Thrombozytapherese wird das Blut des Spenders in ein Gerät geleitet, in dem es in seine unterschiedlichen Bestandteile aufgetrennt wird. Es werden nur bestimmte Bestandteile in einen Sammelbeutel abgeleitet“, berichtet Dr. Joachim Riggert, kommissarischer Leiter der Transfusionsmedizin der UMG. Insbesondere gingen den Spendern bei diesen Verfahren nur wenige der roten Blutzellen (Erythrozyten) verloren, die für den Transport des Sauerstoffs im Körper verantwortlich seien, und eine lange Nachbildungszeit hätten. „Die Thrombozyten und die Eiweiße des Plasmas dagegen können vom Körper innerhalb weniger Tage nachgebildet werden“, erklärt Riggert. Thrombozytenspenden zum Beispiel dürften alle zwei Wochen vorgenommen werden. Plasmaspenden könnten bis zu 60 Mal im Jahr erfolgen, heißt es auf der Seite von CLS Plasma, die auch einen Standort in Göttingen im Carré, Weender Straße 75, haben. „ Je nach Verfahren dauert eine Plasmaspende zwischen 30 bis 75 Minuten“, sagt Riggert. Plasma kann bei CLS Plasma und in der UMG gespendet werden. ve

Von Vera Wölk

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